Ausgabe 
14.5.1901
 
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1901. - m. 68.1 !

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eschieht wohl, daß man einen Tag Weder sich noch andre leiden mag, Will nichts dir nach dem Herzen ein; Sollt's in der Kunst wohl anders sein? Drum Hetze dich nicht zur schlimmen Zeit, Denn Füll' und Kraft stnd nimmer weit: Hast in der bösen Stund' geruht, Ist dir die gute doppelt gut.

Goethe, Guter Rat.

(Nachdruck verboten.)

Die Göttin des Glücks.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Fortsetzung.)

Ach, ich vermag leider fast nichts, um ihr die schwere Aufgabe zu erleichtern, die bas Schicksal so grausam auf ihre Schultern gefegt hat", sagte er im Tone ehrlichster Betrübnis.Wit dem guten Willen ist da so wemg gethan. Ich sehe, daß sie unter der Last ihrer Pflichten fast zusammenbricht und bin doch außer stände, ihr zu helfen "

Aber der Professor muß doch ein Wohlhabender Mann sein, wenn er fünfzehn Jahre lang auf jegliches Erträgnis seiner Arbeiten verzichten konnte. Was hindert sie also, zu ihrem Beistände eine barmherzige Schwester oder sonst ein geeignetes weibliches Wesen anzunehmen.

Ihr Vater duldet niemanden um sich als sie. Er wird sofort unruhig, wenn sie auch nur auf wenige JJcv nuten das Zimmer verläßt, und da jede Aufregung einen der qualvollen Anfälle herbeiführen kann, tue das Wesen feiner Krankheit äusmachen, darf sie sich nur dann hinaus­zustehlen wagen, wenn er schläft."

Das ist! allerdings ein wahres Martyrmm für ein junges Mädchen. Und sie ist doch noch jung?"

Kaum zwanzig, Fräulein Hanno ! Ach, ich wollte, daß Vie ihre Freundin wären." t ~ ä

Und warum gerade ich? Es wird der Tochter des Professor Herbold sicherlich nicht an Freundinnen Wen."

Sie hat nicht eine einzige. Die grollende Weltflucht ihreK Vaters hat auch sie bisher zu einem fast einsiedlerl- fchen Leben gezwungen. Und sie gehört überdies nicht zu den mitteilsamen Naturen, die sich leicht dem ersten besten Wesen anschmiegen. Es ist sicherlich ein Unglück für sre; denn sie steht nun in dieser schweren Prüfungszeit ganz allein"

Aber sie hat doch Sie, foerr Boysen!"

Er schüttelte mit niedergeschlagener Miene Bett Kopf.

Ich glaube, daß Sie mein Verhältnis zu Fräulein Erika falsch beurteilen", sagte er.Gewiß würde ich sehr- glücklich sein, wenn ich irgend etwas zu ihrer Erleichterung thun dürfte. Aber sie gestattet mir nichts, das in den Mugen irgend eines Menschen auch nur den leisesten An­schein einer Vertraulichkeit gewinnen könnte. Davon, daß sie mir ihr Herz ausschüttet und mich zum Mitwisser ihrer geheimsten Sorgen und Kümmernisse macht, kann ja auch den Umständen nach gar nicht die Rede sein. Dazu bedurfte es einer Freundin, einer treuen, liebevollen, hin- gebenoen Freundin. Und weil ich manchmal wahrzunehmen glaube, wie heiß sie sich nach einer solchen mitfühlenden Frauenseele sehnt, darum

Darum wünschen Sie, daß ich ihr diese Freundin sei. Aber wenn ich mich nun dazu bereit erklärte, fürchten Sie nicht, daß ich mich der Gefahr einer Abweisung aus-- fetzen könnte?"

Ueber Harro Boysens ernstes Gesicht ging es wie ein Schimmer der Freude.

Wie müßte das Wesen beschaffen sein, das Ihre Freundschaft zurückwiese, Fräulein Hanna! Nein, nein, für eine solche Besorgnis wäre wirklich kein Grund vorhanden. Und ich würde so glücklich sein, wenn es Ihnen wirklich Ernst wäre mit dem, was Sie da sagten."

Haben Sie denn dem jungen Mädchen bereits von mir gesprochen?"

Gewiß!" sagte er. Und dann, da er etwas wie fragendes Erstaunen in ihren Mienen zu lesen glaubte, fügte er in einiger Verlegenheit hinzu:

Als ich nach meinem letzten Besuch bei Ihrem Bruder noch einmal im Atelier vorsprechen wollte, fand ich dort gegen meine Erwartung den Professor und Fräulein Erika. Da war es doch wohl ziemlich natürlich, daß ich von meiner Begegnung mit Ihnen erzählte. Und sie zeigte gleich ein viel lebhafteres Interesse für Sie, als ich es jemals für eine unbekannte Person bei ihr wahrgenommen habe. Sie sagte sogar im Laufe des Gespräches--

Nun, haben Sie vielleicht doch Bedenken, mir zu wiederholen, was sie sagte."

Harro Boysen war augenfällig errötet, und er vermied es, Hanna anzusehen, während er vollendete:

Sie sagte, daß es ihrer Meinung sehr leicht sein müßte, Sie lieb zu gewinnen."

Und das auf Grund einer Schilderung, die Sie von mir entworfen hatten, ohne mich viel länger als seit einer Viertelstunde zu kennen? Ich bin in einiger Besorgnis, Herr Boysen, daß eine nähere Bekanntschaft Ihnen wie ihr mancherlei Enttäuschungen bereiten würde."

Ich' aber teile diese Besorgnis nicht", rief er mit verräterischer Lebhaftigkeit.Und ich bitte Sie von Herzen,