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nachten schenken zu dürfen. Die Ueberreichung des m Potsdam hergestellten Gebäcks findet am Vormittag dev 24 Dezember durch den Kommandeur der Leibkompagnie statt Außerdem schenkt aber auch die Stadt Thorn jede Weihnachten dem Kaiser und der Kaiserin, sowie den groß- jähriqen kaiserlichen Prinzen Honigkuchen, von denen jeder nach altüberlieferter Gewohnheit bei einem Gewicht von 9 Kilogramm 70 Zentimeter lang, 40 Centimeter hoch ist. ^eder Kuchen wird besonders verpackt und erhält als Beigabe 180 Thorner Katharinchen und 150' Stück Lebkuchen. Tie iogen. Thorner „Katharinchen" sind von der Schwester Katharina des Bernhardiner-Cistercienserklosters bei Thorn, —1312 erbaut — erfunden. Wie auch die braunen Pfeffernüsse am besten geraten, wenn sie aus möglichst altem Teig gemacht werden, io wurden ursprünglich die „Katharinchen" au« fünfzigjährigem Honnigkuchenteig gebacken. Auch der Thorner Mandelkuchen ist mit Mandeln belegter Honigkuchen. , , t
vUe diele Weihnachtsgebäcke, wie auch der Königsberger Marzipan, die Haller intö Braunschweiger Pfefferkuchen, die Erlanger niti) Nürrcherger Lebkuchen, die Aachener Printen, die Frankfurter Brenteii oder Brendan und dm Baseler Leckerli »sw. werden in neuester Zeit massenhaft hergestellt und in alle Welt versandt. Die wohlschmeckendsten Weihnachtsbäckereien sind und bleiben aber doch diejenigen, welche daheim von der fleißigen Hausfrau selbst hergestellt und auf die Teller unter dem Christbaum gelegt werden. Zum Schluß seien daher noch einige wohlerprobte Rezepte solchen Gebäcks. zu Nutz und Frommen unserer geneigten Leserinnen hier mitgeteilt.
Gutes Weihnachts-Spekulatius erfordert 5 Pfund Mehl, zweieinhalb Pfund Zucker, 1 Pfund Butter, 9 Eier, 3Theelöffel Zimmet, 2 Muskatnüsse, fein gerieben, zlvei Messerspitzen, etwa einen halben Theelöffel gestoßene plägelchen (Nelken) und eine Messerspitze Hirschhornsalz. Man mengt davon einen Teig, hält jedoch ungefähr einhalb Pfund Mehl zum Streue» zurück; der Teig darf nicht zu dünn ausgerollt werden. Man nimmt Holzformen zum Aus- dr'icken oder Blechformen zum Ausstechen imb läßt hierauf das Spekulatius hellgelb backen. In einer Blechliste oder einer zugedeckten Porzellanschüssel kann man es, wie die meisten ähnlichen Weihnachtsbäckereien, wochenlang frisch erhalten. '
Vanille-Brötchen: 7 Eier, 50 Gramm Vanillezucker, 1 Pfund Zucker und 1 Pfund Kaisermehl. Die Eier werden mit dem Zucker eine Stunde lang gerührt, dann kommen der Vanillezucker und das Mehl hinzu. Schließlich formt man von der Masse Häuschen und setzt diese auf ein mit Butter bestrichenes Blech, Ein anderes Rezept: I Pfund Zucker ivird mit 5 Eiern eine Stunde lattg gerührt, 10 Gramm gestoßene Vanille und dreiviertel Pfund Mehl darunter gemengt. Die Häufchen, welche man daraus formt, setzt man ebenfalls auf ein bestrichenes Blech und läßt sie gar backen.
Chokolade-Makronen: 500 Gramm Zucker, 4o0 Gramm süße und 50 Gramm bittere Mandeln werden fein gerieben/ ebenso 150 Gramm Chokolade, zuletzt mit dem Schnee von 8 Eiern gut durchgerührt. . Ma» formt mit einem Kaffeelöffel kleine Häufchen von der Masse und backt sie aus einem mtt Butter ab gerieben en Blech.
Anisbrot: IPfund Butter wird mit der abgeriebenen. Schale einer Citrone und 8 Eiern eine halbe Stunde lang gerührt, dann kommt 1 Pfund Kaisermehl und 1 Eßlöffel Anis hinzu. Auf einem mit Butter bestrichenen und mit Mehl bestreute» Blech formt man von der Masse zwei lange Leibe, die gebacken werden. Nachher werden sie in Scheiben geschnitten und nochmals zum Rösten in den Backofen gebracht. -
Mand elhäufchen: 6 Eiweiß werden zu einem steifen Schnee geschlagen und mit 1 Pfund Zucker dick verrührt, dann mit 1 Pfund abgebrühter und in längliche Scheiben geschnittener Mandeln vermischt. . Man erhält davon etwa 56 Häufchen, die auf ein mit Butter bestrichenes und mit Oblaten belegtes Blech gesetzt werden.
Zim niet st er ne: 6 Eiweiß werden zu einem steifen Schnee geschlagen, dann mit 1 Pfund Zucker, 1 Eßlöffel feingestoßenem Zimmet und etwas Citronenschale verrührt. Von dieser Masse stellt man ungefähr eine halbe Tasse voll
Redaktion: E. Burkhardts — Rotationsdruck und Verlag der Brü
zurück zum Bestreichen. Zu der Hauptmasse kommt noch 1 Pfund ungeschälter, feiner Mandeln; sie ivird hierauf einen halben Centimeter dick mit Zucker ausgewellt, mittelst einer blechernen Sternform ausgestochen, die Sterne mtt der zurückgestellte» Masse bestrichen und in nicht zu heißem. Ösen gebacken. „z ; .
Damit genug für diesmal. Möge überall, das ist ment eifrigster Wunsch zum Schluß, das Weihnachtsgebäck, wohl geraten und schön ausfallen, damit es den Kleinen tote den Großen gleich gut munde und bekomme, wenn die Kerzen strahlen und die Christbaumlichter durch die „stille, heilige Nacht" erglänzen!
Im alten Eisen.
Eine Erzählung von Wilhelm Raabe. 3. Auflage. Berlin, G G r v t e'sche Verlagsbuchhandlung. 1901. Preis geh. 3 Mk., geb. 4 Mk.
Muß es schon zuweilen als gewagtes Unterfangen gelten, von der Menschen Aeußerem allgemein auf ihr Fnneres schließen zu wollen, da doch oft in rauher Schale nur sich birgt ein edler Kern, so ist es doch neuerdings mehr und mehr Brauch geworden, der Bücher Gewand ihrem Gehalt anzupassen, und so schon äußerlich erkennen zu lassen, wes Geistes Kind sie sind.
Sv hielt ich bemt das durch Verlegers Gute nur zugänglich gemachte Raabe'sche „Im alten Eisen" sinnend nr der Hand, um, den Einband betrachtend, mir einen Vers , ans den Inhalt zu machen. Ein mit einem Offiziersdegen gekreuzter Knotenstock bildet das Wahrzeichen des Buches, darunter befindet sicheln verhängnisvoller Dreizack; das Ganze ist von leichtem Gerank umgeben. Halt, dachte tch, Knoten- stock und Degen spielen jedenfalls i» der Erzählung die Hauptrolle, auch Forke und Gerank haben gleich ihnen sicherlich Bezug auf die Charaktere der int Buch geschilderten Menschen. „ , , , , o , ,
^er eine bleibt ritterlich, so hart auch immer de? Lebens Kampf ihn anficht, der andere verleugnet in keiner Lage die ihm eigentümliche urwüchsige Kraft, beun dritten heißt's: „Treib die Natur mit Forken aus; ,te fühlt sich doch bei dir zuhaus!" — magst bu nun zu den ^genannten ehrenwerten Leuten oder leichtsinnigen Geschöpfen gehören. .
Und so ist's denn auch. Wir begegnen tnt alten Eise» Helden, Knorren und Sklaven, wie sie urbildlicher im Leben kaum zu finden sind; echten Schöpfungen Raabe'sche» Geistes. Ich nehme aus guten Gründen davon Abstand, den Gang der packenden Erzählung hier zu verraten, möchte vielmehr durch meine Verschwiegenheit bezwecken-, daß recht viele Familienblattleser sich das Buch zu oder besser noch ttto r Weihnachten leisten möchten. — Es ist nicht alles Gold, was glänzt; doch steckt verborgene Kraft int alten Eisen!
Similia similibus, den homöopathischen Grundsatz, de» der Volksmuiid etwa verdeutscht: Man muß Hitze mit Hitze vertreiben, hat Raabe weislich als Wahlspruch der Erzählung vorgesetzt. Trefflicher konnte er fein Werk gar nicht kennzeichnen. Es ist allerdings eine homöopathische Kur allerersten Ranges, i» des Wortes verwegenster Bedeutung, Möchte sie nicht erfolglos sein bei denen, die ihrer bedürfen, und von Zeit zu Zeit bedürfen solcher Kuren wir alle. Vielleicht hat zur heiligen Weihnacht auch in der werdenden Großstadt Gießen mancher jemand nebenan, dem er beispringe» kann in der Bedrängnis. Das wäre im Geist und Sinn des lieben Alten, der dem alten Ei,en so erweckliche Töne zu entlocken vermag. Bdt.
Rätsel.
Nachdruck verboten.
Mich trägt der Kopf, doch läßt du mich
Den Kopf von andern tragen,
-Dann sichst du mich im grünen Schmuck
Empor zum Himmel ragen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Magischen Dreiecks in vor, Nr,:
F
K A
AAR
GRAB
E 8 C H E__________
'schm Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


