Ausgabe 
12.11.1901
 
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Modell Nr. 799. -

Nr. 805.

sondern folgt im Rücken mehr der Form des Körpers, ohne jedoch anliegend zu sein. Für die Halspartie ist die Kragenfvrm charakteristisch; denn sie ist immer breit über die Schultern fallend, wie schon aus unserer Abbildung Modell Nr. 799 hervorgeht. Sehr häufig besteht dieser! Kragen aus Pelz, was nicht nur besonders elegant, son-, dern auch sehr wärmend ist. Bei echtem Pelz dürfte es auch ziemlich kostspielig sein; denn man nimmt meist edle Felle dazu, wie Skunks, Chinchilla, Silberfuchs oder gar Zobel, wennschon letzteres sich nur die wenigsten Menschen leisten können.

Me Aermel dieser modernen Sackpaletots sind, tote bei denLouis XV." Jacketts meist in der nach unten zu weiter werdenden Pagodenform mit all' ihren Variationen gehalten, so daß auch hier die Abwechselung eine große ist.

Ganz neu sind in diesem Winter auch die ganz langen Mäntel; doch glauben wir nicht, daß denselben eine große Zukunft bevorsteht, da sie zum Gehen zu unpraktisch sind; denn sie machen das Raffen des Kleides fast zur Unmög­lichkeit. Für Wagenfahrten mögen sie ja sehr angenehm sein, doch wie grloß ist der Teil des Publikums, der sich mit seinen Ueberkleidern auf Wagenfahrten einrichten kann?

Ta haben unserer Ansicht nach die kurzen Sackjacken größere Aussicht auf Erfolg; denn trotz ihrer großen Be- auemlichkeit sehen sie flott und elegant aus, und gestatten, die größtmöglichste Bewegungsfreiheit, weshalb sie viel für die Eisenbahn und für Wintersport im allgemeinen getragen

fit anderen Füllen nur gerade zusammentreffen, oder gar zurücktreten. Auch die Schnittform ist sehr verschieden; denn sie sind nicht immer ringsum angesetzt, sondern stehen manchmal mit der vorderen Mittelpartie im Zu­sammenhang, so daß nur die Rückenpartie bis zum vorderen Brustausnäher mit dem Schoß durch Naht ver­bunden wird. Manchmal erhalten sogar alle Jakettterle den Schoß direkt angeschnitten

Wollte man nun noch von den oft hrerbet vorkommen­den verschiedenen Westen, von den dazu gehörenden brs jns unendliche verschiedenen Revers, von den ungemein vielseitigen, hierbei zur Verwendung gelangenden Garni­turen und Stoffen reden, so könnte mau noch Seiten füllen.

Doch wir wollen lieber nicht so voreilig fein, und erst abwarterr, wie sich das Publikum dazu verhält; denn es ist schon öfters vorgekommen, daß eine Mode mitsamt ihren verschiedenen Variationen gründlich durchgefallen ist, weshalb wir uns als gewissenhafte Berichterstatter lieber noch etwas eingehender mit den vom Publikum anfgenommenen Formen beschäftigen wollen. Darunter sind in erster Linie die dreiviertellangen, halbanschließen-, den Sackpaletots zu nennen; denn dieselben werden ihrer großen Vorteile halber mehr denn je getragen. Das Kennzeichen der diesjährigen Neuheiten besteht in der Haupt­sache darin, daß sie aus rauhen, wolligen Stoffen be­stehen, wie Homespun, Zibelme oder dergleichen. Auch ist ihre Schnittform nicht mehr so lose, wie im Vorjahre,

und Fabrikationswesen wieder anfängt, die Handarbeit zu schätzen und zu ehren, und daß man Möbel, Schmuckgegeim stände, Geräte, Stickereien re., sobald sie mit der Hand her- gestellt sind, mitunter erstaunlich hoch bezahlt. Besonders aber auf dem Gebiete der Schneiderei ist die Handarbeit zu ganz besonderem Ansehen gelangt, und weisen die teuersterl und elegantesten Toiletten eine verschwenderische Fülle peinlichster Handarbeit auf. Damit E Seschickteri Frauenhänden die beste Gelegenheit geboten, ihre Fähigkeit wirklich nutzbringend zu verwerten; denn ein ganz m Fältchen genähtes mit Einsätzen durchquertes oder mit aus- genähten ^Cretonneblumen verziertes Kleid, wurde vondqv Schneiderin als hochelegantes Kostüm ziemlich hoch! berechnet werden, während im Hause hergestellt, der Preis-em ganz wesentlich niedriger ist. Die Schwierigkeit, der Selbst- schneiderei, welche früher das Zuschneiden mit W, verschwindet jetzt fast ganz, sobald man sich der Schnitte der internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N. .8 bedient, denn dieselben sind nicht nur durchaus zuverlässig, sondern durch die ausführliche beiliegende Gebrauchsanweisung ,o leicht verwendbar, daß das Schneidern damit MM Ver­gnügen wird. Die Auswahl erfolgt nach dem reichhaltigen Modenalbnm und Schnittmusterbuch, welches für nur a0 Psg- erhältlich ist.

Modell

werden. Damit erweisen sie sich von vornherein jedoch als nur für die Jugend bestimmt, so daß auch nur ganz junge, schlanke Mädchen mit ihr rechnen können.

Tas; es unter diesen Umständen nicht allzu leicht ist, sich in diesem Jahre für eins oder das andere Modell bei Neuanschaffungen zu entschließen, liegt auf der Land- denn im Verhältnis zu den gewohnten Jackett- preisen sind sie eigentlich alle teuer, und da man von den Sackpaletots nicht weiß, wie lange sie noch modern bleiben, und von denLouis XV." ^acketts, ob sie voll in Mode kommen, so liegt der Gedanke, sich gar keines davon anzufchaffen, nicht allzufern. Da ist denn em kurzes Spencer ückchen, wie Modell Nr. 805 ein angenehmer Aus­weg ; denn man kann es mit Hilfe eines guten Schnittes leicht selbst Herstellen, oder von einer Scyneiderm Her­stellen lassen, weshalb es nicht zu teuer kommt. Dabei ist es immer modern und elegant, besonders wenn, es durch eine jener hochmodernen Pelzboas. ergänzt wird, welche als selbständiges Stück der Garoerooe für lange bleibt. Auch sind diese Jäckchen nicht nur für schlanke Fi­guren bestimmt, sondern auch vollhüftige sehendarm sehr aut aus, da sie die Hüften nicht unnötig verstärken.

Moderne Frauenarbeit. Wer seine Augen offen hält und etwas Beobachtungsgabe besitzt, der wird bemerken können, daß man in unserer jetzigen Zeit trotz Industrie

Modell Nr. 2l9.

Redaktion: E. Burkhardt. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei Metsch Erben) in Gießen.