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Erschrecken erfaßt. Was bedeutet das ? Welche FolgerüngeH lagen dem zu Grunde? WeshM fpähete man so geheintnM voll seinen intimsten Familienbeziehungen nach? Hielt man ihn etwa für den Thäter, der sich zu einer Handlung der Eifersucht hatte Hinreitzen lassen? Und wie re wenn er nun wahrheitsgetreu diese Frage beantwortete, mußte ep da nicht zugeben, daß im ersten Augenblick fein Empfinden gerade nicht freundlicher Natur gewesen sei, und würde er damit einem gegen ihn vorliegenden Verdachte neue Nahrung geben? Doch seine angeborene Wahrheitsliebe ' siegte schließlich über alle peinlichen Bedenken. Offen gabs er zu, daß allerdings sein erstes Empfinden kein allzn freundliches gegen Mohrmann gewesen fei, weil er daran' gedacht, daß dieses zufällige Zusammentreffen feiner Gattin mit Mohrmann im Walde von einem etwaigen.Zeugen falsch ausgelegt werden könnte. ®otf) seien diese Bedenken bald wieder geschwunden; denn er habe sich gesagt, daß man nicht allzuviel Rücksicht auf müßiges Gerede böser Zungen nehmen dürfe, um durch solche Engherzigkeit nichh Freundschaft und häuslichen Frieden zu verscheuchen.
„Sie begleiteten alsdann den Staatsanwalt eine Strecke Weges, denselben Weg, auf dem später der Uebersall statA gefunden?" ;
„Wohin wandten Sie sich, Herr Forstmeister, nachdem Sie Mohrmann verlassen?"
„Ich arbeitete mich seitwärts durch das Unterholz, Mei Höhe hinauf, um zu meinen Beamten zu gelangen."
„Und Sie hörten dann während Ihres Cmporsteigenss den Schuß fallen?"
„Ja", gab Werner finster zurück. Er sah es ein, hierf war kein Zweifel mehr, man hielt ihn für einen Mörder.;
„Sie waren aber zu dieser Zeit noch allein. Sie hatten! bis dahin keinen der Forstbeamten getroffen, der Ihr Alibi zur Zeit des Schusses beweisen könnte?"
„Nein", sagte Werner, während sein Blut heiß in diel Schläfen stieg; er sah einen Augenblick finster vor sich hin, dann aber hob er den Kopf stolz empor, und Held offen! mit seinem ehrlichen Blick ansehend, sprach er: „Herr Amts'-! richter, sagen Sie es mir nur offen, man hält mich für den! Thäter dieses abscheulichen Uebersalls, und Sie verhören mich, um meine Schuld festzustellen?"
„Nicht Ihre Schuld, Herr Forstmeister, sondern Ihre! Unschuld will ich zu beweisen suchen. Wenn Ihnen mein Freundeswort von Wert ist, so lassen Sie sich sagen: „Ich glaube an Sie, traue Ihnen diese That nicht zu!""
Der Forstmeister war bewegt, er drückte Held erst nur stumm die Hand, dann sagte er herzlich: „Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Gesinnung."
„Sie haben mir deshalb nicht zu danken", wehrte Held ab, „der Glaube an Ihre Unschuld lebt in mir, ich! kann gar nicht anders. Doch will ich Ihnen auch mcht von enthalten — damit Sie von dem etwa Weiterfolgenden ntchh überrascht werden — Ihre Läge ist ernst, sehr ernst sogar.; Die allgemeine Stimme bezeichnet Sie als benjemgett^ der sich, von einem mehr oder weniger berech-ttgten Zorn>i zu einer übereilten Thät habe hinreißen lassen., Ich wtlh nun weiter gär nicht untersuchen, inwrefern em foccher Zorn gerechtfertigt sein dürste, denn, tote gesagt, tch glaube nicht an eine Schuld von Ihrer Sette. Um aber diesen Glauben vor der Welt und Ihren Anklägern rechtfertigen zu können, müßte ich gahz anderes -oewetsf; material für Ihre Unschuld haben. Ich hatte gewun,a),t,; Sie hätten mir durch Zeugen nachwetsen können^ wo Sie die Zeit von Ihrer Trennung von Bwhrmann, bchj dahin, wo Sie den Unglücklichen in seinem Blute fanden^ zugebra'cht haben. Sie haben Mer Ihre Leute erst dann! getroffen, Äs die Thät bereits eme geraume Wetle ge- schehen war. Wer beweist nun, daß Sie in teuer Zwischenzeit nicht wieder mit Mohrmann zusammengetroffen strM und nachdem die unglückliche That beretts geschehen, die Männer" herb eigeholt haben ?"•
„Ich sehe ein", sprach Werner mit dumpfer Sttmme^ „alle/ spricht wider mich, scheinbar treffen alle^ Umstands zusammen, um mich zum Mörder zU stempeln. , ,
„Behalten Sie nur ruhig Bkut, Herr Forstmetstet, und verlieren Sie den Gläubeu an /ms Wendung Ihres An schickes nichf. Es wird, es muß W
werde nicht ruhen, bis such das Dunkel geltchtet, und! tchj aller Welt Ihre Unschtckd beweisen kann."- - i';
1 „Sie meinen est gut, Herr Amtsrichter,- aber was wtrd
genossen hatten. Daun kam wieder ein neues hinzu,- was die vorhergehenden Gerüchte zu bestätigen schien. Unweit des Thatortes hatte man eins alte, frisch abgeschossen'e Flinte gefunden, zu der sich- der Forstmeister als Eigentümer bekannte. Und was das belastendste war, die Kugel, die aus der Wunde des Verletzten hervorgezogen war, paßte genau iit den Lauf von des Forstmeisters Flinte. Nur begriff man nicht, warum der Forstmeister noch immer frei herumging, bewahrheitete sich das alles, so waren das doch schwerwiegende Momente genug, nm eine Verhaftung des also Verdächtigten zu rechtfertigen.
Die niedere Bevölkerung sing bereits an, zu sticheln und zu schimpfen über hohe Herren, die man laufen lasse, während man den kleinen Mann um geringer Vergehen einstecke. Und als der Forstmeister einmal zum Zeugenverhör nach der Stadt kam, umringte ihn eine johlende 'Menge Gassenbuben, und boshafte, klatschsüchtige Weiber wiesen mit Fingern auf ihn. ,
Der Forstmeister betrat, durch dieses ^auffällige Betragen der Straßenjungen und pöbelhaften Weiber aufs -tiefste verletzt und erbittert, den Gerichtssaal. Er sah hier' einige Bekannte zusammenstehen und ging darauf zu, doch sofort stob der kleine Kreis auseinander, und er stand allein und verlassen.
Zornesröte stieg in sein Gesicht. Was so.llte Äas bedeuten? Leute, die so oft seine Gäste gewesen, wichen! ihm aus, als sei er ein Pestbehasteter.
Bald jedoch sollte ihm eine Aufklärung werden, an die er nicht im mindesten gedacht hatte.
Held fungierte als Untersuchungsrichter. Er ivar der einzige, der die Freundschaft, die zwar verhältnismäßig noch jungen Datums war, nicht verleugnet hatte. Als er jetzt Werner eintreten sah, hatte er rasch, gegen seine sonstige Gewohnheit, seinen Platz am Richtertische verlassen, war ihm entgegengetreten und hatte ihm die Hand entgegengestreckt. „Bitte, treten Sie dort in das Nebenzimmer, Herr Forstmeister, nur noch einige Minuten und ich stehe zu Diensten", hatte er ihn laut, allen vernehmlich, angeredet.
Werner befolgte diesen freundschaftlichen Rat und trat in das bezeichnete Zimmer.
Nach etwa einer Viertelstunde touren die vorliegenden .Sachen erledigt, das Zimmer leerte sich langsam; denn nur .zögernden Schrittes verließen die meisten den Raum.
Draußen im Korridor staute sich abermals die Menge, man hätte so gern erfahren, aus welche Weise das Verhör mit dem Forstmeister enden würde, doch die Gerichts^ diener gingen bereits herum und fragten mit strenger -Miene, worauf die Herren noch warteten?
Das belehrte die Säumenden, daß sie hier nicht länger zu verweilen hatten.
Held hatte unterdes das Nebenzimmer betreten, sich an seinen Tisch gesetzt und den Forstmeister gebeten, ihm die Vorgänge jenes Abends noch einmal ganz genau zu erzählen.
Werner kam dem mit jener Pünktlichkett nach-, welche ihm durch seine berufliche Stellung, die ihn oft zu dergleichen Aussagen nötigte, zur Gewohnheit geworden.
Held hatte ihm aufmerksam zugehört, doch brachten ihm' diese Darlegungen nichts Neues. Dieselben Aussagen, vom Zeitpunkte der Auffindung des Verwundeten, hatten ihm Me beiden Unterbeamten beretts gethan. Nun hatte Held noch einige Fragen über das, was jenen letzten Stunden vorausgegangen war und stellte dabei die Frage: „Mobcinann soll, wie verlautet, einige Stunden zuvor und zwar in Begleitung Ihrer Frau Gemahlin, Ihr Haus' betreten haben. Verzeihen Sie, wenn diese Frage Ihnen vielleicht auffallend erscMint, aber Sie wissen ja, Herr Forstmeister, im Dienste gilt keine Rücksicht, und zur Aufklärung her Sache ist eben dieses kleine Vorkommnis' von Wichtigkeit."
„Ich weiß das, Herr Amtsrichter, Sie brauchen sich des-, halb nicht zu entschuldigen, fragen Sie, ich werde Ihnen alsdann nach bestetn Wissen und Gewissen antworten,"
„War Ihnen das Zusammentreffen Mohrmanns mit Ihrer Frau Gemahlin nicht —" Held stockte, die Rötü der Verlegenheit und das Bewußtsein, den MaüN da vor ihm, den er Freund nannte, aufs tiefste zu verletzen, brachte -fein Blut in stürmische Bewegung, dann äher ermannte er sich, und führ entschlossen fort, „also wär Ihnen die Begegnung der beiden nicht unangenehm?"
. Auch Werner. Mr bei dieser Frage von einem! Meck


