Ausgabe 
12.10.1901
 
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®ie eigentliche Begründung liegt lediglich in dem Um­stande, daß wir dre narkotische Wirkung des Tabaks ge­nießen wollen. Die physiologischen Wirkungen des Nikotins, eines flüchtigen Stoffes, und anderer wohlriechender Be­standteile des Tabakrauches sind es, die absorbiert werden und vorzugsweise auf das Nervensystem einwirken. Der Tabakgenuß ist gewiß nicht weniger schädlich, als der der vorerwähnten Narkotika, weil das giftige Nikotin bei fort­gesetzten! Stauchen schließlich, eine chronische Vergiftung des ganzen Körpers zur Folge haben muß, aber es ist uns mög­lich, durch verschiedene Maßregeln derselben vorzubeugen und sie abzuschwächen.

Dem erivachfenen, gesunden Menschen schadet das mäßige Tabakrauchpn nicht, weil immer wieder das dem Körper einverleibte Nikotin ausgeschieden wird. Die we­nigsten Menschen werden mit einer so vorzüglichen Ge­sundheit ausgestattet sein, daß die Folgen des erstmaligen Tabalrauchens ausbleiben oder spurlos vorübergehen; selbst später treten nicht selten beim Rauchen. starken Tabaks noch, unangenehme Wirkungen des Nikotins aus, die sich in Schwindel-, Frost- und Schaueranfällen, Ohn­machtsanwandlungen, Herzklopfen, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen äußern. Diese akuten Bergiftungserschein- ungen find ohne erheblichen oder bleibenden Nachteil. Sie verschwinden wieder, und der Geprüfte huldigt dem Tabak- genusse meistens wieder, um vielleicht je nach Veranlagung das Martyrium noch, öfter durchzumachen, bis er endlich zur Schar der erprobten Raucher gehört. Diese sind aber der Gefahr der allmählichen oder chronischen Vergiftung nicht entronnen, wenn sie mit Beharrlichkeit dem Tabak- genusse fröhnen und dem Körper nicht Zeit gönnen, das Gift ausznscheiden. Die starke Reizwirkung des Tabak- rauchens verursacht den chronischen Rachen- und Kehlkopf­katarrh, eine entzündliche Reizung der Schleimhäute und Stimmbänder, die schließlich Stimmlosigkeit im Gefolge hat. So ähnlich ist die Wirkung auch auf den Magen und Darmkanal.

Die Entzündungsprozesse verursachen Appetitlosigkeit, Magen- und Darmkatarrh, Durchfall und schließlich die voll­ständige Zerrüttung der Magennerven. Das sollen sich besonders jene merken, die die üble Gewohnheit haben, den Tabakrauch durch die Nase anszuatmen oder zu ver­schlucken.

Auch die Augenschlermhaut wird durch das Rauchen heftig gereizt. Der beste Beweis ist das Brennen und Schmerzen der Augen, wenn man sich lange Zeit in einem rauchigen Gastzimmer aufhält, das schlecht gelüftet ist. Bei Zigaretten-Rauchern ist schon die vollständige Erblindung eines oder beider Augen beobachtet worden. Die schäd­lichste Wirkung übt das Rauchen aber auf das Herz und das Nervensystem. Man kann zwar sehr lange dem Tabak- genusse fröhnen, aber man thut es nicht ungestraft, ganz besonders, wenn erst einmal das Herz in Mitleidenschaft gezogen ist. Tie Folgen sind unregelmäßige und gesteigerte Herzthätigkeit, ein unbehagliches Gefühl in der Herzgegend, Drücken, Brennen, Stechen, Zucken und Herzkrämpse, in­folge mangelhafter und unregelmäßiger Luftzufuhr. Wer­ren diese Anzeichen der chronischen Vergiftung nicht beachtet, dann tritt eine Entartung (Verfettung des Herzens) ein, und ein langwieriges Herzleiden oder der plötzliche Tod bilden den Schluß der zur ungezähmten Leidenschaft gewordenen Genußsucht.

Tie andere Hauptwirkung des Tabaks ist die Reizung des Nervensystems, die anfangs sehr angenehm, sich! sogar zur Lustempfindung steigern kann, später sich aber als Lähmung, Muskelschwäche, Zittern aller Glieder usw. kenn­zeichnet. Ziehen wir den Schluß aus dem Vorstehenden, so kommen wir zu dem Ergebnis, daß alle Herzleidende, Nervenkranke und alle jene, die zu Magen-, Darm-, Hals- und Brustkrankheiten neigen, den Tabak, sei es Rauch- oder Schnupftabak, allen Ernstes zu meiden haben. Der voll­ständig Gesunde merke sich aber die nachfolgenden zehn Raucherregeln, die Tr. E. Kerbel, ein vielerfahrener Prak­tiker, zu aller Nutz und Frommen bekannt giebt:

1. Rauchs nie eine Zigarre weiter, die nicht zieht oder nicht luftdicht ist, kurz eine solche, die nicht brennt; denn unter solchen Umständen geht viel Nikotin in den Rauch über, und damit auch in den Körper des Rauchers!.

2. Rauche in der Pfeife nur ganz leichten Tabak; schwerer Tabak entwickelt, namentlich in Pfeifen, wo der Luftzutritt meist ungenügend ist, viel Nikotin.

3. Hüte Dich vor dunklen Zigarren; sie enthalten, daj sie eine starke Gährung durchgemacht haben, viel Ammoniak.

4. Da erfahrungsgemäß importierte Havanna-Zigarren! am schädlichsten wirken, so rauche man dieses Kraut nup selten, höchstens! 1 bis 2 Stück am Tag, und dann stets! nach Tisch.

5. Rauche nie eine Zigarre bis zum Ende. Je kürzer die Zigarre wird, desto schwerer wird sie. Hüte Dich auch vor dem Schlucken des. Rauches; denn der Magen wird! durch das scharfe Nikotin gereizt.

6. Rauche womöglich keine Zigarre, die ausgegangen! oder liegen geblieben ist, von neuem an.

7. Wenn irgend- möglich, so rauche stets aus einer Pfeife mit einem recht langen Rohre; man fei aber peinlich sauber mit dem Rohre, weil sich sonst mit der Zeit viel Nikotin ansetzen würde.

8. Rauche weder Zigarre noch Zigarette ohne reinliche Zigarrenspitze; durch Kauen und Zerbeißen der Zigarre gelangt viel° Nikotin in den Speichel; zudem können durch Zigarren gewisse Krankheiten, wie z. B. die Schwindsucht, übertragen werden.

9. Kein Mensch soll Vor seiner vollständigen körperlichen Ausbildung, also vor dem 20. Lebensjahre, rauchen.

10. Weder Zigarre, noch! Zigarette, noch Pfeife rauche man, ohne Lust dazu zu haben. (Prakt. Wegweiser.)

GeMeinnützrges.

Die Anpflanzung von Buschvbstbäumen em­pfiehlt in seiner letzten Nummer der praktische Ratgeber in: Obst- und Gartenbau, indem er auf die günstigen Er­trägnisse und die zunehmende Anpflanzung solcher Busch- obstbäume 'hinweist. Sehr günstige Ernten wurden z. B- aus dem Hedwigsberg, der großen Versuchsplantage des! praktischen Ratgebers erzielt. Ein jeder im Jahre 1893 gepflanzte Wintergvldparmänen-Buschbaum erzielte im Durchschnitt

im Jahre 1896 . g j.. 4 Pfund

- - 1897 - g. . 6

- - 1898 - 12 -

- - 1899 2, 4 i 32 -

- - 1900 ; r. 3 -

- - - 1901 J 2 . 30 -

Leser, welche sich für die Einzelheiten interessieren, finden Näheres in Nr. 40 der genannten Wochenschrift,' welche vom Geschäftsamt in Frankfurt a. O. kostenfrei ver­sandt wird.. Dem betreffenden Artikel sind zwei Abbild­ungen beigegeben, deren eine einen mit Früchten reich behangenen Buschbaumast, die andere den Blick in eine Buschbaumanlage zeigt.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Manch einer hat seufzend durch mich geschaut Hinaus in's freie Leben.

Verändert man nur einen Laut,

Einen streitbaren Mann wird's ergeben.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Kapselrätfels in vor. Nr.r Bei Nacht sind alle Katzen grau.

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 139 der Familienblätter r a. Rede, Rain, Schoa, Mehl, Reich, Ornat, Nord, Torte, Eros, Eifel, Schorf.

b. Erbe, Iran, Ohaos, Hehn, Erich, Notar, Dorn, Otter, Hose, Heile, Erosch. Eichendorff.

Es gingen insgesamt 12 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 9, Einsender: Herr Theodor List in Lauterbach.

Der Preis Steinau, Tausendschön, geb. ist von dem Ge­winner gegen Vorzeigung der Abonnementsgmttung in der Geschäftsstelle derFamilienblätter" in Empfang zu nehmen.

Redaltion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. -