Ausgabe 
13.4.1901
 
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Bauer vom Wald, dem Johannes, der ihm sein ganzes I Tie beiden Aerzte, Dr. R. und Dr. S. wurden bald nichts Geld hingegeben, das er für das Ronnenholz bekommen, I mehr zu thun haben, wenn ich ferner einen solchen Eifer nm sich dann wie ein Bettelbube jährlich abfinden zu I und ein solches Pflichtgefühl bekunde.

lassen, den Austrägler zu spielen im Hinterhause. Der! Tie plötzlichen Abberufungen und das gebieterische erste Platz gebührte ihm im Hause, und ein richtiger Anteil I Klopfen an meuter Thür wurden häufiger, obgleich ich am Gewinn. So ein Mann in den besten Jahren, und I natürlich die Sache diplomatisch anfaßte, und mich vor so in die Ecke gestellt. I Uebertreibungen hütete und innerhalb vierzehn Lagen

Ties Hetzen blieb nicht wirkungslos. Es bäumte sich I hatte ich bereits drei wirkliche Patienten.

noch einmal etwas in Johannes gegen diese thatenlose I Ich kaufte nun, so schwer es mir wurde mit ge- Verlotterung, der er allmählich verfiel, auf. I borgten; Selbe einen Wagen, mietete einen ansehnlichen

Er gedachte seines Waldes. Er gedachte der Stunde, I Kutscher Und steckte ihn in Uniform. Nach einer Woche gab in welcher der Händler die hunderttausend Mark in bar I es keinen Menschen mehr in dem Ort, der nicht Wagen auf den blanken Ahorntisch zahlte. War er nicht mit dem I und Kutscher gekannt hätte. , ,

festen Entschlüsse in die Stadt gekommen, sie wieder zurück- I Mein Wagen stand nun täglich vor meiner Lyur unv zuerwerben? Hatte es ihm dieser Polentz nicht hoch und I erwartete mich, oder er fuhr in schnellstem Tnnpv sämtliche, heilig versprochen? Hatte er nicht ein Recht darauf, ein I Straßen des Ortes ab. Ich gönnte dem Rosselenker so besseres als der Matthias. War er nicht der Beschützer I wenig Ruhezeit, daß in sechs Monaten nicht weniger als des Waldes gewesen seit Jahrzehnten, von dem alle diese I fünf Kutscher den Dienst aufsagten. ,

Herrlichkeiten stammten? I Natürlich bildete die rapide Zunahme meiner P^Pis

(Fortsetzung folgt.) I den Gesprächsstoff in jebem Salon, an jebem Mittagstisch,

V6 . I und ich vermute, es wurden wunderliche Geschuhten er-

I funden, um sie zu erklären. Aber es mar eine Thatfache

ElN brattlf met Arzt. I daß meine Praxis in Wirklichkeit bedeutend zunahm, und San * I die Zahl der blinden Abberufungen mit ledern Tage ver-

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(Nachdruck verboten.) I meiner Arbeit, der wirklichen und der vor-

Ein wenig Humbug kann einem jungen Arzte sehr I geblichen fand ich noch Zeit, einige wirklich arme Leute zu nützlich sein", meinte Dr. Krönlein, als die medizinische I behandeln, und da ich schlau jede Bezahlung metner Dienste Stammtisch-Gesellschaft imRoten Lamm" über diese I |n diesen Fällen ablehnte, wurde metn Lob von diesen Standesfrage etwas heftig zu debattieren begann. I braven Leuten selbstverständlich in allen Tonarten ge-

Ich will ja den Humbug keineswegs verteidigen, aber I sungen. B .

ich kann nicht verschweigen, daß er mir zur Rettung wurde, I Aber das Glück begann erst recht, als eines Tages der ja, daß er mir meine ganze Praxis verschafft hat." I erste Mann des Ortes, ein Freiherr von Habicht übrigens

Bitte, keine Uebertreibung!" meinte der Sanitätsrat I e|n bekannter Sportsmann einen Unfall hatte, und ich Stolze, der sich selbst einer sehr umfangreichen Praxis 1 ton einem reitenden Groom zu ihm geholt wurde, ^ch ver- rühmen kann. , . I dankte diese Ehre einem Zufall; der Bote hatte meine beiden

So will ich Ihnen die Sache erzählen", fuhr Kronlein I Nebenbuhler nicht zu Hause getroffen. Zum Gluck machte ich fort.Als ich vor etwa dreißig Jahren meine Karriere be- 1 einen günstigen Eindruck aus den Mann, und es gelang qann, fehlte mir nicht nur das nötige Geld, mir eine Praxis I ^ir, ihn bald wieder auf die Beine zu bringen.

zu kaufen, sondern ich war auch bereits ein verheirateter I Jetzt hatte ich das Feld erobert; ich wurde so sehr in Mann. Wohlgemut, trotz dieses doppelten Hindernisses, be- I Anspruch genommen, daß ich einen Assistenten engagieren zog ich ein Haus in einem Vorort, welcher gute Aussichten I uni) nun über meine früheren Künste lächeln konnte, zu bieten schien. Ich befestigte ein Messingschild an der I Nach Verlauf eines Jahres konnte ich ein vornehmes Thür und bereitete mich aus den Empfang der Patienten vor. I beziehen, war frei von Schulden und hatte em sehr

Innerhalb dreier Monate bekam icfy nun aber keinen I gute§ Einkommen. Aber ich glaube fest, wenn ich Nicht einzigen Patienten zu sehen. Das Feld wurde bereits von I etoa§ Humbug im Anfang getrieben hätte, so wäre es mtr zwei Aerzten beherrscht, die sich in die gesamte vorhandene I traurig ergangen."

Praxis teilten. Inzwischen war mein kleines Kapital un- I

heimlich zusammengeschmolzen und ich begriff, daß etwas I VglN MvNttt AVttl.

geschehen müsse, wenn ich nicht zu Grunde gehen follte. I April 1901.

^^AmchWude^Sonntag wurden die in der Kirche ver- I Im April ist die Jahreszeit soweit vorgeschritten daß sammelten Andächtigen durch das Erscheinen eines kleinen I unter günstigen Witterungsverhaltnissen ein rasches Wachs- Knaben gestört der keuchend das Seitenschiff entlang kam I tum zu erhoffen ist, und zeigt uns der launenhafte Monat pinine Worte zuflüsterte. Ich ergriff daraufhin I ein sonniges Gesicht, so durfte aus dem Markte bald eine sofort meinen^Hük und verließ eiligst mit ernsten Mienen I Zunahme von jungen Gemüsen und Geflügel zu erhoffen bas Gottesbans' gefolgt von den Blicken der halben Gemeinde. I sein. Vor allem find es die Suppenkrauter, die altem Fn der folgenden Nacht wurden meine Nachbarn zwei- I Brauch entgegen schon lange, allerdings nur m ubernnnter* mal ^burdi ein wütendes Klopfen an meiner Thür ans dem I ten Blättern, feilgeboten wurden, wer Krautersuppe der Schlafe geweckt und eine Minute später konnten diejenigen, I Alten, dieser hochgeschätzten Fruhliugskur, die, den Körper wW neiwierig die Gardinen zurückgeschoben hatten, mich I verjüngen sollte, verleihen die jungen vollwurzigen Man er in rasendem Lauf die Straße hinab, anscheinend zu einem I im April und Mai erst Wohlgeschmack und Arvma. Anßer- in den lebten Riiaen liegenden Kranken, eilen sehen. Sobald I dem ist frisches Grün in SciMttlauch, Petersilie und ich um die Ecke war mäßigte ich meinen Schritt, und nach I Zwiebelröhren vertreten. Frühjahrsgernuse aus dem Freien fünf Minuten Wich ich mich durch den Hofeingang und I sind im Beginn noch auf zarten Spinat, Rapnnze und Sauer- tiber die Hintertreppe wieder lautlos in das Haus zurück. I ampfer beschränkt Im ^gemeinen kommt der Smier-

Jn derselben Woche hatte ich in einem populär wissen- I ampfer Wenig auf den deutschen Markt, mehr geschätzt schaftlichen Verein einen Vortrag über das ThemaEine I wird er in Holland, England, Frankreich und Oesterreich, ae nnde Seele in einem gesunden Körper" zugesagt. Die I Zubereitet wie Spinat, mit gekochten Stern garniert, auch Stunde der Versammlung^rückte heran, aber Dr. Krönlein I nach Wiener Art mit in Salzwasser gekochten Hopfenkeunc.jen war ausgeblieben. Eine Viertel- und eine halbe Stunde I zu gebackenem Fisch oder Koteletts, giebt Sauerampfer ein verging und die kleine Zuhörerschaft, die bis dahin sich I sehr wohlschmeckendes Gemüse. In erster Suite ist er na er durchaus tiachsWig gezeigt hatte, begann unruhig und I seines erfrischenden Geschmackes wegen zu Suppen besonders ungemütlich zu werden. Plötzlich erschien der Vortragende I schätzenswert. Man Pflückt dazu 90 Gramm Sauerampfer mit hochrotem Gesicht, keuchend und erhitzt. Ich bat I von den Stielen, wascht, ihn guh kocht ihn tu 1 Siter wiederholt um Entschuldigung und betonte, daß eine eilige I Brühe aus K2 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt gar und streicht Berufspflicht die Schuld an der Verspätung trüge. I die Suppe durch ein Sieb. Hierauf schwitzt man 20 Gramm

Bevor die Woche zu Ende gegangen war, begann man I Butter mit 30 Gramm Mehl, rührt dieses mit der Smier- sich bereits zu erzählen, der neue Doktor komme in Mode. | ampfersuppe glatt, gtebt noch 30 Gramm Butter dazu, legiert