Ausgabe 
11.6.1901
 
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es sich wieder gut machen wenn Sie damit einverstanden sind, daß es geschehe."

Er stand jetzt hart an Ihrer Seite, und Hanna wich nicht zurück, als er sein Gesicht dem ihrigen ganz nabe brachte, um ihr zuzuflüstern:

Darf ich! mich! denn damit einverstanden erklären? Auch chenn ich für meine eigene Person die Folgen nicht fürchtete, darf ich um meines Vorteils willen Dich einer Gefahr aussetzen, Hanna?"

Ihre Wangen röteten sich ein wenig, als sie den warmen Hauch seines Atems an ihrer Schläfe fühlte, aber ihre klaren Augen hielten seinen brennenden Blicken ruhia Stand.

Es ist keine Gefahr dabei, für Sie so wenig als für mich. Ich! kann das Blatt verschwinden lassen, ohne daß auch! nur der Schatten eines Verdachts auf mich fällt. Man wird überhaupt nicht an eine Entwendung, sondern an einen unerklärlichen Zufall glauben. Und selbst wenn ich .mW darin täuschen sollte, wird niemand auf der ganzen Welt so sicher vor jedem Argwohn sein, als ge­rade ich!."

(Fortsetzung folgt.)

Katechismus der Chemie.

von Dr. Heinrich Hirzel. Achte, vermehrte und ver­besserte Auflage. Mit 32 Abbildungen. In Originalleinen-

Land 5 Mark. Verlag von I, I. Weber in Leipzig.

Tie großartige Entfaltung der chemischen Industrie rn Deutschland, ebenso wie die Ausgestaltung des chemi­schen Unterrichts in unserem Vaterlande wird selbst von den nichtdeutschen Nationen willig anerkannt. Wenn aber dieser hohe Rang auf die Dauer behauptet werden soll, so müssen dre Errungenschaften der Forscynng Gemeingut sehr großer Kreise des deutschen Volkes werden; denn welcher Zweig der Industrie und des Gewerbes ist von den außerodent- llchen Fortschritten der Chemie wohl völlig unberührt ge- blreben? Wer immer Veranlassung hat, sich mit dem qeqen- wartrgen Stande dieser Wissenschaft in kürzerer Frist ver­traut zu machen, sei auf den vorliegenden Katechismus verwiesen, den der Leipziger Universitätspvofessor Dr. Hernrrch Hirzel soeben in achter, vermehrter und ver­besserter Auflage herausgegeben hat. Der 28 Bogen starke Band hat vor allem den gewichtigeil Vorzug, gleichzeitig die anorganische und die organische Chemie zu umfassen. Em sehr eingehendes Register gestattet, das außerordent­lich klar geschriebene und sehr übersichtlich angeordnete Buch auch als Nachschlagewerk zu verwenden.

Gemernnütziges.

Frisches Brot. In vielen Familien herrscht noch immer die gesundheitswidrige Sitte, frisch gebackenes Brot auf den Tisch zu bringen. Ganz abgesehen davon, daß solches Brot im Handumdrehen Verschnitten und verzehrt ist zumal da, wo Kinder mitessen kann nicht genug darauf aufmerksam gemacht werden, daß es sich infolge seines weichen, klebrigen Zustandes durch das Kauen nicht

genügend zerkleinern läßt, sondern zusammenballt und für den Magen einen unverdaulichen Ballast bildet. Für skrophulöse Kinder ist frisches Brot geradezu Gift.

Aeld und Karten.

Ein praktischer Unkraut Vertilger. Das Unkraut ist des Gartenfreundes Last und Aerger. Wäre das Unkraut nicht, der Garten würde ein noch viel ange­nehmerer Aufenthaltsort sein. Ganz besonders ärgerlich ist das Unkraut in den Wegen. Es muß immer gejätet werden, viel Zeit und viel Arbeit geht damit verloren, und die Arbeit ist unbequem dazu. Ein praktisches Gerät zum Wegereinigen finden wir in Nr. 9 desErfurter Führers im Gartenbau" abgebildet. Es ist dies ein kleiner Schaufel­pflug, den man sich nach der Abbildung event. selbst zimmern kann. Dieser Wegereiniger ist in langjähriger Praxis erprobt und hat sich stets äußerst brauchbar er­wiesen. Wer sich selbst solch einen Wegereiniger anfertigen will, kann sich mittels Postkarte Nr. 9 desErfurter Führers" aus Erfurt kommen lassen, da sie unseren Abou- nanten kostenfrei zugeschickt wird.

Wer ein Gärtchen vor seinem Fenster haben möchte, wird gebeten, sich einzuschreiben". Mit diesen Worten, die unter dem Bilde eines Fenstergartens standen, welches an der Volksuniversität in Paris angeschlagen war, lud Frau Chamalet das Publikum ein, von ihrem Angebot Gebrauch zu machen. Frau Chamalet, durch verschiedene menschenfreundliche Handlungen weit bekannt, hat den Zweck vor Augen, armen Leuten durch blühende Pflanzen eine Freude zu bereiten, sie durch die Pflege derselben! zur Geduld zu leiten und mit wenig Mitteln zur Behaglich- machung des Heimes beizutragen. Eine Schar von Mädchen folgte dieser Einladung und erhielt Samen von verschie­denen Blumen nebst der entsprechenden Anweisung zu deren Pflege.

Blattläuse an Rosen und den zarten, krautartigen Trieben anderer Blumenpflanzen find nur dann zu ver­tilgen, wenn gleich im Anfänge gegen das Ungeziefer vor­gegangen wird. Abspritzen der befallenen Pflanzenteile mit einer Abkochung von Tabakblättern, Zigarrenstummeln, gewöhnlichem Rauchtabak ist das beste Mittel. r.

(Prakt. Wegw", Würzburg.)

Gleichklang.

Nachdruck verboten.

Thut dich's einmal das Gericht, Wirst du bald vernommen;

Thatest du's vor'm Schießen nicht, Wird kein Schuß dir frommen.

Mancher läßt's am Fensterlein Sich zum Schutze machen. Schließlich geht man oft hinein, Kauft sich viele Sachen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Im Weine ist Wahrheit.

Taktes und der Fürsorge sei, als eine Geldfrage und in der That hat man oft Gelegenheit zu beobachten, daß manche Damen im einfachsten Anzug vorilehmer aussehen, als andere, deren Toilette das dreifache kostet.

Worin besteht nun aber das Geheimnis jener stets vornehmen?

Vor allem kleide man sich stets der Gelegenheit ent­sprechend. So ist z. B. für die Bahnfahrt, sofern es sich! um eine größere Reise handelt, ein spezielles' Gewand er­forderlich; denn nichts sieht häßlicher aus, als ein durch das lange Sitzen im Abteil zerdrücktes, verstaubtes Kleid. Man glaube ja nicht, daß die Ausgabe für ein Reisekleid eine überflüssige sei; denn ein Kleid, was den Fährnissen einer langen Bahnfahrt mit Erfolg widersteht, ist auch im übrigen zu jeder Zeit gut zu gebrauchen. Aus diesem Grunde spare man auch nicht an diesem Kleide; denn

Wodmöericht üöer Aeisekkeider.

Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich.

Im Vorjahre waren während und nach der Reise- zert verschiedene nicht uninteressante Artikel in den Zeit- ltlt9en lesen, welche mit heißendem Spott das allzu praktische Reisekleid der deutschen Damen im allgemeinen, sowie ihren Anzug auf der Pariser Weltausstellung im be­sonderen geißelten. Ebenso interessante Entgegnungen widerlegten nun zwar die daselbst aufgestellten Behaupt­ungen, aber die Thatsache, daß man oft recht reizlofe Reise- anzuge speziell an deutschen Damen, bemerken kann, bleibt doch bestehen. Der Grund hierfür liegt wohl in der Spar- samiert an falscher Stelle einerseits, hauptsächlich aber im mangelnden Geschmack andererseits; denn wir geben gern ,reM welche behauptet, daß ein knappes Eletteugeld niemals eine Entschuldigung für einen ge- chmacklosen Anzug sei, da die Eleganz der Erscheinung vielmehr eine Frage des Geschmackes, der Sorgfalt, des