Ausgabe 
14.11.1901
 
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mußte er sich schleunigst bei dem Eorpsmützenmacher einige neue besorgen; bei dieser Gelegenheit konnte er sich gleich nach einer anständigen Dedikation für seinen Leibalten um­sehen. Einen Moment stutzte er- Lumpen konnte er sich doch nicht lassen, das würde also ein schönes Stück Geld kosten. Ach was, er hatte hundertundfünfundsiebzig Mark Wechsel, so viel Däuser hatte er ja als Pennäler noch nie zusammen- geseheu. Ganz so, wie Vater es sich zu Hause vorgestellt hatte, würde es freilich nicht werden. Er mußte mit seinen Corpsbrüdern in einem Bräu zusammen speisen, das billige Lokal, in dein er die ersten Tage gegessen hatte, war majt couleurfähig, das sah er selbst ein. Wenn er nur uicht un­wissentlich einen Verstoß gegen den Eomment beging und zur Strafe hinausgehäugt würde, oder gar dimittiert. Seinen Conabiturienten und bisherigen Dutzsreuud Heinrich Weimann hatte er gestern, bei dem Exbummel vor der Kneipe gegrüßt. Zum Glück hatte ihn der Präside schon darauf aufmerksam gemacht, daß die Couleur zuerst zu grüßen fei, und daß er den Verkehr mit außerhalb des Corps Stehenden, zumal mit Finken, am besten meide. Ja, der Präside ivar ein Kerl. Schon zweiundzwanzig Mal los ge- wesen, und die letzten sieben Mal hatte er unberührt ab- gestochen. Zehntes Semester, nun aber wollte er inaktiv werden, um seinen Referendar zu bauen. Und was er ver­tragen konnte. Er hatte doch gestern unheimlich getrunken, und man hatte ihm nichts angemerkt....

So weit war er in seinen Betrachtungen gekommen, da brachte ihm die Wirtin den Kaffee. Hinter ihr trat das Dienstmädchen ein mit dem gebürsteten Rock.

Sie entschuldigte sich.

Er war so schmutzig, Herr Doktor, und' ich kriege die Flecke nicht raus. Sie werden ihn wohl zum Reinigen schicken müssen."

Dann ging sie, die alte Frau blieb. Das war fatal mit dem Rock, aber was kam schließlich darauf an. Be­gierig wartete er auf ein Wort des Staunens, der Be­wunderung. Da sie schwieg, so begann er.

Na, was sagen Sie, Frau Franke, ich bin aktiv ge­worden."

Sie nickte still mit dem Kopfe, dessen schneeweißes Haar ihm zum ersten Mal in die Augen fiel und ging leise aus dem Zimmer. Verblüfft starrte er ihr nach, aber nur eine Minute blieb sie fort, dann kehrte sie zurück. In der Hand trug sie einen sorgfältig in Seidenpapier eingeschlagenen Gegenstand. Sie entfernte die Hülle und siehe da, es war ein zusammengevolltes Band, genau so eines, wie es da auf dem Tische lag, nur verblichen und dunkel geworden. .

Das trug mein Sohn", sagte sie leise, und das von unzähligen Falten durchfurchte Gesicht sah kummervoll und verhärmt aus.

Hans wurde auf einmal ganz bange um's Herz.

Er war so alt wie Sie, als er einsprang", fuhr sie fort, als spräche sie zu sich selbst.Wir waren kleine Leute in der Provinz, wir verstanden's nicht besser, wir freuten uns, als er uns schrieb, weil er nun doch ein richtiger Student geworden war. Mer er war eben nicht reicher Leute Kind, und bald langte der Wechsel nicht, und was ich ihm heimlich schickte, auch nicht. Bald mußte er Wechsel­steuer zahlen, und bald kam eine Repartition von einer Fest­kneipe, und bald hatte er eine Dedikation zu machen, und dann war wiederum ein Anzug nicht Patent genug. Und fertig mit dem Studium ist er nicht geworden."

Hans hatte das bunte Band, das er umhängen wollte, wieder hingelegt, er starrte die Alte an und redete kein Wort.

Die aber sprach eintönig weiter:

Der Vater ist darüber gestorben. Mein Junge hätte ja alles haben können. Er sollte fechten lernen, auch trinken, und zu einer Ferienreise hätte es auch gelangt, aber für die Couleur hatten wir nicht Geld genug."

Und was ist aus ihm geworden?" fragte Hans stockend.

Sie antwortete nicht, sie schüttelte den Kopf und ging fort. Das alte bunte Band nahm sie mit

...» Hans Krüger aber ist nicht aktiv geworden.

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Die illustrierte Monats-ZeitschriftKunstgewerbe für's Haus", herausgegeben von C. v- Sivers, Verlag von Otto Lienekampf, Berlin W. 35, Lützowstraße 9, die sich so überaus schneller und weitgehender Verbreitung erfreut, hat mit der Oktober-Nummer ihren zweiten Jahr­gang begonnen. Dieselbe liegt uns in neuer, geschmackvoller Ausstattung vor, und bietet wieder einen erfreulich reichen Inhalt von künstlerisch schönen Arbeiten in den ver­schiedensten Techniken des modernen Kunstgewerbes. Wir finden darin außer einem interessanten AufsatzeEin Jahr deutschen Kunstgewerbes" von Peter Jessen, dem Direktor vom Kunstgewerbe-Museum zu Berlin, einen schönen Schrank von dem dänischen Meister Th. Bindesboll, einen Spiegel­rahmen von Prof. E- Doepler d. I., ferner Kissen, Decken, Rahmen, Fächer, Konsolbretter, einen Kinder-Waschtisch mit Majolikafüllung, Schreibmappen, eine sehr eigenartige farbige Beilage u. a. m., alles Entwürfe von bewährter Künstlerhand. Die beiden Musterbogen, welche die natur- grotzen Aufzeichnungen geben, sind diesmal ganz besonders reichhaltig ausgefallen.

Gemernrrtttzrges.

Das Ueberwintern der Zimmerpflanzen. Seit Jahren habe ich .bei der Ueberwinterung meinest Zimmerpflanzen ziemlich viel Pech gehabt. Bald welkten sie ab, bald trieben sie unbändig lange kahle Ruten, und wenn es dann zum Frühling kam, wollten sie nicht mehr, sie waren übertrieben. Auf der Suche nach einer guten Ueberwinterungsmethode, lese ich kürzlich einen Artikel in Nr. 30 desErfurter Führers int Obst- und.Gartenbau"« über diesen Gegenstand. Der Verfasser, Herr Rother, der mehr als 600 Pflanzen überwintert, teilt dort die in 30 jähriger Praxis gemachten Erfahrungen mit. Sie gipfeln darin, die Pflanzen möglichst kühl zu halten. Mer wie er dies thut, wie er den Standort der Pflanzen im Laufe des Winters wechselt, wie er sie aufstellt, das ist nicht nur. allein interessant zu lesen, sondern giebt auch so viel Winke, daß man sich unwillkürlich sagt, so, jetzt kannst du deine Pflanzen auch überwintern. Die Nummer 30 desErfurter Führers im Gartenbau" wird den Lesern dieser Zeitung kostenfrei zugesandt, wenn sie sich mittels Karte nach. Erfurt wenden, .

Scherz-Charad st.

Nachdruck verboten.

Das Erste ist im Weine Und geht etwas das Erste, Vorbei wird's mit ihm sein.

Das Zweite ist im Haus;

Es steht, wo Felsen ragen Und schützt vor Sturmgebraus,

Das Ganze stört den Plan; Bald reizt's zur Widerlegung, Bald ficht dich's wenig an.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Redaktion; E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen..