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Wilhelm war an dem Bett in die Knie gesunken, und man hörte in dem Zimmer nichts weiter als das ver­zweifelte Jammern des Kindes. Die Morgendämmerung beschien dieses Bild trostloser Verzweiflung.

Wilhelm und Magda sahen fast noch bleicher aus als das Kind, dessen wachsgelbes Gesichtchen sich kaum von den Kissen abhob; angstvoll beugten sie sich zusammen über dem Bettchen.

Wie! das war in wenigen Stunden aus ihrem rosigen Liebling geworden! . . . verfallen und alt sah das Kinder­gesicht aus... die niedlichen Händchen mit den dicken Grübchen waren schmal und mager und tasteten unausgesetzt auf der Bettdecke, als wenn sie sich an dem Leben fest­klammern wollten. Mit lautem Schluchzen lehnte Magda den Kopf an die Schulter des Gatten und deckte die Hand über die Augen, um den Jammer nicht mehr zu sehen, und er fand, um sie zu trösten,'sanfte, gütige Worte, fast Worte, wie er sie in der ersten, glücklichen Zeit ihrer Ehe für sie gehabt hatte.

In aller Frühe kam der Arzt. Er untersuchte das Kind, verschrieb eine andere Arznei und empfahl die größte Wach­samkeit. Wilhelm brachte ihn dann bis in den Flur.Herr. Doktor, was fehlt unserem Kind?"

Ter Arzt zuckte die SchulternsBei Kindern ist es schwer, eine genaue Diagnose zu stellen . . . wir wollen ab­warten, wie die jetzt gegebene Arznei wirkt. . . vielleicht tritt keine Komplikation ein. . . es kommt mir vor, als wenn eine geringe Besserung stattgefunden hätte."

Und der Arzt ging und ließ die Eltern mit diesem schwachen Hoffnungsschimmer allein zurück.

Welch langer, eudloser Tag war das! Die Eltern wichen nicht von dem Bettchen.

Ab und zu sagte Magda:Du hast es gehört, Wil­helm, der Arzt meint, es ginge ein wenig besser!" . . . und er verstand, daß sie Zuspruch brauchte und sagte liebe­voll:Ja, unser Herzblatt ist entsct)ieden besser . . . quäle Dich nicht so, mein Lieb! ... es geht vorüber." ' Aber er glaubte nicht an seine eigenen Worte. Dennoch hatte Alices Wimmern nachgelassen; zwischen dem Jammern traten kleine Pausen ein, es wurde leiser, schwächer, und die Eltern ängstigten sich nun, daß es nicht mehr so laut vernehmbar, daß der Laut, der ihnen das Herz zerrissen, in seiner Kraft nachließ. Wenn es das Ende wäre?

Vollständig erschöpft, war Magda einen Augenblick in leichten Schlummer verfallen.

Als sie die Augen aufschlug, horchte sie. Nichts! Nicht das kleinste Geräusch unter den Gardinen des Himmel- bettchens!

Jähes Entsetzen packte sie, sie röchelte mehr als sie sprach:Wilhelm!" und mit der ausgestreckten Hand wies sie auf das Bett.

Der Gatte hatte auch für Sekunden die Augen geschlossen gehabt.

Er verstand und teilte Magdas Entsetzen.

Als er sich aber über das Kind geneigt, richtete er sich gleich darauf init einem zaghaften Lächeln auf:

Still! . . . still! ... sie schläft!"

Wirklich?" l

Sieh selbst!"

Nun neigte sich auch Magda über das Kind. Leicht und gleichmäßig kam und ging der Atem zwischen Den bleichen Kinderlippen. Aber die Mutter hatte noch Furcht. Ter Atemhauch war so gering!

Mein Gott!" sagte sie leise,wenn sie nur wieder aufwacht! . .

Es wurde Wend, die Nacht kam, und Mce schlief noch immer.

Dicht nebeneinander saßen die Eltern und bewachten ihr Kind. Sie wollten es nicht einen Augenblick allein lassen, und doch war ihre Kraft zu Ende. Und so, wie sie da saßen, Hand in Hand, in Sorge und Leid vereint, schliefen sie ein.

Stunden jtoaren vergangen, in dem dämmernden Tages­grauen wurde das Flämmchen der Nachtlampe immer schwächer, da fuhren Magda und Wilhelm in die Höhe; ihr erster Gedanke, der sie nicht einen Augenblick verlassen.

während der Körpkr fein Recht beanspruchte, hrar die quälende Sorge um ihr Kind.

Und fassungslos standen sie da.

Zwischen den-Falten der Gardine sah Alice sie an! Dünn wich die Bestürzung der Freude.

Alice, sie ist gerettet! ..."

Das süße, kleine Mädchen lächelte und sagte mit ihrem klaren Stimmchen dem lieben Stimmchen, das die Eltern nie mehr zu hören geglaubt hatten :Sag doch Papa, Mama, bin ich denn krank gewesen?"

Magda brach in Thränen aus; Wilhelm nahm das Kind auf den Arm, hüllte es vorsichtig in sein Bettchen, und während er das blonde Köpfchen liebkoste, sagte er zärtlich:

Ja, Herzchen, Tu bist krank gewesen . . . aber nun bist Tu wieder gesund . . . nicht wahr?"

Tie Kleine nickte als Antwort.

Und alles sprach auch dafür; denn die Augen hatten den klaren Glanz wiedergewonnen, und die Wangen waren so frisch gerötet, wie es bei gesunden Kindern nach dem Schlafe der Fall ist.

Magda küßte das Kind stürmisch, während Wilhelm es immer noch zärtlich in der Armen hielt und kosend sagte-

Ja, mein Herzblatt, mein Liebling, Tu hist wieder gesund! . . . und Du wirst nie, nie wieder krank werden, sag mein goldenes Kindchen?"

Nein", versprach Alice ernsthaft,jetzt will ich nie mehr krank werden, jetzt wo Du und Mama gut miteinander seid. Euch nicht mehr scheltet! . . . wenn Ihr böse miteinander seid, thut es mir so weh . . ."

Wilhelm und Magda schraken zusammen und sahen sich an. Sie erfuhren, was sie nie gedacht: welch Leid die Uneinigkeit der Eltern dem zarten Kindergemüt zufügen kann. Bittere Reue ergriff sie.

Sie sprachen nicht; denn in den Momenten höchster Erregung findet man keine Worte, aber ihre Lippen trafen sich in gemeinsamem Kuß auf der Stirn ihres Kindes . . .

Draußen war es inzwischen Tag geworden, und die Morgenröte schien ins Zimmer, wie der Vorbote einer glücklichen Zukunft.

Die immer blühende Blumenrabatte. Groß­vaters und Großmutters Garten barg, wenn er auch nicht so modern und geschmackvoll eingerichtet sein mochte, wie jetzt der unsere, doch einen Schatz, das. war die immerblühende Blumenrabatte. Vom ersten Blümlein an, das sich aus dem Schnee hervorwagte, also schon vom Winterstern, von der Christrose an, die im Januar und Februar bei lindem Wetter ihre Blütenköpfe hervorschicken, bis zu den Tagen, wo starrer Frost von neuem die Erde gefangen nahm, gab es Blumen zum Pflücken und zum Schneiden. Gedenkemein, Lerchensporn, Seidelbast, Federnelke, Primel, Alpenaster, Rittersporn und wie sie alle heißen mögen, sie traten nach und nach an, um ihren Tribut zu bringen. Wie viele wünschen sich auch heute eine Rabatte, ' auf der es immer etwas Blühendes giebt, an der man traumverloren früherer Zeit gedenkt. Aber wie wird sie angelegt, wie gruppiert man die Pflanzen? Eine treffliche Beschreibung finden wir in Nr. 41 desErfurter Führer im Gartenbau". Unseren Abonnenten wird diese Nummer kostensrei zuge­schickt, wenn sie sich mittels Postkarte an das Geschäfts­amt des Erfurter Führers wenden.

Wortspiel-Rätsel.

9Zad)6iurf Bcrbotcn.

Aus jedem der nachstedcnden Wörter ist durch Boransetzung eines passenden Buchstabens ein anderes Hauptwort zu bilden derart, daß die vorangesetzten Buchstaben im Zusammenhang ein bekanntes Sprichwort ergeben.

Adel, Stern, Asche;

. Eier, Lias, Arm, Eiter, Rost;

Ast, Herinsr, Raum, Dom, Eid.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des B'itnr äticls in voriger Nummer: Margarinefabrikanti

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'fchen UniverfitStr-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße».

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