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wenn es Tausende und Abertausende kostete. So mußte auch em großer Rennstall eingerichtet werden; da sie in der wirklich ersten Gesellschaft eine Rolle nicht spielen konnte, wollte sie die erste sein in der Gesellschaft, die sich aus dem grünen Rasen der Rennplätze versammelte. Die Farben chres Rennstalls waren auf allen Rennen vertreten. Eitel Fritz wurde bald einer der ersten Herrenreiter, bis er im letzten Frühjahr auf dem Rennen in Hamburg eineu bösen Sturz that, der ihn an den Rand des Grabes brachte; und ihm vor einer längeren Erholungspause nicht ge-, tattete, wieder in den Sattel zu steigen.
Ihm war dies Ereignis ganz recht gekommen. Das Treiben der großen Reünen widerte ihn jetzt an, wo er geschäftsmäßig den Sport betreiben sollte. Existenzen drängten siche jetzt an ihn heran, von denen er früher kaum eine Ahnung gehabt oder die sich doch früher feru gehalten hatten. Er erkannte, daß auch der Rittmeister Meyeriug zu diesen Existenzen gehörte, die sich nur durch den geschäftsmäßigen Sport aufrecht erhalten konnten. Die chwerste Enttäuschung brachte ihm aber die Erkenntnis^ )aß der alte Vetterlein, der Großvater seiner Gattin, mit beut Rittmeister unter einer Decke spielte, indem er den! Geldtnann für die Darlehnsgeschäfte Meyerings machte. So hatte der alte Vetterlein auch seine eigenen Wechsel/ die er Meyering ausgestellt hatte, au getauft, Mit grinsender Freundlichkeit übergab der Alte die zerrissenen Wechsel Eitel Fritz an dein Hochzeitstage.
„Es soll mein Hochzeitsgeschenk sein, verehrter Herr von Petershagen", sagte er mit seiner rauhen, gewöhnlichen! Stimme. „Aber merken Sie's sich, ich löse in der Folgezeit keine Wechsel von Ihnen tnchr ein."
Eitel Fritz fühlte sich gedemütigt, erniedrigt. Aber nm Irinas willen hatte er geschwiegen. Dann mußte er aber! immer mehr erkennen, daß der alte Vetterlein in seinem echt bäuerischen Geiz geradezu wucherische Geldgeschäfte machte uud daß Meyering ihn hierbei unterstützte. Eitel Fritz wollte sich von beiden zurückziehen, doch die Majorin erklärte ihm spöttisch lächelnd, daß sie und ihre Tochtep in ihren Einnahmen von ihrem Vater noch; abhängig feien! und daß man den Alten nicht verletzen dürfe.
So blieb bentt alles Leim alten. Eitel Fritz stürzte! sich in ein wildes, glänzendes Leben hinein, um zu ven gcffeu, bis er selbst vor diesem Lebet: einen Ekel empfand, Tas Verhältnis zu Irma gestaltete sich auch unerquicklich. Idealen Regungen stand Irma völlig verständnislos gegenüber. Nachdem der erste Sinnenraufch der jungen Ehe verflogen, forderte ihre nüchterne, kalte Natur wieder iHv Recht; sie wollte glänzen, eine Rolle spielen, sich von der Herrenwelt bewundert sehen — das war ihr einziger Ehrgeiz. *
In diesem Sommer — da es ihrem Gatten verboten war, in dem aufreibenden Treiben der Gesellschaft weiter zu leben — hatte sie die Laune erfaßt, einmal die Schloß Herrin von Petershagen zu spielen. Sie ließ das Schloß nach ihrem Geschmack einrichten und freute sich schon darauf, die umwohnenden Rittergutsbesitzer nebst Famtlren in ihren prächtigen Salons zu empfangen.
Zum Tiner am heutigen Elnzugstage waren nur Arno Sannow und Ruscha erschienen. Man sah ihnen das Glück aus den blühenden Wangen und in den leuchtenden Augeu an, das sie in ihrer junget: Ehe empfanden. Einen Stamm-! Halter hatte der Storch auch schon gebracht, und Ruscha! wußte nicht genug von den vortrefflichen Eigenschaften! ihres Söhnchens zu erzählen.
Irma hörte mit einem le:chttron:schen Lächeln um die Lippen diesen Erzählungen zu. Ihr waren Kindep schrecklich, die Empfindungen einer Mutter und ErztehertU der Kinder waren ihr unverständlich; hätte f:e e:n Kmd gehabt, würde fie es gewiß fremder Pflege übergeben! haben. . r „
„Sie müssen sich morgen menten Bubt anseh en, ^rma > sagte Ruscha mit glücklichem Lächeln. „Nicht wahr, Ettel Fritz, ihr komntt morgen zu uns nach JesewitzA ,
„Sehr gern, Ruscha", entgegnete Eitel Frttz, dem ber den Erzählungen seiner Schwester das Bild einer einfachem glücklichen Ehe aufgegangen war.
„Ich! glaube kaum, daß wir morgen schon kommen können", warf Irma ein. „Ich! muß zuerst mente Znmnep vrdneu und meine Toiletten auspacken."
Diese Toiletten — diese glänzenden Nrchirgketten =a wie Eitel Fritz sie haßte! Wie nM imb angenehm sah.
gab' er sich der lebhaften Unterhaltung der kleinen Gesellschaft h:n.
Am attderen Tage reichte er deut Obersten sein Abschieds- gesuch und die Bitte um Versetzung zur Landwehr-Kavallerie ein. i==
XII.
Wiederum nahte der Sommer. Wiederum umwogte die goldene Flut des reifenden Aehreumeeres Schloß und Dorf Petershagen, und wiederum ertönte das jubilierende Lied der Lerche in hoher, blauer Lust.
Da erwachte Schloß Petershagen aus dem' Schlummer, in den es seit dem Tode des alten Hans Joachim versunken schien. Nur einmal hatte es während der verflossenen drei Jahre frohe Gäste in feilten Räumen gesehen, als man die Vermählung Ruschas mit Arno Sannow feierte. Da waren die alten Freunde und Bekannte von nah und fern noch einmal zusammeugekommen, da war auch der neue Besitzer von Petershagen mit seiner jungen, schönen Gattin gekommen, über deren Diainanteuprachi alle Gäste in das höchste Entzücken gerieten — da hatte noch einmal Frohsinn und Heiterkeit in beut alten Herrenhause geherrscht.
Dann hatte sich tiefe, traumhafte Ruhe auf das Haus niedergesenkt. Ruscha ivar mit ihrem Gatten davongezvgen; der neue Herr des Schlosses war nach Berlin zurückgefahren und Frau von Petershagen war mit ihrer leidenden Tochter Wanda nach dem Süden gereist;
Jetzt aber mit dem erwachenden Sommer erwachte auch Schloß Petershagen. Handwerker und Dekorateure, Tapeziere und Möbelhändler aus Berlin erschienen und richteten das Schloß fast vollständig neu ein. Nur die Zimmer des verstorbenen Hans Joachim blieben unberührt in ihrer schlichten, altmodischen Einfachheit. Alle anderen Räume wurden auf das Eleganteste hergerichtet. Persische und indische Teppiche — kostbare Bilder und Spiegel mit goldenen venezianischen Rahmen ■— Möbel im Renaissancegeschmack oder nach altdeutschem Muster — kurz, das alte Herrenhaus von Petershagen wurde zu einem hochmodernen Schlosse umgewandelt, so daß die guten Leute von Petershagen die Hände über dem Kopf zusantmenschlugen.
Die Herrschaft wollte ihren Sommer- und Herbstaufent- halt in Petershagen nehmen, und an einem herrlichen Juli- abend zog Eitel Fritz mit seiner jungen Gattin in das Schloß ein. Tie Leute des Wirtschaftshofes bildeten unter Anführung des neuen Inspektors, Herrn Wedemeyer, Spalier und riefen Hurra; die Dienerschaft empfing die Herrschaft vor dem Schlosse, und der alte Diener Friedrich, der zum Haushofmeister avanciert war, hielt eine kurze Ansprache, in der er der Freude Ausdruck gab, die geliebte Herrschaft tvieder das Schloß beziehen zu sehen.
Ungeduldig hörte Eitel Fritz die Worte des alten Mannes an, während Irma sich in der Rolle der Schloß;- er rin sehr zu gefallen fchien.
War es doch auch 'auf ihre Veranlassung geschehen, daß man sich! für einige Monate nach Schloß Petershagen zurückzog. Eitel Fritz hätte am liebsten Petershagen niemals wieder betreten.
Endlich waren die Empfangsfeierlichkeiten vorüber und die Herrschaft zog sich zurück
Eitel Fritz sah sich erstaunt in den neu dekorierten! Räumen um, er erkannte seine alte Heimat kaum wieder.
„Nun", sägte Irma mit stolzem Lächeln, „gefällt Dir die Einrichtung, die ganz nach meinen Anordnungen gemacht wurde?"
„Es ist alles sehr schön", entgegnete er. „Ich erkenne mein altes Petershagen nicht wieder."
„Es war auch! Zeit, daß man mit dem alten Trödel einmal aufräumte."
„Und doch hängen die schönsten Erinnerungen an b:efem „alten Trödel", wie Du die Sachen zu nennen beliebst/ dabei meine Eltern und Großeltern glücklich waren."
Sie zuckte die Achseln.
„Tu wirst wieder einmal sentimental", sagte sie und wandte sich gleichmütig ab.
Schon oft hatte fie ihm — anfangs schelmisch lächelnd, später mit einer gewissen Schärfe — seine „sentimentalen Anwandlungen" vorgeworfen, wenn er inmitten des aufreibenden, glänzenden Gesellsch-aftslebens in Berlin oder den eleganten Weltbädern siche mit seinen Erinnerungen in die frühere Zeit verlor. Sie verachtete diese Erinnerungen, fie lebte nur dem glänzenden Augenblick und ihren Zufallslannen. Was sie wünschte, mußte geschehen, unt>


