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dorthin weisend, die Anordnungen unterstützte, welche die Reiterin den Arbeitern gab.
„Wollen Herr Baron unsere Nachbarin nicht einmal begrüßen?" fragte Wedemeyer lächelnd. „Sie ist jedenfalls ein interessantes Frauenzimmer — allerdings nicht mein Geschmack . .,"
„Was ist denn Ihr Geschmack?" fragte Eitel Fritz.
„Eine elegante Frau, Herr Baron — nicht solch ein r-i Verzeihen Sie den Ausdruck! — Kraftweib."
Eitel Fritz erwiderte nichts. Langsam ritt er weiter. Seltsam bewegte ihn dieses Wiedersehen mit Else, die er in voller Kraft und gesunder Thätigkeit da vor sich- sah, während er, mißmutig zu jeder ernsten Arbeit, sein Leben unlustig dahinschleppte. Er hatte oft mit Reue an die letzte Begegnung mit Else gedacht; er wußte, daß sie unter seiner Treulosigkeit schmerzlich gelitten, und glaubte, daß dieser Schmerz auf ihr ganzes Leben einen Schatten werfen müßte, wie auf sein Dasein der Gedanke, nicht treu, nicht redlich gehandelt zu haben. Und jetzt sah er Else wieder so kraftvoll, so ruhig und sicher, so selbst^ bewußt und unberührt durchs Kummer und Schmerz, als wäre nie irgend eine Enttäuschung in ihr Dasein getreten.
Ein Gefühl der Scham überkam ihn, wenn er sein nichtiges, inhaltloses Leben mit dem Elses verglich, Zugleich keimte aber auch der Wunsch in ihm empor, ihr wieder näher zu treten, um zu erfahren, ob sie in der That jenen Schmerz überwunden oder ob diese sichere Ruhe nur äußere Maske war, hinter der sich der Schmerz verbarg.
Deshalb ritt er näher heran.
Die Arbeiter Elses bemerkten die Reiter nicht.
„Sprechen Sie die Dame an", sagte Eitel Fritz zu dem Inspektor.
(Fortsetzung folgt.)
Die letzten Astern.
Humoreske von Teo von Torn.
(Nachdruck verboten.)
Herr von Usadel legte nachdenklich! seine schwelende Zigarre auf die Tischkante, kraute sich dann tief auf- atrnend hinterm Ohr und faltete die Hände.
Das war eine ganz verteufelte Geschichte. Wer da half kein Maulspitzen, es mußte gepfiffen werden. Nachdem er chen semmelblonden dicken Freiersmann Noch einmal verstohlen von unten bis oben gemustert, huschte sogar etwas wie ein Lächeln über die Züge des alten Herrn. Wenn er nun nicht gleich- sprach, würde der junge Mann Unfehlbar die Krempe feines funkelnagelneuen Zylinders Ubbrechen; und- das wäre schade um den blanken Bibi. Herr von Usadel räusperte sich also und sagte:
„Mein lieber Herr Gostenow — die Sache kommt mir stin bischen überraschend, und Sie werden mir nicht übel- Uehmen, wenn ich mich nicht gleich so auf den Dutt entscheide. Sehen Sie mal — das Heiraten ist doch schließlich ein anderer Handel, als wenn Sie mir Futterrüben und ich Ihnen ein Fohlen ab kaufe, mit dem Sie mich übrigens das 'letzte Mal behumpst haben —
„Herr von Usadel —i —"
„Reden Sie nicht, Gostenbw, Sie haben mich! behumpst; aber das ist im Grunde meine eigene Schuld, Und gehört auch nicht in diesem festlich befrackten Moment. Ich für meinen Teil habe gegen Ihre Werbung nichts einzuwenden. Ihr Mustin ist ein schönes Gut. Sie haben —"
„Achtzig Kühe, dreißig Pferde, fünfzig Schweine —" beeilte sich Joachim Gostenow, mit einem stolzen Aufblitzen in seinen blondbewimperten blauen Augen zu ergänzen.
„Ganz recht", nickte der Major a. D. von Usadel, indem er seinen prächtigen, noch völlig unangegrauten Schnurrbart durch die Finger zog, um ein Lächeln zu verbergen, „und damit wäre ja auch der Grundstein des Glückes für mein Mündel vorhanden. Aber — haben Sie sie schon gefragt?"
„Nein, meine- Mama meinte, ich sollte mich vrd- Uungsgemäß erst mit Ihnen in Verbindung setzen."
„Hm — natürlich- — sehr richtig! Mer — hm — ich habe das eigentlich nicht so gemacht, als ich meine selige Frau heiratete. Man mutz doch schließlich erst mal eine Ahnung haben, ob- däsj Mädel einen will. Haben Sie eine Ahnung?"-
„Rein; — oder — —", fügte Joachim Gostenow unter heißem Erröten hinzu, „oder doch! Fräulein Mariechen nennt mich immer „Plums"."
„Plums — na, sehen Sie, das ist schon was! Aber, lieber Gostenow, der Sicherheit halber würde ich- das Mädel doch- noch einmal fragen, nicht wahr? Vielleicht kommt ihr das „Plums" gar nicht so von Herzen. Ter Deibel soll sich bei den Mädels auskennen. Es wird überhaupt das Beste sein, wir legen die Entscheidung in die Hände meines Mündels. Sagt sie ja — dann in Gottes Namen! Also vorwärts!"
Herr von Usadel erhob sich zu seiner ganzen stattlichen Größe, in der er den Freiersmann um anderthalben Kops überragte, und bot dem dicken Joachim die Rechte. Dieser ergriff die Hand mit der Geflissentlichkeit eines tötlich verlegenen Menschen, und hielt sich sozusagen an ihr fest, als er fragte:
„Und dürfte ich vielleicht heute noch — — ?"
„Mer natürlich, Herr Nachbar, frisch- gewagt ist halb gewonnen. Das heißt — -ich furchte, Sie werden sich das Mädel greifen müssen. Seit der Bafsewitz von Nieder- Kostow hier in demselben feierlichen Aufzuge 'ansch-wirrte, da reißt das Frauenzimmer vor jedem jungen Manne aus. wie Schafleder. Na, jedenfalls versuchen Sie Ihr Glück!"
Der Major hatte inzwischen auf einen Knopf gedrückt. Ein Diener trat ein.
„Melden Sie Fräulein von Leesten den Besuch des Herrn Gostenow-Mustiu."
„Zu Befehl, Herr Major, aber das gnädige Fräulein lassen sagen, es sei totkrank."
„So — na, dann bestellen Sie nur, daß mein Mündel sich Binnen jetzt und fünf Minuten gesund melden möchte. Ich- .wünschte das! Verstanden?"
„Zu Befehl, Herr Major."
Der Diener ging. Joachim Gostenow trat verlegen von einem Bein auf das andere und hauchte:
„Aber, ich Bitte — wenn Fräulein Mariechen sich nicht Wohl befindet--“
„Papperlapapp — nicht Wohl! Dickköpfig ist sie! Gehen Sie nur in das Terrassenzimmer, Gostenow. Ich finde mich dann auch- ein, und wir werden sehen."
©ine Viertelstunde später stand Herr von Usadel immer noch an Bern Fenster seines Arbeitszimmers in genau derselben Stellung, die er eingenommen, nachdem der Mustiner gegangen war. Er hatte die hohe Stirn an das Fensterkreuz gelehnt, und blickte sinnend in den herbstlichen Garten.
Vor ein paar Wochen der Bassewitz, und jetzt wieder einer! Ja, war denn das Mädel überhaupt schon soweit? Im Juli ivar sie achtzehn — nee Deibel noch mal — neunzehn war sie geworden. Neunzehn Jahre. Wie die Zeit flitzt! Tann waren es also auch schon fünf Jahre her, oaß ihm der Unband das Haus auf den Kopf stellte — das heißt in gutem Sinne. Sie hatte Ordnung und stramme Zucht gebracht in die verfluchte Wirtschaft, die seit dem Tode der Hausfrau eingerissen war. Man sah der feinknochigen Teerst gar nicht an, was für kolossale Energie in ihr steckte. Und her Humor! Herrgott — das Mädel war ja Sonnenschein unb Wärme im Hanfe!
Herr von Usadel rieb die schmerzenden Knöchpl, auf die er sich am Fensterbrett gestützt hatte, dann zog er — es war eine ihm eigentümliche Bewegung — den Äh-nurr- bart durch die Finger und trat vor den Spiegel. Hier sah er fein Bild wohl ein, zwei Minuten mit einem gewissen neugierigen Spott starr an. Tas Resultat dieser fast nnbe wußten Prüfung war ein ärgerliches Achselzucken.
„Alter Esel", brummte er vor sich hin, und trat wieder ans Fenster.
Unter den abgeernteten Obstbäumen hatte sich das fallende Laub- schon zu einer dichten gelbroten Decke angesammelt. Der geschorene Rasen, die einst so herrlich!, blühenden Rabatten trugen das fahle Herbstkleid, fest angeklatscht von dem Sprühregen, der seit Tagen wie ein prickelnder grauer Nebel über der trostlos öden Landschaft lag. Und das war nur ein Vorspiel. Ein paar Wochen später, dann pochte die Rüster, welche jetzt noch! mit ein paar Blättern gegen die Scheiben strich!, mit dürren Zweigen an das Fenster. Dann war alles tot — auch die letzten Astern drüben, neben der Laube, und daun war — ■--
Herr von Usadel zog den Schnurrbart durch; die Finger, aber -er hielt sozusagen uns halbem Wege inne. Mit einest


