520 —
- Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnivcrfitätZ.Duch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
Redaktion: E. Burkhardt.
■ Gar interessante Ausflüge lassen sich tütch Von Tokio aus unternehmen, so vornehmlich nach dem schönen Biwa- See, wo der heutige Kaiser von Rußland aus seiner Reise um die Welt seinerzeit trott einem plötzlich von Wahnsinn, befallenen japanischen Sicherheitsbeamten mörderisch! angegriffen und ihm von einem der Finricffchab urschen und auch wohl von seinem mit ihm reisenden Vetter, dem! Prinzen Georg von Griechenland, das Leben gerettet wurde.
' Recht amüsant war auch der Ausflug nach Hozu, von !vo o6~ wir in einem 'offenen Ruderboot eine gar lustige Fahrt durch die Stromschnellen des Katsura-gawa unternahmen. Gefährlich war die Fahrt nun wohl nicht, aber aufregend immerhin und anregend jedenfalls auch, insofern als auf der vielleicht zehn Kilorneter langen Strecke auf beiden Seiten unmittelbar am Uferstrand stets herrliche Gebirgszüge sich uns darboten. Das Ganze erinnerte wohl mt die Stromschnellen des Nils unterhalb der Insel Philae. Wenn auch die Wassermassen des Katsura-gawa damit gewiß nicht einen Vergleich aushalten, so sind sie doch von ebenso überstrudelndem Frohsinn, stellenweise aber auch wieder von ebenso wankelmütiger, störrischer, zer- störungsfüchtiger, wutentbrannter, unbändiger Sinnesart.
Ter nächste bemerkenswerte Ort, den ich besuchte, war die in Bezug auf Handel und europäischen Verkehr bei Weitem bedeutendste Stadt des Landes, der Vertragshafen Yokohama. Hier ist auch das Deutschtum wieder stark vertreten, das dementsprechend auch in einem geräumigen, prächtig ausgestatteten Klubgebäude eine gebührende Hemt- ftätte gefunden, wie denn die deutschen Klubs des Ostens in Städten wie Hongkong, Schanghai und selbst in Kobe nicht minder wie in Yokohama ihren Begründern alle Ehre machen. Diese Klubs sind für die meisten Deutschen ja auch das recht eigentliche Heim, welches sie unter den fremden Menschen und den fremden Verhältnissen haben, und der recht eigentliche Nährboden der Vaterlandsliebe. Die Deutschen des Ostens sind gute Patrioten. Das scheint allerdings auch von den Zugehörigen anderer Nationen zu gelten, aber es ist natürliche kein Grund, warum sie, die alle inimerfort in geschäftlichen, vielfach auch in geselligem Verkehr miteinander stehen, nicht trefflich! miteinander auskommen sollten. Die Angehörigen der verschiedenen Nationen lernen sich hier besser kennen, verstehen und würdigen. Der Patriotismus wird toleranter, gewrsiermaßen geläuterter, und darum ein um so edlerer Zug in dem internationalen Leben. So werden auch die Nationalfeste aller Völker Wohl nirgends enthusiastischer gefeiert, als hier draußen im Osten, und es sind sowohl an König Eduards wie Kaiser Wilhelms Geburtstag, au den französischen tote amerikanischen Nationalfesttagen nicht nur alle Geschäfte der betreffenden Nationen, sondern alle Banken auch an jedem einzelnen dieser Tage geschlossen. Und wenn dann gar die Japaner drei Tage und die Chinesen eine ganze Woche lang Neujahr feiern und keine Geschäfte machen, so schließen sich die ausländischen Geschäfte beinahe für die ganze Dauer ihnen getreulich an. ,
Indessen ist dieser „Anschluß und Zuschluß" nun mcht so sehr aus das Bestreben zurückzuführen, das gute internationale Einvernehmen zu bekunden, als auf den Umstand, daß durch diese Feste der einzelnen Nationen der Geschäftsverkehr im allgemeinen doch wesentlich gestört wird, teilweise auch wohl ganz ins Stocken gerät, vornehmlich! aber auf die Anschauung, daß man in der Wahl der Gründe nicht zu zaghaft sein muß- wenn es gilt, sich — einen freien Tag zu machen, wo es nur irgend angeht. Tarrn ist man hier sehr liberal.. Indessen, wer wollte es den guten Leuten verargen — denen doch durch das Klima und die, wenn auch freiwillige, „Verbannung" so viele Opfer auserlegt werden! Reich werden sie in kürzester Zeit ja doch — zuweilen. Sie Zeiten, wo das allgemeui war, sind allerdings langst vorüber. Wie angenehm es aber auch ist, als Reisender auf kurze Zeit die Welt zu durchstreifen, unter den hier dauernd ansässigen Ausländern giebt es. doch nur wenige, die sich; hier ganz wohl fühlen, die nicht an einem gewißen Heimweh leiden. v Y .
Freilich, in Yokohama läßt sichs schon leben; und so ivar ich denn auch froh, nach den mancherlei Entbehrungen, die mir meine Streifereien durch das Innere des Landes, auserlegt hatten, hier auch wieder ein Hvtel vorzufinden, das den besten europäischen oder doch amerikanischen Atustern nachgebildet ist, und sogar sein eigenes Orchester unterhalt.
Msöe.
In den Auslagen der Buchhandlungen findest wch Hest 24 der „Wiener Mode" vom 15. September ausgestellt-: Es enthält das Neueste in Herbstkleidern, Hüten, Besuchsund Soireetviletten, Blusentaillen, Theatergarderoben, Jago-, anzüge für Damen und Herren, Kleider aus Tuch und dem allerneuesten Himalayastoffe, der bereits sehr beliebp ist, sowie schließlich Morgenkleider, Mäntel, Wintenacken und vieles andere. Damit ist der Inhalt dieser überausj reichhaltigen Zeitschrift noch bei weitem nuht erschöpft.; Der Handarbeits- und Unterhaltungsteil weist zahllose Abbildungen und belehrende Beiträge auf, jede der 48 Seiten dieses stattlichen Heftes ist interessant und nützlich für dm Damenwelt, besonders wird das „Fruhlingslied chster Hoheit der Frau Erzherzogin Marie Valerie das Interesse, der Damen erwecken. — Wer noch nicht abonniert isst kaufe Heft 24 für 45 Pf. (bei jeder Buchhandlung) einzeln? und abonniere gleichzeitig für die Monate Oktober, Novenm ber und Dezember (Mk. 2.50). Abonnements nehmen auch! die Postanstaüen sowie der „Wiener Mode"-Verlag tn Wien VI/2 direkt entgegen.
Geheimschrift.
Mnddnrblmstgtzfi'dnht Dchwrmnfgstzfrdukinmtnchtwt.
Vorstehende Buchstabenreihcn find in Gruppen zu zerlegen, da fich durch Einfügung passender Vokale zu finngcmäßen Wörtern bilden laßen. Das Ganze ergibt einen Sinnspruch von Rückert.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.: Segen ist der Mühe Preis.
Wvhl sind die Musiker Japaner, aber sie spielen MM päische Art oder wenigstens ~ auf europäischen Jnstrltt menten. i
Und wie ward mir da, als ich ast der Gasthostafelj plötzlich ein Potpourri vernahm, in dem mir Melvdieen wie! „Du hast ja die schönsten Augen", und nun gar -Meines Mutter schickt mich her" entgegen tönten, hier in der inter-i national-europäisch-amerikanisch-j «panischen Gesellschaft, «ist anderen Ende des Erdenrunds! Nicht minder traut erklangf mir aber ein anderes Stück trotz des auf dem gedrucktes Programm ihm begegneten Mißgeschicks — wie wenige hattest wohl Arg daraus! — ein Stück, das dort verzeichnet stand' als „Luder ohne Wortes.
GeMsiniMtziges.
Lilien! Wer kennt und liebt nicht die majestätischest Blütenstände der weißen Lilie oder die der prächtigest. Fenerlilie? Ueberall sieht man Lilien gern, sei es als! Topfpflanze, als ganzes Blumenbeet oder als Vorpflanzst ung vor Gehölzen. Die Behandlung ist so überaus einfach und die Dankbarkeit für geringe Pflege so groß, daß mast sich wundern muß, die Lilien nicht noch viel häufiger anzu-i treffen. Eine sandiglehmige Erde mit Humus reichlich durchsetzt und ein freier, sonniger Standort ist für die meisten Lilienarten das Beste. Manche, es sind das aber iveniger viele Arten, lieben Halb- oder Vollschatten. DiÄ neueste Nummer des „Praktifchen Ratgebers im Obst- und Gartenbau", die vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. O. be^ zogen werden kann, veröffentlicht einen längeren Artikels über Lilien, in dem die bekanntesten Sorten eingehend besprochen und für jede die Bedingungen zu bestem Gedeihest angeführt werden. Es wird auch durch. Bilder verauschau-, licht, wie man durch Einstecken der einzelnen Zwiebel-t schuppen in eine Samenschale sich selbst die Lilien herans ziehen kann. , ,, ... >
■ Kaltes, lufthaltiges, reines Wasser stillt den Durst am leichtesten, indem es die Schleimhaut desj Mundes, des Rachens, der Speiseröhre und, des Magens anfeuchtet, ihr Wärme entzieht und die erhöhte EmpfrndZ lichkett herabftimmt. Zugleich wirkt es als Reiz erregend auf die Muskelhaut des Nahrungskanals, verursacht lebhaftere Kontraktionen, wodurch die Fortbewegung seines! Inhaltes beschleunigt und die Stühlausleerung begünstigt wird. Aus dem Magen wird das Wasser schnell eingesaugt^ gelangt ins Blut und ersetzt den Verlust an wässerigen Teilen., Bei Erhaltung des gehörigen Flüssigkeitszustandes des Blutes begünstigt es dessen Umlauf, das Ernährungsgeschaft und die Absonderung aller Säfte.


