Ausgabe 
12.10.1901
 
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Samstag den 12. Dktober.

1901. Nr. 145.

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m die Wunde, die dir Verleumdung schlug,

St Bist du sehr zu beklagen;

Hoffentlich bist du groß genug, Ein wenig Verkleinerung zu vertragen.

Frida Schanz.

(Nachdruck verboten.)

Der Erbe von Petershagen.

Roman von O. Elster.

Gut ich bin es zufrieden. Tann begreife ich aber nicht, wie Sie Ihre Lage schwierig finden können. Wenn Sie sich! nicht versetzen lassen wollen, dann nehmen Sie doch Ihren Abschied. Sie sind doch jetzt vollkommen selbst­ständig, haben ein eigenes, schönes Gut, auf das Sie sich jederzeit zurückziehen können, und sind durch das Ver­mögen Ihrer demnächstigen Gattin ein freier Mann ge­worden."

Glauben Sie wirklich, daß Irma damit einverstanden sein wird? Mir scheint, sie legt gerade großen Wert auf meine Stellung in der ersten Gesellschaft. Wenn ich aus diesem Grunde den Abschied nehme, gebe ich zu, daß meine Frau für diese Gesellschaft nicht paßt."

Ter Rittmeister zuckte die Achseln.Wer weiß denn von diesen tieferliegenden Beweggründen? Ein sehr be­schränkter Kreis. Und so etwas vergißt sich sehr leicht, namentlich wenn Sie als Freiherr von Petershagen ein großes Haus machen. Sie sollen sehen, wie dann selbst Ihre früheren Regimentskameraden Ihr Haus aufsuchen. Ich an Ihrer Stelle würde sofort meinen Abschied einreichen Beschäftigung haben Sie genug! Ihr Gut und dann der Sport! Fräulein Irma interessiert sich sehr für den Sport nun gut, dann richten Sie doch einen Rennstall ein, Sie haben's ja dazu, sind selbst ein Reiter ersten Ranges, der auf dem grünen Rasen bald eine der ange­sehensten Persönlichkeiten sein wird. Genügt das Ihrem Ehrgeiz noch nicht?"

Wenn ich nur wüßte, was meine Braut dazu sagen wird?" 1 1 12

Soll ich die Vermittlerrolle übernehmen?"

Sie thäten mir allerdings einen Dienst, wenn Sie das ergründen wollten."

Gleich heute soll es geschehen. Fahren Sie mit nach Schöneberg hinaus?"

Ich möchte lieber Ihre Antwort abwarten .."

Auch gut. Dann erwarten Sie mich heute abend neun Uhr im Restaurant Tressel bis dahin ist alles! in bester Ordnung. "

Man trennte sich. Ter Rittmeister begab sich nach der Villa Mon Repos, während Eitel Fritz ziellos in den Straßen Berlins umherwanderte.

Er war in eigentümlicher Gemütsverfassung. Er fühlte sich! unruhig und unglücklich. Sein ganzes Leben schien ihm verfehlt. ,

Bereits um acht Uhr begab er sich zu Tressel, setzte sich dort in eine Ecke und ließ sich eine Flasche Rotwem geben. Der vortreffliche Wein wirkte belebend aus ihn ein, und als dann der Rittmeister mit der Majorin und Irma, alle in strahlender Heiterkeit, erschienen, und Irma, ihm warm die Hand drückend, ihm mit innigem Blick zuflüstertef Wer wie Konntest Tn an mir zweifeln. Eitel Fritz? und! die Majorin ihm lachend versicherte, daß ihre Dochwt gar keinen Wert auf seine Stellung als Offizier lege, da ward ihm wieder leicht um das Herz, und mit NehageN

(Fortsetzung.)

Eitel Fritz ging indessen langsam durch die Straßen tetn Mittelpunkt der Stadt, den Linden zu. Ziellos und planlos schritt er dahin. Er befand sich in einem fast traumhaften Zustande, er wußte kaum, ob das, was er eben gehört und erlebt, der Wirklichkeit angehörte. Wie das Schicksal eines Fremden erschien ihm sein eigenes Geschick.

Er traf einige Bekannte, die ihm zu seiner Verlobung Glück wünschten. Er glaubte, ein leises ironisches Lächeln um ihre Lippen zucken zu sehen und einen Ton des Mitleids in ihren Worten zu vernehmen.

Jetzt erst ward ihm wieder klar, daß. es sich um sein eigenes Geschick handelte!

Was sollte er beginnen? Den Abschied nehmen sich in irgend eine Provinzgarnison versetzen lassen? Er kannte Irma gut genug, um zu wissen, daß sie beide Vor­schläge mit Unmut aufnehmen würde.

Dann erfaßte ihn aufs neue der Zorn, daß man ihm über den Tod des' Majors nicht die Wahrheit gesagt hatte. iEr wollte wenigstens von dem Rittmeister Rechenschaft sor- d!ern und suchte diesen auf, den er auch in seiner Wohnung Untraf.

Ruhig hörte der Rittmeister die lebhaften Worte des jungen Offiziers an, in denen dieser ihm seine Lage aus- >einandersetzte.

Und nun", so schloß Eitel Fritz,da Sie mich in diese peinliche Lage gebracht haben, so raten Sie mir, was ich! thun soll."

Ich muß den Vorwurf ablehnen", entgegnete der Ritt­meister kühl,Sie in eine peinliche Lage gebracht zu haben. Ich war nicht befugt, mit Ihnen über das Geheimnis der Familie Weserling zu sprechen. Sie waren Herr Ihrer Hand­lungen, und niemand hat Sie zu der Verlobung mit Fräu­lein Weserling gezwungen."-

Eitel Fritz lachte bitter auf. Er erinnerte sich, daß die Verlobung ihm als das einzige Mittel erschienen war, sich vor dem finanziellen Ruin zu retten.

Tas ist ein Thema, über dsis wir lieber nicht sprechen Wollen, Herr Rittmeister!^

llU.u.i!