Ausgabe 
12.9.1901
 
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1901. Nr. 129.

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AH- irtigteit, ein festes Band, Hält zusammen Beut nnd Land.

(Nachdruck verboten.)

Prüfung.

Krinrinalerzählung von E. H a i n b e r g.

(Fortsetzung.)

Ter Forstmeister war allmählich still geworden, auch seine Schritte hatten sich verlangsamt. Wie ein müder Wegewanderer, der nach langer, anstrengender Tour mit seinen Kräften zu Ende ist, so knickte er nun fast bei jedem Schritt zusammen. Der Weg schien ihm endlos. Die seelische Erregung hatte wohl mehr als die körperliche An­strengung seine Kräfte ausgebraucht; notgedrungen mußte er die Hilfe seiner beiden Begleiter in Anspruch nehmen. Sie brachten ihn dann auch bis in sein Zimmer und führten ihn daselbst nach dem Sofa. Hier sank er erschöpft zusammen.

Schon während des Durchganges über den Flur hatte sich die Thür des Wohnzimmers geöffnet, Bertha und Hanna spähten ängstlich heraus und stürzten, als sie die sonderbare Gruppe sahen, mit einem Schmerzensschrei hinzu.

Während Frau Bertha Wein herbeiholte, stürzte Hanna in fassungsloser Angst vor ihrem Bruder nieder.Robert, Du bist verwundet!"

Er schüttelte verneinend den Kopf:Nein, liebes Kind, ich nicht."

Aber was ist Dir, Du siehst so fürchterlich aus."

Du solltest lieber nicht fragen, Hanna, doch es mag drum sein, einmal müßt ihr es ja doch erfahren wir fanden Mohrmann"

Tod?" schrie seine Gattin auf, die soeben mit einem Glas Wein an sein Lager getreten war.

Noch nicht", antwortete Werner, ,aber wir haben, ihn besinnungslos mit einer schweren Schußwunde in der Brust gefunden."

Aber das ist ja entsetzlich", sagte nun auch Hanna.

>,Jst man denn hier von Mördern umgeben?"

Es scheint so", antwortete Bertha an ihres Gatten Stelle.Aber das kommt von dem strengen Regiment, welches die Herren führen. Was liegt denn schließlich an einem geschossenen Rehbock? Einer mehr oder weniger wiegt doch kein Menschenleben auf."

Es war ein langer, vorwurfsvoller Blick, der sie aus den Augen ihres Gatten traf.Liebe Frau", antwortete er dann gelassen,ich denke, das sind Dinge, über die Du rncht aburteilen solltest. Doch jetzt fei so freundlich, schenke

den Herren ein und laß einen Imbiß besorgen. Die Tours heute nacht war lang und schwer."

Die beiden Forstbeamten V olten Einsprache erheben,, doch. Werner ließ das nicht zu. Auch! Frau Bertha ent-; schuldigte sich, daß sie das bisher versäumt, doch der! Schrecken und der Zustand ihres Mannes habe ihr die Ge-, danken verwirrt.

Im Grunde war Frau Bertha eine gutmütige Natur,, nur die. Sucht, zu herrschen und zu gefallen, war e§,; welche die guten Seiten ihres Charakters immer wieder verdunkelte. Auch Hanna war aufgesprungen und eilte nnir, ebenfalls hinaus, etwas kalte Küche zu holen, und bald saßen die beiden Männer am wohlbesetzten Tische und ließen es sich nach den Anstrengungen der Stacht schmecken.

In dieser Nacht schloß sich im Forstmeisterhause keiv Auge.

Am nächsten Morgen durchlief schon in aller Frühq das Gerücht die kleine Stadt von einem stattgehabten Mord, Aber sonderbarerweise lauteten diese Gerüchte höchst ver-s schieden. Bald hieß es, der Forstmeister sei dem Todq nahe in das städtische. Hospital gebracht, bald wieder, nein, der Staatsanwalt sei tötlich verwundet und werde wohl schwerlich mit dem Leben davonkommen. Dann wieder tauchte ein Gerücht auf, das, so abscheulich und ungeheuer^ lich es auch lautete, dennoch hier und da Glauben fanty Ohne daß jemand den eigentlichen Ursprung des Gerüchtes kannte, war es doch mit einem Male in jedermanns Munde, und laut und auch leiser flüsterte man sich gegenseitig zu: Der Forstmeister solle die schreckliche Thal aus Eifersucht verübt haben. Die einzelnen verfehltest dann wieder nicht, diese Mär mit einigen Randbemerki ungen anszuschmücken, sodaß an der Glaubwürdigkeit des umgehenden Gerüchtes bald kein Zweifel mehr herrschte.

War das ein Rennen und Köpfezusammenstecken in bet, guten Stadt. Die Gasthäuser waren an diesem und dcst folgenden Tagen überfüllt, und die zu Hause des Gatten; harrenden besseren Hälften ereiferten sich nicht, wenn die Schlußstunde der beliebten Kneiperei etwas später als sonst fiel. Nur ein hastiges, fragendesNun?" zeigte, mit wel-? cher Ungeduld der Heimkehrende nun erwartet wurde.

Dann wurde berichtet, und all die verschiedenartigen Auslegungen wurden auss neue ^genommen.

Nach Verlauf einiger Tage wat das erwähnte Gerücht mit erneuter Schärfe auf. Man wollte jetzt auf einmal schon wissen, der Forstmeister habe Frau und Freund bej einem Stelldichein im Walde überrascht und im gerechtes Zorne den falschen Freund niedergeschossen.

Sonderbarerweise hatte dies aber keiner mit ange-, sehen, man wußte.nicht einmal den ersten Verbreiter dieses neueren Gerüchtes zu nennen, und dennoch fand es bereite willigen Glauben, nicht allein bei denjenigen, die bes-j Forstmeisters Familie ferner standen, sondern auch; bei denen, welche jahrelang die Freundschaft des gastfreien Hauses