Ausgabe 
14.5.1901
 
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einem Fehlbetrag enden muß, und merkt seinen leidenden Zustand sehr bald an den Funktionsstörungen seines Herzens. Dieses Organ, welches seine Thättgkett beginnt, lange bevor das Kind den mütterlichen Organismus ver- läßt, und erst im Augenblick seines Todes stell steht, besitzt sein eigenes Nervensystem, das vom Gehirn in hohem Grade unabhängig ist» Während über letzteres im Schlafe ausruht, muh das Herz wenn auch in vermindertem Umfange weiterarbeiten; es wird geschwächt, wenn im Körperkreislauf zu viel Ermüdungsstoffe umherlaufen, wenn denr Wüte zu große Flüfsigkeitsmengen zugeführt werden, wenn das Individuum sich an den Genuß großer Mengen von Reizmittel wie Alkohol und Tabak gewöhnt, und wenn endlich beim Sport oder schwerer Muskelarbeit allzu große Blutmengen durch dasselbe hindurchgetrieben werden sollen.

Nach! dem eben Gesagten ist es kein Wunder, wenn wir gegenwärtig im Zeitalter der Schwachherzigkeit leben. Die zahlreichen jungen Beamten, welche in eine akademische Laufbahn hineingezwungen wurden, um schließlich an den großen Staatsprüfungen zu fcheitern, Beamte in mittleren Lebensjahren, die plötzlich nerMckrank werden, und in Pension gehen, Offiziere, die trotz sonstiger tadelloser Führung frühzeitig ihren Wschied nehmen müssen, und noch tausend andere, die mitten int Leben ausspannen müssen, gehören zur großen Armee jener, welche sich vergeblich be­müht haben, Anforderungen gerecht zu werden, die, über ihre Kraft gingen, und welche jedenfalls minder unglücklich geworden wären, wenn man für sie einen ihren Kräften angemessenen Beruf gewählt hält«.

Thöricht ist es natürlich, wenn ntmt im Bewußtsein der eigenen Unzulänglichkeit vor ängstlichen und nieder- drückenden Gedanken Zuflucht beim Alkohol sucht; denn sein regelmäßiger und reichlicher Genuß schwächt Herz und Nerven noch mehr, und es ist ein kläglicher Anblick, zuzusehen, wie Tausende von jungen Leuten, die andern­falls ihr Ziel erreicht hätten, nur deswegen einen Miß­erfolg im Leben haben, weil die leidigen Trinksitten es erfordern, daß sie dieselben Quantitäten Wein und Bier in sich hineinschütten, wie andere, welche, wie man sagt, eine Bärenkonstitution haben. Gewiß erfreut der Wein des Menschen Herz, und es wäre dermalen wenigstens ein lächerliches Unterfangen, Enthaltung von geistigen Ge­tränken predigen zu wollen: aber die irrige Vorstellung muß bekämpft werden, daß der Alkohol zur Arbeit und zur Ertragung von Anstrengungen Kraft verleihe; denn gerade das Gegenteil ist der Fall. Wer schwer geistig oder körperlich zu arbeiten hat, erfährt durch Alkoholgenuß an seiner Leistungsfähigkeit nur Einbuße, und nur in den Feiertagsstunden kann ein mäßiger Bier- oder Weingenuß ohne Nachteil bleiben.

Wer bei schwerer körperlicher Arbeit nicht die Erfahrung machen will, daß das von ihm Geforderte über feine Kraft geht, mutz abgesehen von reichlicher Ernährung alle verfügbare Zeit auf Ausruhen verwenden. Der Kopfarbeiter, dessen Nerven, wenn die Raststunde gekommen ist, geneigt ist, mit unruhvoller Reizbarkeit werter zu arbeiten, wird aber Schlaf und Ruhe nur finden, wenn er die fehlende körperliche Ermüdrrng durchs Bewegung hervorrust.

In diesem letzteren Umstande liegt der hohe Wert jedes körperlichen Sports, dessen enorme Zunahme in den letzten Jahrzehnten nur aus dem instinktiven Verlangen der eine fitzende Lebensweise führenden Menschen nach der aus die Ausübung des Sportes folgenden süßen Müdigkeit und einem tiefen, stärkenden Schlaf zu erklären ist.

Natürlich übt der Sport auch einen großen Reiz deswegen aus, weil er Gelegenheit giebt, zu zeigen, daß man mehr vermag, als ein anderer. So berechtigt nun an sich die Freude nach der eigenen Leistungsfähigkeit, so leicht verführt leider dieser Beweggrund wieder zur Ueberanstreng- ung. Enorme körperliche Anstrengungen können, auch, wenn sie nur ein einziges Mal geleistet werden sollen, zu lebens­länglichem Siechtum durch bleibende Herzerweiterung führen. Viel häufiger tritt dieser traurige Fall natürlich ein, wenn bei Ausübung eines Sports wie Wettlaufen, Ringkämpfen, Turnen, Bergsteigen, namentlich aber beim Wettrennen mittels Rad die Kräfte in unmäßiger Weise in Anspruch genommen werden. Die Durchleuchtung mit

Röntgenstrahlen hat gezeigt, vcch eS bei Übermätztgen Wört­lichen Uebungen stets zu einer mindestens vorübergehen­den Erweiterung des Herzens kommt. Häufig besitzt jemand aber ein ungemein widerstandsfähiges Herz, ohne davon eine Ahnung zu haben, und dann kommt es bei ihm statt zu vorübergehender Herzerweiterung, zu einem plötzlichen Riß der Herzwand mit sofortigem tätlichen Ans gange.

In der Regel ist die Natur jedoch so gütig, die Vorboten einer drohenden Gefahr vorauszufenden, sei es in Gestalt von Herzflopfen oder unerklärlicher Aufregung oder schwer zu bemeisternder Ermüdung. Kann auch der Mensch, der in der Tretmühle seines Berufes einaespannt ist, zwar in den meisten Fällen beim Eintrrtt dieser Vor- zeichen sich nicht seinen Arbeitspflichten gänzlich entziehen, so wird er doch immer in der Lage sein, jene Schädlich? ketten in seiner Lebensweise auszumerzen, die wir vor­stehend geschildert haben, und denen wir uns jederzeit ent­ziehen können, wenn wir den Mut haben, uns dem ge­sellschaftlichen Vorurteil entgegeuzustemmen, welches uns Lebensgewohnheiten vorschreibt, die wie der Genuß nerven­reizender Genußmittet unsere Leistungsfähigkeit nur herab­setzen. ______________

Iür die Küche.

Spargel! Wem kitzelt nicht der Gaumen beim Ge­danken an dieses edelste aller tzrühjahrsgemüse» Während wir früher unsere Spargel in Mehlsaueen tauchen und statt ihres reinen, unvergleichlichen Aromas den unbe­stimmbaren Geschmack einer zweifelhaften Mischung von Fleischabsud und Mehl kosten mutzten, verfahren wir heute weit besser folgendermaßen: Wir befreien die Spargel von der äußeren Haut und den Blattansätzen unterhalb des! Kopfes, waschen sie gut, binden sie zu Bündelchen von 10-15 Stück und schneiden das harte Ende ber Stengel! so ab, daß die Bündelchen eine gleichmäßig« Länge er­halten. Wir sieden die Spargel in Salzwasser aus schwachem Feuer, bis sie gar sind, und lassen sie auf einem Sieb gut abtropfen, richten sie nach Entfernung der Bindfaden auf einer Serviette an und garnieren sie mit einem Sträuß­chen Petersilie. Dann mischen wir nach Geschmack gutes Olivenöl, Weinessig, wenig Senf, etwas Magai-Würze, sowie Salz und Pfeffer und servieren diese Salatsauee in einem Saueennapf. Die Methode ist einfach, und Einfachheit ist eine Grundbedingung für die richtige Zubereitung junger Gemüse mit delikatem Geschmack.

Littevarifches.

Wie Frauen schlank bleiben, möchte gar manche unserer Leserinnen wissen. Es ist nicht zu leugnen, daß eine gewisse Formenfülle verheirateten Frauen gut steht, allein wie leicht ist die Grenze überschritten, wie leicht verliert sich die Anmut der Bewegungen, und gerade in der heißen Jahreszeit lernt man den Mangel an Schlankheit am empfind­lichsten kennen. Da erweist sich die ausführliche Behandlung der Frage: Wie bleiben Frauen schlank?" in ,,Di«A Blatt gehört der Haus­frau!" (Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW., 13, Neuen­burgerstr. 14 a) als sehr zeitgemäß. Ohne Gewaltmittel, ohne peinliche und angreifende Entziehungskuren, läßt sich nach den sachverständigen An­weisungen inDies Blatt gehört der HanSfranI" die lästige Fülle in angemessener Zeit wegbringen. Die klar und verständlich vorgetragene Methode ist praktisch und hat sich in sehr vielen Fällen ganz vorzüglich bewährt. Auch die Königin von Dänemark hat diese natürliche Kur mit großem Erfolg angewendet. Da die in jeder Beziehung reichhaltige Zeit­schrift nur 1,40 Mk. vierteljährlich kostet, ist ein Probeabonnement anzuraten. ___________

Gleichung.

Nachdruck verboten, a(bc) + d(ef) + (gh) ---- x. a Nutzpflanze.

b Teil der Schiffsausrüstung, e kleines, blutdürstiges Tier, d bekannte Schlangenart.

s Blumen.

f Himmelskörper und Auszeichnung, g unbestimmter Zeitabschnitt, h Nahrungsmittel.

x beliebtes Getränk.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:

Aus Fünkchen kann ein Feuer werden.

Rtbeftien: «. Burkhardt. »ruck und «erlag ter BrShttschrn UmuersttätteBmh- «u» Striudruckerri (hdtetsich i* ***.