Ausgabe 
11.7.1901
 
Einzelbild herunterladen

- 392

Verbilligung der Herstellung von Kunsteis nicht mehr lohnend ist. Ilm so reger ist dasür der Vertrieb nach den mittleren und nördlichen Teilen der Union, deren fict; stets erweiterndes Kanalnetz eine billige Verfrachtung gestattet.

Eine originelle Idee war es, das Eis des höchsten Nordens, welches im Frühjahr und Sommer an den öst- ljchen Küsten Amerikas heruntertreibt, dem menschlichen Verbrauch zuzuführen. Bekanntlich schwimmen in den Polarmeeren zweierlei Eis, nämlich das direkt aus Meerwasser gefrorene, welches Eisfelder von 56 Meter Ticke bei oft meilenlangem Umfange bildet und beim Schmelzen, da der größte Teil des Salzes beim Gefrieren sich ausscheidet, ein schwachsalziges, brackiges Wasser gießt, und das reine Süßwassereis der Eisberge. Letztere sind nichts anderes als losgerissene Stücke der sich, von den Grönlandbergen bis ins Meer hineinschiebenden Gletscher, und treiben in tansenden von Exemplaren im Frühjahr bis gegen den Herbst, langsam in dem wärmeren Meer­wasser der südlicheren Breiten abschmelzend, an der Ost­küste Amerikas bis zum 34. Breitengrade herunter. An den Neufundlandsbänken und in Neuschottland, in dessen gefährlichen Nebeln schon manches brave Schiff mit einem Eisberge zusammengestoßen ist, nm auf immer zu verschwinden, ist es ein ganz lohnendes Geschäft, mit kleinen Schleppdampfern auf kleinere Eisberge Jagd zu machen, und dieselben vertäut und verkettet, nach! dem nächsten Festlandshafen zu schleppen, wo der Erlös der 50 000 bis 100 000 Zentner Eis immerhin in geeigneten Sommern einen hübschen Verdienst abwirft.

Wo Eis gar nicht zu haben ist, begnügt man sich gern mit dem minderen Schnee. Tas gilt namentlich von Italien, wo die Sitte, eisgekühlte Getränke zu genießen, bis in die untersten Schichten der Bevölkerung herabreicht. Der 3000 Meter hohe Aetna, der sich im Winter oft bis weit hinab in einen Schneemantel hüllt, wird zu Zeiten des Schneefalles von hunderten von Menschen abgeerntet, welche den Schnee emsig zusammenkratzen, und in sonnenge­schützten Höhlungen anfstapeln, um ihn in den heißesten Monaten mit Maultieren oder in Traglasten nach! Messina, Catania und den anderen Städten der sizilianischen Küste herabzuschaffen, wo derselbe willige Abnehmer findet. In ebenderselben Weise werden Rom und Neapel aus den Albanerbergen und den Apenninen mit Schnee versorgt, der in mächtigen Schneekellern untergebracht wird.

Ganz das Gleiche geschieht übrigens auch im westlichen Deutschland, dessen unvergleichlich! milder Winter der Eis­versorgung der Städte am Rhein und Main oft große Schwierigkeiten bereitet. Im Spessart, in der Rhön, im Westerwald, am Vogelsberg mangelt es auch in warmen Wintern selten an Schnee, mit welchem günstigenfalls in den Monaten Januar bis März ein schwunghafter Handel nach Frankfurt, Mainz und anderen Städten der Main- und Rheingegend getrieben wird.

Tas aus dem Auslande eingeführte Eis repräsentiert übrigens gar keinen so unbedeutenden Wert; man be­wertet die Einfuhr des Frühjahrs 1897 in Teutschland auf mindestens vier Millionen Mark und die folgenden um min­destens zwei Millionen höher. Ein kleiner Teil des national­ökonomischen Vorteils, welcher sich aus dem geringeren Kohlenverbrauch' eines besonders warmen Winters ergiebt, geht also immerhin wieder verloren.

Tie Kälteindustrie und Fabrikation von Kunsteis, welche jetzt hauptsächlich mit Ammoniak arbeitet, dürfte übrigens eine Umwälzung erfahren, welche, wenn, wie jetzt in Kürze zu erwarten sein dürfte, flüssige Luft eine billige Markt­ware wird. Noch harren zahllose unausgenutzte Wasser­kräfte der Verwertung, welche zum Teil auch der Ge­winnung von flüssiger Lust dienen werden. Diese erzeugt aber bei ihrer Verdampfung eine ganz ungeheuere Kälte von nahe an 200 Grad, welche mit Vorteil zur Eisherstell- ung benutzt werden kann, und namentlich dem Kellerei­betriebe der Grohbranereien wesentlich zu statten kommen

l Bürgerliches Hausbuch.

Ein Hechts- und geschäftskundiger Führer und Ratgeber für alle Stände und Berufs klassen. Von Ang. Heckelmann, Handelslehrer in Offenbach a. M., Dozent an der Großh. Technischen Hochschule in Darmstadt. Gießen. Verlag von Emil Roth. Preis in Leinenband 2 Mark.

Das ,,B ü r g e r l i ch e H a u s b u ch" ist auf einen weiten Abnehmerkreis berechnet, indem es Führer und Ratgeber für alle Stände sein soll. Tie Hauptaufgabe des Buches gipfelt in der rechtsgemüßen kaufmännischen Beleuchtung des gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Getriebes, in der Popularisierung der Rechts- und Handelskunde für die breiteren Volksschichten, ganz besonders für den Ge­werbe- und Handwerkerstand berechnet, der die Weckung des Sinnes für Ausbildung, die Stärkung des Standes- bewußtseins, die Belebung des Unternehmungsgeistes, die Ausrüstung für den gesteigerten Kampf ums Dasein und das Eindringen in den Geist des Fortschrittes vornehmlich! nötig hat. Der dargebotene Stoff ist, wie schon ein ober­flächlicher Blick in die Inhaltsübersicht beweist, ein überwältigender, aber die Darstellung desselben ist so durchgeführt, daß das Buch eine interessante, angenehme und leichtverstündliche Lektüre gewährt, belehrend, warnend und aufmunternd nach jeder Seite hin. Es behandelt den Entwickelungsgang der verschiedenen Berufsarten, das kauf­männische Wissen und Können, beantwortet die Frage: wann ein Handwerker zu den Kaufleuten gerechnet wird, ver­breitet sich über das Gesellschafts- und Genossenschafts­wesen, sowie über das Registerwesen, die neue soziale Gesetzgebung und das Konkurs wesen; auch auf die zu ge­wärtigenden Strafen im allgemeinen und besonderen geht das Bürgerliche Hausbuch! näher ein. Die sich anreihenden Abschnitte sind der deutschen Reichsverfassung und der deutschen Gerichtsverfassung gewidmet, jedoch ebenso wie die vorhergehenden in möglichst knapper aber klarer Form gehalten. Von weiteren Abschnitten seien noch folgende genannt: Von den Verträgen, das Einkommen, Besitz und Eigentum, Pfandrecht an Grundstücken und an beweglichen Sachen, was im Zivilprozeß nicht gepfändet werden kann, der Luxus, die bürgerliche Ehe, das Erbrecht, das Geld und seine Bedeutung, die kaufmännischen Zahlungsmittel, wie man Ersparnisse zinstragend anlegt, von der Schrift-, Rechnungs- und Buchführung re. Also an Reichhaltigkeit läßt das Bürgerliche Hausbuch nichts zu wünschen übrig. Schließlich sei nur noch erwähnt, daß derTriumpf der Arbeit" an über hundert Beispielen dargethan wurde, während durch Anführung einer weiteren Anzahl von Fällen der Beweis erbracht werd, daß in Geldsachen die Gemütlichkeit aufzuhören hat.

Bei dieser Reichhaltigkeit und dem ge­ringen Preis bedarf das Bürgerliche Haus­buch einer besonderen, ausdrücklichen Em - pfehlung wohl nicht.

Gewerbeblatt für das Großherzogtum Hessen.

Rätsel.

Nachdruck verboten.

Der Schüler trägt's mit ems'gern Fleiß, Dem Lehrer dient's zum Unterrichte. Im Zimmer steht's, der Hausfrau Preis, Es bietet köstliche Gerichte.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.:

Lust und Liebe machen jede Arbeit leicht.

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 93 der Familienblätter r

31 32 27

23 30 34

33 28 29

Es gingen insgesamt 22 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 5, Einsenderin: Frl. Irmgard Birnbaum, Gernsheim a. Rh.

Der Preis Rosen, Der Mönch von Sankt Blasien, geb. ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquitlung in der Geschäftsstelle derFamilienblätter" in Empfang zu nehmen.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brllhl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckcrci (Pietsch Erben) in Gießen.