Ausgabe 
13.10.1901
 
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XIII.

Nach einer Weile fragte er:Wie bist Du denn mit Deinem Inspektor Wedemeyer zufrieden?"

Tu vergißt, daß ich kaum drei Stunden hier bin . . ."

Ja, freilich aber Du haft doch mit ihm in Korre­spondenz gestanden."

Nur wenn er Geld haben wollte. Abwerfen thut ja Petershagen so gut tote nichts . . ."

Das wundert mich... da würde ich doch dem Herrn Wedemeyer mal etwas ans die Finger sehen."

Arno, ich bitte Dich willst Du sagen, daß Wede- nieyer unehrlich ist?"

Beileibe nicht ich möchte keinen Menschen verdäch­tigen. Aber er scheint mir etwas großspurig zu wirt­schaften. Er rechnet zu viel mit Deinem großen Porte­monnaie . . . bod): ich glaube, wir müssen jetzt zu den Tarnen zurückkehren."

Man begab sich wieder in den Salon. Eine Weile schleppte sich das Gespräch noch mühsam hin. Darm em­pfahlen sich Arno und Ruscha. Eitel Fritz begleitete sie bis zum Wagen.

Als er wieder zurückkehrte, hatte sich Irma bereits in ihr Zimmer begeben.

Gnädige Frau hätten Kopfschmerzen und wollten sich niederlegen", meldete der alte Diener.

Eitel Fritz nickte nur mit dem Kopfe. Er kannte diese Rücksichtslosigkeit schon, mit der sich, seine Frau zu verab­schieden pflegte. Ihm war es auch ganz recht, daß er Diesen Abend allein sein konnte.

So begab er sich denn in das Zimmer seines Vaters, setzte sich! vor dessen Schreibtische, stützte die Stim in die Hand und gab sich den alten Erinnerungen hin, die hier, in dem Raume, wo er dem Vater zum letzten Male gegen­über gestanden, mit unbezwinglicher Macht aus ihn eindrangen.

Mitternacht war schon vorüber, als er sich zur Ruhe begab.

Früh am andern Morgen erwachte Eitel Fritz aus einem unruhigen, von lebhaften Träumen ost gestörten Schlaf. Er sprang aus dem Bett, zog die Jalousie zurück und öffnete das Fenster, um die frische Morgenluft in sein dumpfes Schlafzimmer eindringen zu lassen. Eine Flut goldenen Lichtes quoll ihm entgegen, und ein kühler Wind umfächelte feine heiße Stirn.

Rasch kleidete er sich an. Er wählte ein Reitkostüm, da er die Ställe besichtigen und einmal wieder durch die taufrischen Felder reiten wollte.

Ter strahlende Sommermorgen, der herrliche, würzige Dust, der von den Feldern und Wiesen zu ihm heraus- strömte, der rauschende Wald und die mannigfachen Töne, Die das Arbeitsleben da drunten ans dem Wirtschgfts- hose und in dem Torfe erweckte, ließen ihn die düsteren Träume der Nacht vergessen und stimmten ihn froh und heiter, wie seit langer Zeit nicht.

Er schellte dem Diener, dem er aufirug, der gnädigen Fran, wenn sie sich erhoben habe, zu melden, daß er wohl erst zum zweiten Frühstück zurück sein werde, da er einen Ritt durch die Felder machen wollte. Dann begab er sich nach dem Wirlschastshose, wo er bereits die Knechte und Arbeiter in voller Thätigkeii fand.

Ehrerbietig und etwas erstaunt begrüßte ihn der In­spektor Wedemeyer, ein junger, stattlich aussehender Herr von etwa dreißig Jahren.

Ich! stehe eben im Begriff, nach dem Moorkamp hinauszureiten, Herr Baron", sagte er.Ich! lasse dort Roggen einfahren und möchte zugleich einmal nach! ben dortigen Wiesen sehen. Sie sind etwas sumpfig, und ich! habe Graben ziehen lassen Herr Baron wissen es wohl Ähivn?"

Eitel Fritz wußte nichts, aber er that, als ob er ganz genau unterrichtet sei.

Ich! werde Sie begleiten", sagte er.Lassen Sie mein Reitpferd, das ich vor einigen Tagen sandte, satteln."

Ter Moorkamp liegt aber sehr weit, Herr Baron."

Tas schadet nichts so sehe ich mir gleich die anderen Felder an."

Ter Inspektor gab den Befehl zum Satteln des Pferdes, und nach! kurzer Zeit ritten beide aus dem sandigen weichen Wege durch, die Felder.

Eitel Fritz sah sich das Pferd seines Inspektors mit einem gewissen Erstaunen an.

Sie reiten ein vortreffliches Pferd, Herr Wede- meher", sagte er.Sehr edel gezogen schönes Halbblut woher haben Sie das Pferd?"

Herr Wedemeyer errötete ein wenig. Er wußte wohl, daß das Pferd eigentlich viel M teuer für ihn war, hatte es doch dreitausend Mark gekostet.

Ich habe es billig von einem Reserveoffizier gekauft, Herr Baron", flunkerte er.Das alte Pferd wollte nicht mehr . .?'

So meines Wissens habe idj selbst es aber erst vor ettoa vier Jahren als junges Pferd geritten. war guter ostpreußischer Zucht. Ist dem Pferde was zugestoßeu?"

Es war sehr ftruppiert, Herr Baron, und jetzt geht es im Gespann. Ich gebrauche es auch als Kutschpferd."-

So so . . ?'

Eitel Fritz entsann sich- der Worte seines Schwagers, daß Herr Wedemeyer etwasgroßspurig" wirtschaftete, und fand diese Worte bestätigt.

Im übrigen war der Inspektor ein sehr gewandter und angenehmer Gesellschafter von durchaus sicheren und takt-, vollen Formen. Er zeigte Eitel Fritz die Felder und Wiesen- welche zu Petershagen gehörten, erklärte ihm dieses und jenes und machte einige Vorschläge zu Bodenverbesserungen/ die Eitel Fritz ganz passend erschienen.

Ueberhaupt lebte Eitel Fritz inmitten des herrlichen Sommermorgens und der heimatlichen Umgebung, die ihn an seine fröhliche Jugendzeit erinnerte, ordentlich wieder auf. Sein Geist, sein Körper gewannen fast die alte Spann-, kraft wieder, er gab seinem Pferde die Schenkel und flog in langem Jagdgalopp über die Felder.

Wedemeyer blieb dicht an seiner Seite. Eitel Fritz wollte versuchen, ob der Inspektor ihm auch auf schwieri­gerem Gelände folgen konnte, und wählte einen geraden Weg über Hecken und Gräben, die sein edles Vollblutpferd mit Leichtigkeit nahm.

Nach einem scharfen Ritt von zehn Minuten parierte er sein Pferd unmittelbar an seiner Seite hielt aber auch, schon Herr Wedemeyer und blickte ihn lächelnd an.

Brav geritten, Herr Wedemeyer man merkt, daß Sie bei der Kavallerie gebient haben."

Allerdings, Herr Baron aber* mit dem altert Jüfpektorpferde hätte ich dem Herrn Baron nicht zu folgert vermocht."

Eitel Fritz lachte. Er merkte wohl, was der In­spektor mit diesen Worten sagen wollte, und entgegnete nur:

Da haben Sie freilich recht. . ."

Im Schritt ritt man weiter.. Nach einiger Zeit wies Herr Wedemeyer auf mehrere Ackerwagenbei denen Leute mit dem Ausladen der Garben beschäftigt waren.

Tort ist der Moorkamp, Herr Baron, aber wahr-! hastig", rief er,da ist uns der alte Breymann wieder zuvorgekommen. Der alte Schlaumeier drischt gleich auf dem Felde und verkauft das Kom vom Felde weg! Sehest Sie, Herr Baron dort drüben die Dreschmaschine? Das ist schon Jägerhofer Gebiet der Moorkamp grenzt nnmittefe bar daran !"

Auf dem benachbarten Felde war eine Dreschmaschine bereits im vollen Gange, und ihr Mmpfes Drohnen ließ den Erdboden erzittern. 'DM aiisgedroscherie Stroh wurde dann gleich zu hohen Diemen aufgeschichtet.

Das trockene Wetter ift dem Allen allerdings zu Hilfe gekommen", fuhr Wedemeyer fort.,DM- Storni brauchte nicht lange zu trocknen und konnte saft vom Halme weg gedroschen werden. Wer, wahrhaftig, da ift Fräulein Breymann schon! Sehen Herr Baron bie Reiterin! Fräulein Breymiaün ift wirklich eine SaniM ... Wirtin, wie sie im Buche steht", setzte er lachend hinzu. Immer die erste und die letzte bei der Arbeit. Die könnte selbst Petershagen selbständig bewirtschaftend

Neben der Drsschmaschine hielt eine Reiterin auf einem großen, etwas berbrnochjgeu Pferde. Ein dunkel-, graues, einfaches Reitgewand, das jedoch! die Füße frei liest umgab knapp die kräftig schlanke Gestalt. Das blonde Haar war am Hinterkops tu einen kunstlosen Knoten zusammen-, gefaßt, ein weißer Sirohhut beschattete bas Gesicht, bas durch den Aufenthalt in frischer Lust, bei Sonnenschein und Regen, eine häftige, gesunde Färbung angenommen hatte. Lässig hielt die mit einem grauen Lederhandschuh bekleidete Linke den Zügel, während die Rechte hierhin und