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s« Polentz entwickelte sich im Nu der Weg, den er jefet einzuschlagen hatte. Er lächelte bescheiden.
Allerdings, ich bin der Polentz, aber assen gesagt, Exzellenz, was Ihnen da erzählt worden ist, - nun ja, das ist ja richtig, ich bin zur rechten Zeit gekommen - aber so etwas macht einem ja ein wahres Vergnügen, einem biederen Landmann zu Helsen." £ £
Nun, ich habe mir sagen lassen", fuhr der Graf fort, „es habe sich um ein Vermögen gehandelt, das für den Wald gelöst worden ist."
„Hundertfünfzigtausend Mark, Exzellenz, die Firma bot nicht die Hälfte, und der Bauer wäre allerdings ahne mich darauf eingegangen." . ,
„Also, sehen Sie! Und rote ging die Sache dann weiter? Ich habe sie aus dem Gesichte verloren. Oder toäii" — der Graf rieb sich die Stirne — „der Bauer soll einen etwas leichtsinnigen Sohn gehabt haben, einen von den modernen Obenhinaus, dem sein Stand nicht gut 8enlt9sXer' Leider!" erklärte Polentz mit kummervoller Miene. „Ja, den hatte er, das schlimmste d ab et ist, daß ich ihn jetzt habe, Exzellenz; er ist mein Schwiegersohn!
„Der junge Bauer" — der Graf runzelte die Stirne und ließ seinen Blick von neuem mißtrauisch über die Gestalt des vor ihm Sitzenden gleiten „heiratete ^chre Tochter? Ist hier in der Stadt? Bet Ihnen mi Geschäfte?
„Gott, Exzellenz, im Geschäft? Nichts ist er. Em Verschwender ist er! Aber was wollte ich denn machen . Tie jungen Leutchen liebten sich. Es ist nur ein wahres Glück, daß der schöne Hof vor ihm sicher ist."
„Was ist denn mit dem Hos?"
Der Bauer übergab ihn auf metiten Rat seiner Tochter, einem braven Mädchen, das einen fleißigen Holzarbeiter geheiratet hat. Der ist nun in sicheren Händen. __
„Und der alte Bauer? Sie sehen, ich tntere,siere mich für die Familie." , . , „
„Lebt mit seiner Frau bet mtr tnt Haufe, Exzelleng. Ich kann sagen, er ist mein bester Freund, ein Ehren-
• mann Sehen Sie, Exzellenz, das war noch ment einziges Glück bei der ganzen Sache, daß ich nur den Mann gewonnen habe. Sie wissen schon, unsereiner wächst da tm Geschäfte groß, zwischen den Kontormauern, da verhärtet sich alles da drinnen. Man hat kein Herz und kein Verständnis mehr sür das Volk, für sein Wohl und Wehe, man wird ein hartgesottener Egoist und Spekulant, ^ch will mich nicht besser machen, ich war gerade so; aber fett ich mit dem Manne verkehre — ich denke jetzt ganz anders. Die Leute haben so einen klaren Blick, ,o gar nichts Verbildetes. Und dann vor allem in meinem Geschäfte — Sie wissen ja, das Interesse der Bauern spielt dabei ja oft die wichtigste Rolle. Wenn man da gewissenlos sein wollte — aber man kann es Nicht fern mit so einem Manne an der Seite, man schämt sich; kurz, man kann es nicht. — I ch nicht. Es geschieht Nicht» ohne seinen Rat. Es kommt dadurch gewissermaßen etn konservativer Zug iu mein Geschäft. Wir können die Ausdehnung der Stadt nun einmal nicht verhindern, ebensowenig, daß der Bauer in der nächsten Umgebung verdrängt wird; aber wir reißen ihn nicht mit der Wurzel aus, sondern versetzen ihn fein sorgfältig in ein anderes Erdreich. Das ist unser Prinzip. O, ich sage ^hnen, Exzellenz, dieser Bauer ist ein Prachtmensch, die Perle meines Hauses. Wenn Exzellenz vielleicht einmal bei Ihrem großen Interesse für den Mann uns die Ehre schenken wollten — ich würde die sorgfältigste Auswahl treffen in der Gesellschaft." .
Graf Waradin erhob sich rasch-, ,o daß Polentz fetn kühnes Vorgehen fast bereute.
Sie kommen doch wegen der Ringbahn?" sagte er. Versprechungen kann ich allerdings nicht matzen. Indes liegt mir sehr viel daran, die landwirtschaftlichen Interessen möglichst wenig dadurch, gestört zu fetten. Der Bauer, der am Ende den Schaden hat, dessen Grundbesitz zerstückelt wird, der in'seiner Ruhe gestört wird, soll wenigstens auch den Hauptnutzen davon haben. Das will ich Ich werde Sie im Auge behalten, Herr Polentz, verlassen Sie sich darauf. Grüßen Sie mir Ihren Berater. . Er soll nur tapfer zu seinem Stande halten." Mit einem kurzen Nicken des Kopfes war Polentz entlassen.
„O, ich Schafskopf! O, ich Schasskopf!" murmelte er vor sich hin, hurtig die Stiege hinabeilend. „Muß dir erst dieser verrückte Graf einen Deuter geben, was für einen wertvollen Mann für das Geschäft du im Hause hast. Im Hinterhause, in einem feuchten Winkel, damit ihn ja niemand sieht, während die im Vorderhause, Tochter, Sohn und Schwager, alles Erdenkliche thun, um das Geschäft zu verderben! Die Ringbahn wird durch meinen Grund gehen. Die Exzellenz, der mächtige Graf Waradin, wird in meinem Hause erscheinen. Ja, das wird er! Tas kostet nur eine formelle Einladung zu irgend einer Eröffnung, und dieser Besuch bedeutet die Aufnahme des Hauses' Polentz unter die ersten der Stadt, bedeutet den Kommerzienrat — Millionen! Und das alles macht der alte, vergessene Bauer vom Wald! .
Er hätte am liebsten laut aufgejubelt oder wäre sofort in das Hinterhaus geeilt, und dem Alten um den Hals gefallen. Aber nur sachte, sachte! Er, der Johannes, wäre ja leicht herauszulocken, aber die verärgerte Bäuerin, darin-lag die Schwierigkeit. , .
Wenn der Graf von dem wahren Sachverhalte Wind bekam, war alles verloren, und es war dem Grafen wohl zuzumuten, daß er nähere Erkpndigungen einzog....
So kam es, daß eines Tages Herr Polentz die Wohnung des Johannes betrat, welcher sich, von den ständigen Hetzereien seiner Stammtischgenossen zum äußersten aufgereizt, soeben anschickte, zu ihm ms Bureau zu gehen, und sein Geld zu fordern.
Johannes traute seinen Ohren nicht. Was er seit Monaten, trotz wiederholten Anlaufs dazu, nicht zu fordern wagte, die Beteiligung am Geschäfte, die höhere Verzinsung seines Kapitals, das alles brachte ihm Polentz jetzt in der liebenswürdigsten Weise entgegen.
Schon lange, erklärte Polentz, lasse ihm dieses mi» natürliche Verhältnis zu Johannes keine Ruhe, er wisse sehr wohl, was er ihm zu danken habe, und vor allem könne er feines Rakes in der nächsten Zeit nicht ent- behren. Was seien dagegen die kleinlichen Weiberstreitigkeiten?! Darüber seien sie doch hinaus.
Johannes dachte an keinen Widerstand, an kein Ausnützen dieses ausfallenden Umschlages in der Stimmung des Herrn Polentz, seine alte gerade Natur schlug wieder durch, die keinen Hinterhalt kennt. Alles sollte vergessen sein.
Als die Bäuerin heimkam — Polentz hatte wohl- weislich die Stunde ihrer Abwesenheit gewählt — trat Johannes ihr mit der freudigen Nachricht der Versöhnung gegenüber. '
Sie war nichts weniger als erfreut darüber. Sie hatte sich wohl einmal gründlich täuschen lassen von den Leuten, dafür aber war sie für alle Zeiten mißtrauisch geworden! Etwas war nicht in der Ordnung, umsonst holte man sie nicht. Sie weigerte sich erst energisch, dem Rufe Folge zu leisten. Da kam dann abends Frau Polentz selbst mit der Schwiegertochter, und beide leisteten förmlich Abbitte.
Ihr Mißtrauen wurde zwar dadurch nur vermehrt, es mußte sich um sehr wichtige Dinge handeln, Johannes sehr notwendig fein, daß sich die Damen dazu entschlossen, aber eine Genugthunng empfand sie doch, und am Ende sehnte sie sich wieder nach- ihrem Matthias.
Tie Versöhnung war eine vollständige.
Polentz war nicht kleinlich, wenn es galt, sich populär zu machen. Vor einem halben Jahr hatte er der neu» gegründeten Pfarrei seines Stadtteiles einen Bauplatz für eine Kirche kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Ein prächtiger Gedanke kam ihm, indem er alle Möglichkeiten durchging, den Minister möglichst rasch in fern Haus zu bekommen. Feierliche Grundsteinlegung, abends Feier im .Hause! Der Minister wird dazu eingeladen, und wird nicht absagen. Vor allem thut Eile not, die Entwürfe zur Ringbahn lagen dein Minister bereits vor, verschiedene Ankäufe waren bereits gemacht worden.
Die Pfarrei erklärte auf fein Drängen, man könne doch nicht den Grundstein zu der Kirche legen, bevor nicht wenigstens die Hälfte des nötigen Geldes aufgebracht sei. Polentz lachte. Zum Grundstein brauchte man nicht mehr, als eben ein Grundstein kostet. Das übrige tage sich bann viel leichter zusammenbringen. Zuletzt erklärte er sich bereit, die Sammlung mit tausend Mark zu er»


