711
Das Haus Nummer sieben war das letzte in der Reihe und zugleich das armseligste. Denn ihm fehlte sogar das obere Stockwerk, dessen sich die anderen Gebäude der Ma- thildenstraße erfreuten. Und ein leidlich hochgewachsener Manu hätte ohne große Mühe mit ausgestrecktem Arm bett unteren Rand des alten schadhaften Ziegeldaches berühren können.
Zu jeder Seite der Eingangsthür befanden sich nur zwei Fenster, und über dem einen von ihnen hing eine verwitterte Tafel mit der Aufschrift:
„Henriette Limbach. Anfertigung und Verkauf von Grabschmuck und Perlen."
Daneben lief der verrostete Draht eines Klingelzuges herab, dessen hölzerner Griff Wohl nicht all zu oft in Bewegung gesetzt werden mochte. Denn der Grabschmuck von Perlen war längst aus der Mode und die Kundenzahl der Frau Henriette Limbach sicherlich! sehr gering.
Zu derselben Stunde, da Herbert Ignatius den fruchtlosen Versuch gemacht hatte, den Doktor Müller zu sprechen, zog eine dicht verschleierte Dame, deren Gestalt ganz von einem langen, dunklen Regenmantel verhüllt war, die heiser anschlagende Glockeneben Frau Ambachs Thür und schmiegte sich dicht an die Mauer, bis von drinnen ein knirschender Schlüssel gedreht und die Pforte aufgethan wurde.
„Wer ist denn da?" fragte eine schwache alte Stimme, und hinter dem Schleier hervor antwortete eine jugendlich Helle:
„Ich bin's, Felicia Rubarth! Lassen Sie mich schnell ein, damit mich niemand sieht."
„Ach, lieber Gott, das gnädige Fräulein! Und ich habe nicht einmal die Lampe mit herausgebracht! Warten Sie nur einen Augenblick, bis ich sie geholt habe. Sie könnten sich.fonft au dem alten Gerümpel stoßen, das hier auf der Diele herumsteht."
(Fortsetzung folgt.)
Katechismus der Mineralogie.
Von Dr. Eugen Huf fak- Sechste, vermehrte und verbesserte Auflage. Mit 223 Abbildungen. In Originalleinenband 3 Mark.' Verlag von I. I. Weber in Leipzig.
Ter nun schon in 6. Auflage vorliegende Katechismus behandelt in seinem allgemeinen Teil zuerst die morphologischen Eigenschaften der Mineralien, und zwar in der Krhstallographie die verschiedenen regelmäßigen Formen, in denen die einzelnen Krystglle erscheinen, in der Strukturlehre die Aggregationsformen der Mineralindividuen, worauf ;bie Lehre von den physikalischen und von den chemischen Eigenschaften der Mineralien folgt. Die Mine- rogenie bespricht die Bildungsweise und Umbildung, die Lagerungslehre, das Auftreten und das oft gesetzmäßige Zusammenvorkommen der Mineralien. Der zweite Teil des Buches, die spezielle Mineralogie, behandelt die einzelnen Mineralien im besonder«, und zwar in systematischer Reihenfolge, die Schwefelverbindungen, die Oxyde, die Haloid- salze und die Sauerstoffsalze. Den Beschluß machen einige durch Zersetzung und Umbildung fossiler organischer Körper gebildete Massen, so die Harze und Kohlen.
Gemeinnütziges.
Sommerblum en,diederTrockenh eit wider- st a n d e n. Der letzte trockene Sommer hat den Sommerblumenflor erheblich beeinträchtigt. Nur wenige unserer Sommerblumen haben sich auch in der Dürre als gute, fleißige, dankbare Blüher erwiesen, und unter diesen traten hervor: das Löwenmaul (Anthirrinum majus), die Wunderblume (Mirabilis Jalapa), die Zinnie (Zinnia elegans) und Tagetes ereeta (Afrikane). Ihnen, besonders dem schönen blutroten Fuchsschwanz, schien die trockene Hitze ungemein zuzusagen; denn die Pflanzen entwickelten sich außergewöhnlich kräftig und blühten reicher und farbenprächtiger als sonst. Vornehmlich das Löwenmaul zeichnet sich durch Blütenreichtum aus. Wer also Wert auf schönen Sommerblumenflor legt, sich aber nicht viel mit der Pflege der Pflanzen beschäftigen kann, bevorzuge die aufgeführten. In Gärten auf wasserarmen Böden oder in welchen nicht künst- lich bewässert werden kann, werden sie sich bald Liebhaber erwerben. („Prakt- Ratgeber", Frankfurt a. O.)
Maiblumen im Winter. In den Blumenläden/ die sich auf den Hauptstraßen der Großstädte befinden^ sind schon vom Oktober ab den ganzen Winter hindurch, ja fast das ganze Jahr, frische großblumige Maiblumen zu sehen. Während sie aber in der warmen Jahreszeit als etwas Selbstverständliches gelten, gewinnen sie im Winter größere Bedeutung, erzielen höhere Preise und finden mehr Anklang in allen blumenliebenden Kreisen. Viele Blumen- züchtereien treiben vom Herbst bis zum Frühjahre nach Hunderttausenden zählende Mengen und besitzen hierzu eigene Treibanlagen, die das Fehlschlagen der Kultur fast ausschließen. Die Maiblumentreiberei ist eine Kunst, die aber auch vom Blumenfreund im Zimmer mit bescheidenen Mitteln erlernt und geübt werden kann. Der „Praktische Wegweiser", Würzburg, enthält in Nr. 48 eine ausführliche, gut illustrierte Abhandlung über das Maiblumentreiben und sendet Interessenten diese Nummer kostenfrei auf Verlangen.
(„Prakt. Wegw", Würzburg.)
Magisches Dreieck.
(Nachdruck verboten.)
~l A
A A
ABC
E E F G
HERRS
Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart cinzutragcn, daß sowohl die drei Außenseiten wie die drei mittleren wagerechtcn Reihen Wörter bilden, und zwar die Außcnreihen: 1. Redeform, 2. Baum, 3. was der Maler braucht; die Mittelreiheu: 1. ägyptischer Gott, 2. Raubvogel, 3. was allen winkt. (Auflösung in nächster Nummer.)
Anflöstmg des Kapselrätsels in vor. Nr.: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Thaler nicht wert.
Modenöericht üöer NaMoileiten.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N. Reichhaltiges Modcnalbum und Schnitlmustcrbuch für nur 50 Pfg. daselbst erhältlich.
Denn wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten, da gießt es einen guten Klang.
Dieses Dichterwort bewahrheitet sich! in der verschiedensten Beziehung, und auch beim Anblick eines belebten, wogenden Ballsaales drängt es sich einem unwillkürlich auf; denn was könnte sich wohl, trotz des grellsten Gegensatzes, besser ergänzen, als der einheitliche schwarze Anzug der Herren und die vielseitige, bunte, zarte) vor allem aber duftige Toilette der Damen. Zart, duftig Unb glänzend, das ist in diesem Jahre die Losung für Ballkleider, und! es scheint, als ob darin jetzt der Gipfel erreicht fei; denn noch zarter, durchsichtiger und hauchfeiner) als die neuesten Balltoiletten läßt sich wohl kaum etwas denken.
Chiffon, Gaze, Mull, Tüll, Spitze, vom kostbarsten, teuersten Stoffe bis herab zur billigen Nachahmung, das
sind die Materialien, aus betten sich ein modernes Ballkleid zusammensetzt, unb Flitter, Perlen, Steine, Blumen, Bänber unb Schmuck, bas sinb bte zierenben Hilfsmittel, welche feinen Reiz erhöhen.
Daß es natürlich bei ber Fülle bes Gebotenen nicht allzu leicht ist, etwas wirklich geschmackvolles zusammen- zustelleu, ist begreiflich, unb ebenso lassen sich nur schwer allgemein gütige Regeln bafür aufstellen. Mau muß eben immer bie verschiedenen Materialien so zusammenstellen unb derart verarbeiten, baß alles einen einheitlichen Eindruck macht, ja daß man sich schließlich beim fertigen Stück nicht eines ohne das andere denken kann.
Die modernen Arrangements leisten hierbei wirksamen Beistand; denn sie bestehen zum großen Teil in Garnituren, welche direkt in den Stoff gearbeitet werden, wie Fältchen- näher eien, Spitzeninkrustationen, Cretonneapplikationen unb


