(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle von Anton v. Perfall.
(Fortsetzung.)
Immer wieder nahm er sich vor, mit Polentz zu sprechen. Tas ging nicht so fort. Er hatte ja auch seine fünfzigtausend Mark in dem Geschäfte stecken, und mit den fünf Prozent, die er bekam, war die Sache nicht abgethan. Er war zum mindesten Teilhaber so gut wie der Matthias.
Er sprach auch mit seiner Frau darüber. Da kam er aber gut an. Lieber solle er zusehen, daß er seine fünfzigtausend Mark glücklich, herausbekomme aus dem Schwindelgeschäfte.
Da hörte alles auf. Wie doch die Weiber alles verkehrt sehen in ihrem Hasse! So sprach jetzt die Moni, die sonst den Leuten immer die Stange gehalten hatte, gegen ihn. Natürlich war nichts darauf zu geben, aber stutzig wurde er doch, und zu Polentz ging er nicht wegen der Teilnehmerschaft.
Es giebt Geschäftsgebahrungen, welche sich gleich einem Kreisel nur durch ständige, hastige Bewegungen halten können, eine Keine Stockung, ein unbedeutendes Hindernis, und das Spiel ist aus. Dazu gehörte auch das Geschäft des Herrn Polentz. Und er drehte den Kreisel so rasch, und so geschickt, daß man keine Farbe mehr unterscheiden konnte, und den Zuschauer selbst der Schwindel befiel.
Ihm selbst entging nicht die große Gefahr des Spieles. Tas Perpetuum mobile war noch nicht erfunden; einmal mußte der Stillstand eintreten, und damit der Sturz. So handelte es sich für ihn lediglich darum, ihn möglichst lange hinauszuschieben, womöglich jenseits seiner Lebens-
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eniefje still zufrieden Den sonnig heitern Tag, Du weißt nicht, ob hienieden Ein gleicher kommen mag, Es gibt so trübe Zeiten, Da wird das Herz uns schwer, Da weht von allen Seiten Um uns ein Nebelmeer.
Da wüchse tief int Innern Die Finsternis mit Macht, Ging nicht ein süß Erinnern Als Mondlicht durch die Nacht.
Julius Sturm.
bahu zu verlegen, oder zur rechten Zeit Kreisel und Strick fahren zu lassen.
Tie Grundpreise waren in das Sinnlose hinaufgetrieben, und standen längst in keinem Verhältnisse mehr zur Bevölkerungszunahme der Stadt. Es hieß möglichst rasch losschlagen, ehe das Publikum völlig zur Besinnung gekoinnien, abgesehen davon, daß der Aufwand der jungen Leute, zu welchem er allerdings aus Geschäftsrücksichten die Losung gegeben hatte, immer größeren Umfang annahm, und Herr Fritz sein Möglichstes that, hinter der Schwester und dem Schwager nicht zurückzubleiben.
Ter Bau einer Ringbahn stand bevor, die gewagtesten Spekulationen knüpften sich seit Jahren an dieses Projekt. Durch wessen Grundstücke fie geführt wurde, der verdiente das Zehnfache daran.
Polentz gehörte nicht zu den Säumigen. Der Minister Graf Waradin war der Mann, der die Sache in der Hand hatte. Völlig verschlossen gegen alle Sonderinteressen) ein Mann von tadellosem Charakter, galt er als der vornehmste Beschützer des Bauernstandes, als der energischste Förderer landwirtschaftlicher Interessen. Ja, man machte ihm sogar Vorwürfe, daß er nach dieser Seite zu weit ginge, die Interessen der Industrie darüber vernachlässige.
Vor allem aber war es kein Geheimnis, daß er der fieberhaften, hastigen Ausdehnung der Stadt auf Kosten des Bauern nichts weniger als hold war, und gegen alles Spekulantenhafte einen förmlichen Haß hegte.
Manchen schreckte dieser Umstand geradezu ab, sich in der Angelegenheit persönlich an ihn zu wenden. Polentz ließ sich dadurch nicht irre machen. Aber trotz aller Dreistigkeit war es ihm doch unheimlich zu Mute, als er vor der Thür des Allmächtigen stand.
Um so überraschter war er von dem Empfange, der ihm wurde. Er hatte Mühe, sich rasch zu fassen, und seine Taktik für diesen völlig unvorhergesehenen Fall zu ändern.
Ter Graf streckte ihm die Hand entgegen. „Sie sind also der Herr Polentz —"
Dann wurde er allerdings abenso rasch, einen prüfenden Blick auf den feisten. Keinen Mann werfend, auffallend förmlich, bot ihm jedoch Platz an.
Tas war schon sehr viel bei Gras Waradin, wenn man in solcher Angelegenheit laut.
„Ich irre mich doch nicht —" begann er dann, während Polentz die Ohren spitzte, um ja kein Wort zu vertieren, „zur Zeit der Nonnenkatastrophe wurde mir der Name Polentz in einer mir höchst sympathischen Beziehung genannt. Ein Herr Polentz, Bankagent, rettete sozusagen einen unserer besten Bauern aus dem Oberlande, welcher von der Katastrophe hart mitgenommen wurde, vor der Ausbeutung einer norddeutschen Firma.
Sind Sie der Polentz?"


