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traumverloren dasaßen. Selbst Hanna hatte ihr Lachen verlernt, und unmöglich schien es, in Gunhildas Ohr leise Liebesworte zu flüstern. War es nur der unsichere Lichi- schrmmer, der sie mir jo seltsam verändert erscheinen ließ? Totenblaß, regungslos saß sie da, den Blick starr ?us dre funkelnde Brücke gerichtet, die sich! der Mond unten rm Wasser baute. Einmal beugte sie sich so tief über den Rand, daß ich sie ängstlich zurückhielt.
Zum erstenmal während der langen Stunden redete air." ®xe nichts! Ich bin keine Nixe, die
nachdem fte Unheil über alle, die sie liebten, gebracht hat, wieder rn den Wellen verschwindet. Ich bin nur ein armes Menschenkind, welches selbst am schwersten die Last semer Schuld trägt und sinnt und sinnt, wie begangenes Unrecht gesühnt werden könne." B
Ich erschrak, mehr noch über den tieftraurigen Klang der Stimme den düsteren Ausdruck ihres Gesichts als über dre Worte selbst.
„Sobald idE). mit Ihrem Pflegvater gesprochen habe, verlassen wir die Insel", sagte ich unbeholfen, und versuchte, ihre Hand verstohlen zu drücken.
Mit einer Bewegung unaussprechlichen Widerwillens machte sie sich frei und tauchte die schmalen Hände nnans- gesetzt in die Flut, als ruhe darauf ein Fleck, den alle Wasser
^?tt.wicht rein waschen könnten. Tann benetzte sie sich bas Gesicht, Hals und Arme, hüllte sich! fest in ihr Tuch
saß unbeweglich da, finster und bleich wie eine Statue dev Schicksals, gegenwärtig und doch wie durch eine unübersteigbare Mauer von mir getrennt.
-. E5E Vranm, den 'ich in der ersten Nacht meines Hierseins gehabt hatte, fiel mir ein, und ich fühlte mein Herz m Eiseskälte erstarren. Jetzt begriff ich die seltsamen Ewpfrwdungen, die sie allen Leuten einflößte. Lag nicht E1 Wahrheit etwas Nixenhaftes in ihrem ganzen Wesen? Bald berückend, sanft und liebenswürdig, bald kühl und unnahbar, hatte sie mich vielleicht nur angezogen, um imcti' wieder svrtzustoßen. Tas Ideal eines Weibes hatte
Vr-"T$E". erblickt —■ und sie war doch nur eine herzlose Gefallsüchtige, die mit allen ihr Spiel trieb, die sich nicht willenlos ihrer Herrschaft beugten. Eine Beute der widerstrei- tendsten Gefühle, saß ich da, bald mich! selbst einen Thoren scheltend bald von Zorn erfüllt gegen das schöne Mädchen, das mich keines freundlichen Wortes würdigte, nachdem ich ihr mein Bestes zu eigen gegeben.
Endlich wurde umzukehren befohlen. Sigurd ruderte uK^vorbei in seinem Boot, und wieder folgten ihm bct^ Blicke. Begann ihr altes Interesse für ihn zu erwachen, wo er ihr stolz und ablehnend begegnete? War doch früher etwas zwischen den beiden vorgefallen, was man mir verheimlicht hatte?
f., "Komm, Hanna", unterbrach Gunhildas Stimme plötzlich das Schweigen. „Setze Dich hier zu mir. Du siehst müde aus, Kind." 1 n
„ J^wren wir denn alle unter dem Banne eines bösen Zaubers? Hannas Gesicht war blaß, und die Augen blickten mich emen Moment traurig und vorwurfsvoll an Dann legte fte leise ihr Köpfchen an die Schulter der Freundin und vermied es, mich anzusehen.
. "Gegensätze streifen einander", flüsterte der Doktor, neben dem ich Platz genommen hatte. „Wer vermöchte zu sagen, welcher von den beiden der Borzug gebührt?"
Ich stutzte; völlig neu war mir der Gedanke, es könne sich jemand mit der erhabenen Schönheit Gunhildas vergleichen — unb nun gar die kleine Hanna! Unerträglich war mir aber der Gedanke, dieser trockene Verstandesmensch tonne die Hand nach dem übermütigen Wildfang ausstrecken wollen. Sofort leitete ich das Gespräch auf die Reize und Vorzüge der Zwillinge, bis mich der erfahrene Weltmann kurz unterbrach. .
„Kennen wir", meinte er ruhig. „Dutzendkram! Zwar '"5., Zwecke , recht brauchbar - doch still, hier ist Nicht der ~rt, , eine so heikle Sache zu erörtern. Morgen werde ich mit dem Vater sprechen — der wird chvn wissen, welche am besten für mich paßt."
Reich mit Beute beladen kehrten wir heim. Wieder er- 'm Gßsaal des gastlichen Hauses ein reiches Mahl, doch letzt teilte auch die übrige Gesellschaft meine trübe Stimmung, und vergeblich versuchte es der Doktor von allen Vielleicht der einzige Unbefangene, Leben hinein-
lhren wiederholten Ruf sich näherte und dem Mädchen seinen Platz anwies. Seine Stimme klang kalt und schnei- als er mit einer nachlässigen Handbewegung auf die Ruderbank zeigte, wo ich dem Doktor und Hanna gegenüber saß. Sie zuckte zusammen und wich scheu zuruck, ra erhob ich mich rasch, sprang wieder ans Land a„ trug sie wie ein Kind auf meinen Armen hinunter. Wie hilfesuchend ruhten dabei ihre Blicke auf Sigurds '..tuttcr, doch diese wandte sich seufzend hinweg und redete leise und eifrig auf ihren Sohn ein.
il's Ganze hatte nur wenige Minuten gedauert — !oax rf -Cnt rUt?.' daß Gnnhilda es versucht hatte, mich fortzustoßen, daß sie sich verzweifelt von mir weggewandt hatte, nm bei Fremden Rettung zu suchen? Rettung! Fürchtete fte mich, sie, die keine Furcht kannte? Tann hatte ich wahrlich ein großes Unrecht gethan und viel gut zu machen. Ter jetzige Augenblick war aber so ungünstig wie möglich: alles schrie und fragte durcheinander, an ein Gespräch war nicht zu denken.
- rv'IE Flottille von Booten lag zusammen, und eIt !d^-er genug, Ordnung herzustellen. Hier war etwas vergessen, dort zankten fiel} die Fischer um den Vorrang. Sigurd ivurde von allen Seiten gerufen, und fern kleines Kanoe schien überall gegenwärtig. Wo die tiefe «tlinme erscholl, löste sich sofort die Verwirrung; ihm vertraute die Pastorin, und der eigensinnigste See- "hve Murren. Wie gebannt folgten ihm S'ldas Augen, und ich begriff zum erstenmal, daß er «E sI1‘ Mann Jet der auch einem Mädchen mehr als pÄjZ entfloßen konnte. Und doch, lieben konnte nm Gunhilda mcht — dazu war er zu urwüchsig, zu wenig von ihrer täglichen Umgebung verschchden. Vermochte er W m S-U0e bte[e§ Geistes zu folgen, und konnte sie
.^e zu ihrem Herren und Gebieter ausblicken? Vetn, ueni. Er mochte em ganzer Mann, ein echter Nach- der alten Wikinger sein, aber er war keine Per- sonlichkeit welche die Phantasie einer Gunhilda gefangen unrntp" sf°rnnte. überschätzte mich keineswegs; ich daß mm Sigurd in Kraft Und Gewandheit weit
Unb haß er mit seinem sprudelnden Froh- ;“ner kecken, entschlossenen Art in einem Augenblick ge- ü innen mochte, was ich nur langsam zu erreichen im stände war. Mein Vorteil war der, daß ich der Geliebten Mahnen eröffnet hatte und ihr auch zukünftig Ge- legenheit bieten konnte, ihren Wissensdurst, ihre Sehnsucht "aup?Tm 6nT ^-eIt hu stillen. Ob ich> auch, aus die S stände sein wurde, ihr diese Welt, wo sie als wrt Hetzen, fragte ich mich nicht. Erst
fort don hier, dachte ich, dann wird sich alles finden verließen^die^Roow Abfahrt. Langsam
S°ote de» Hafen und glitten leise durch die mW, welche ernst und still zwischen hohen Steifen der^Fluten nf? fetten sich in der schwarzen Fläche -, EE,uten und warfen ihren flackernden Schein auf die kraftlge.i Gestalten der Fischer, welche in dem unsicberen 9f°nn»r 0bwaltig wie Recken der Vorzeit erschienen" imiprpm1« Gurken Lichte, näherten die Fische sich, bald ftn m r "ad mit gespannter Aufmerksamkeit blick- len tvii hinunter in bie Tiefe >
her Unvorsichtigen mit seinem Stifter*) Ein kurzer^kräf Mfc WL M K4 w»rd- triumphierend s kurzer Entfernung folgten uns die anderen Böote das Perlen des Wassers, wenn das Lyster sein Opfer erreichte, unterbrach die lautlose Stille gange Gegend in ihrem magischen Banne gefangen hielt v-n bem roten Lichtglanz nahmen die im tiefen Schatten ruhenden Bäume und Felsen der Ufer, nn benen Sna
SÄÄ* |ci"‘ d-n
zauberhaft schön war das Ganze, daß wir alle zuerst in Swwiw„^0Eukümliche Fischgerät, dessen man sich auch leiste^lna" a^i^i"knGchem Zwecke unter dem Namen '' ' . 6 bebient, bejtefyt aus einem eifeinen an einem fangen Schafte beieftiat mit q I r mnte' Zähnen, die mit Widerhaken versehen sinch B Ian96n


