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raschen Bewegung trat er noch! näher an das Fenster, und spähte mit langem Halse auf den Weg, welcher von der Terrasse zur vorderen Auffahrt führte.
Marie und ihr Freiersmann waren herausgetreten. Erstere spannte einen Regenschirm auf, und hielt ihn vorsorglich über den dicken Mustiner, welcher recht beklommen neben ihr herging.
„Nee, Plums", hörte der Major sein Mündel sagen, „wie kann man bei solchem Wetter nur so 'nen feinen Quadrillenschwenker anziehen!"
„Aber Fräulein Marie", wandte Joachim Gostenow mit viner halb ungeduldigen, halb verlegenen Gebärde ein, indem er stehen blieb; „ich will Ihnen erklären — wenn Sie mich nur zu Worte kommen lassen wollten!"
„Lassen Sie nur, Plumschen. Ich! weiß schon. Sie sind ein so unvernünftiger Mensch, daß Sie im stände wären, mich heiraten zu chollen, und das wäre eine zu harte Strafe für den spatigen Gaul, mit dem Sie den Onkel angeschmiert haben. Aber zeigen muß ich Ihnen das Unglücksvieh, auf daß Sie ob Ihrer Schandthat erröten. Also dalli —!"
Damit zerrte sie den Widerstrebenden in der Richtung nach .den Ställen mit sich! fort,
„Du — Onkel!"
„Ach, laß. mich in Frieden! Du erzürnst mir die ganze Nachbarschaft mit Deinem Henehmen. Den Bassewitz hast Du direkt auf die Rüben gejagt, und den Mustiner schleifst Tu gar durch die Ställe! Ich weiß nicht, was Tu willst ~~ schließlich wird's doch auch für Dich Zeit — —"
„Wozu?"
„Na, zuni Heiraten, Deibel noch mal!"
„Wie so?"
„Wie so!" brauste der Major auf, indem er heftig die Asche seiner Zigarre abschucllte. „Da giebt es kein Wieso! Tu bist bald zwanzig, und wirst Dich doch äuf Perschow nicht sauer einlegen wollen!"
„Tu — Onkel?"
„Na?!" '
„Der Mustiner nimmt den Gaul zurück."
Herr von Usadel zuckte die Achseln, und setzte sich ärgerlich an seinen Schreibtisch, wo er Federhalter, Papierschere und noch Verschiedenes ziemlich geräuschvoll durch tzinanderwarf.
Marie von Leesten hob den Kopf mit den schweren braunen Flechten, und folgte dem zornigen Spiele mit einer Mischung von Befremden und Heiterkeit. Dann senkte sie den Kopf wieder, und bemerkte trocken:
„Na, also schön' Ich! werde heiraten."
Der Major fuhr herum.
„So! Hm — und wen, wenn ich fragen darf?" rief er grundlos laut, nachdem er ein paar Mal heftig geschluckt, wie jemand, dem ein Schreck die Stimme verschlagen,
„Das kommt darauf an."
„Worauf?"
„Ob er mich will."
„Quatsch! Alle wollen sie Dich!! Weiß er denn schon 'was?!"
„Ich glaube nicht!"
„Nun, dann rede doch mit ihm, wenn der Schafskopf so nicht merkt, daß Tu ihm gut bist!"
„Tu — Schafskopf sage nicht, das verletzt mich in meinen Empfindungen. Meinst Tu, daß das geht, wenn ich mit ihm rede?"
„Natürlich geht's! Weshalb follt's nicht gehen!" brauste Herr von Usadel mit einer zornigen Bitterkeit aus, die er vergeblich niederzuringen suchte: „schmeiß Dich doch! irgendwen; an den Hals! Du machst Dir ja doch! 'nen Deibel 'was daraus, ob Dein alter Onkel hier in dem alten Eulenneste einsam zu Grunde geht!"
Ter Major tobte sich weiter in seinen unbegründeten Zorn hinein, und zwar so, daß er zuerst sein Alleinsein gar nicht merkte. Erst als er müde war, sah er sich verstört um. Sie war fort. Er hatte sie mit seinem verrückten Poltern davongejagt.
„Jawohl — verrückt!" flüsterte er vor sich hin, indem dr die Stirn in die Hände stützte. „Wenn ich nur wüßte, wie viel das Mädel von dem Blödsinn gehört hat!"
Tann seufzte er tief und zitternd auf, und wandte den schwimmenden Blick zum Fenster. Ta würde nun bald der Winter zu ihm hineinschauen. Und was für einer! Allein — ohne das Blitzmädel, dieses einzige, liebe--!
Menu die letzten Astern, da drüben an der Laube----
„Ja, zum Donnerwetter — wo finb denn die Astern!! !"• rief der Mchor, indem er aufsprang, und das Fenster öffnete, um besser sehen zu können. Ein wirklicher Schreck griff ihm ans Herz — um die fünf, sechs einfachen Blumen, die den letzten spärlichen Rest seines Sommers verkörperten. Eine plötzliche scharfe Zugluft ließ ihn das Fenster schließend Er sah sicht um. Der alte Grotkopf, welcher den Major noch auf seinen Knieen getragen, und seit Jahrzehnten schon wie zur Familie gehörig betrachtet wurde, steckte seinen weißen Kops ins Zimmer, und schob sich dann sachte nach. In den zitternden Händen hielt er die letzten Astern — und seine sonst schon etwas blöden Augen waren so hell und freudig, als wenn er um vierzig Jahre jünger geworden wäre.
„Herr — Herr Major — das gnädige Fräulein schicken die Blumen, und — lassen fragen, ob Sie nicht so gut sein wollten — — sie zu heiraten."
„Mensch — Grotkopp! — :— Bist Du verrückt oder -ich! !"■
„Das gnädige Fräulein meinten, daß der Herr Major wahrscheinlich so 'was Aehnliches sagen würden", erwiderte der Alte, „aber da der Herr Major immer nichts merkten, bliebe ja dem gnädigen Fräulein gar nichts anderes übrig —"
„Ist das wahr!" jaucbzte der Major.
„Gewißi, ist das wahr!" rief von der Thür her eine helle Mädchen stimme zwischen Lachen und Weinen — — —i
Ter alte Grotkopf legte die Blumen leise auf den Schreibtisch nieder uno ging.
Und in der schweigenden Dämmerung, durch- die es wie ein Gotteshauch von Glück zog, leuchteten die letzten Astern wie köstliche Lenzrosen.
Gemeinnütziges.
D a s O h r e n s a u s e n ist keine Krankheit, sondern das Kennzeichen, daß irgend etwas im Ohr oder sonst im Körper nicht in Ordnung ist Ohrensausen kann beispielsweise auch! nach dem Genüsse der jetzt oft mißbräuchlich, verwendeten Kopffchmerzpulver Nervosirt, Migränin und dergleichen Präparaten, sowie nach dem Gebrauche von Salieylsäure eintreten. Außerdem ist Ohrensausen eine Begleiterscheinung bei Blutandrang nach dem Kopfe, übermäßigem Tabak- und Alkoholgenuß, sowie bei Erkrankungen des Ohres, z. B. Katarrh der Ohrtrompete u. s. w- Es wäre fehlerhaft, ohne den eigentlichen Grund des Ohrensausens zu wissen, eine Behandlung vorzunehmen. Ist der Mißbrauch! eines Medikamentes die Ursache, dann verschwindet das Ohrensausen, das in diesem Falle ein Vergiftungssymptom ist, gewöhnlich nach, einigen Tagen wieder. Bei Blutandrang nach dem Kopfe Helsen ableitende Fußt- oder Sitzbäder. Ist die Ursache in einer Erkrankung der anderen Organe oder des Ohres E zu suchen, dann kann nur der Arzt nach körperlicher csuchung feststellen, was zu machen ist.
Arithmogriph.
Nachdruck verboten.
1 2 3 1 4 5 6 Teil des Jahres.
2 16 4 Behälter.
3 1 6 4 5 Gebäck.
13 3 1 Vorname.
4 113 Fahrzeug.
5 4 6 1 Fluß in Spanien.
6 1 4 5 6 3 Vorname.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.: Güter — Ritter.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


