Aber sie unterbrach ihn mit einer ungeduldigen Handbewegung. v
„Wie können Sie mir Versprechungen machen, ehe Sie den Wert dessen kennen, was ich) Ihnen zu bieten habe. Sie scheinen noch immer zu glauben, daß es mir darum zu thun sei, galante Phrasen zu vernehmen. Aber ich wünsche durchaus lebhaft mit Ihnen zu sprechen. Je bestimmter wir uns zunächst aus das rein Geschäftliche beschränken, desto schneller werden wir zum Ziel gelangen."
Es mußte ihr trotz des geöffneten Fensters noch, immer sehr warm sein; denn sie schob den Schleier empor, durch dessen dichte Maschen er bis dahin eigentliche nur ihre Äugen hatte leuchten sehen, und er war auss neue betroffen von ihrer außerordentlichen Schönheit-,
„Es wird eine geschäftliche Verhandlung sein, bei der von vornherein aller Vorteil auf Ihrer Seite ist", sagte er, sie unverwandt ansehend. „Ich zweifle keinen Augenblick, daß ich den Kürzeren ziehen werde, aber ich werde auch die Niederlage noch als ein Glück empfinden."
„Sie wissen, daß die streitige Angelegenheit durch die Auffindung eines von Ihrem Vater geschriebenen Briefes in ein ganz neues Stadium getreten ist. Die Berechtigung des Restorpschen Anspruchs ist damit so gut wie erwiesen."
Er konnte seine Augen nicht von ihrem Gesicht los- Machen, und über dem Entzücken, in das ihr sinnbe- thörender Liebreiz ihn versetzte, hörte er kaum, was sie sprach«.
„Ja, allerdings", sagte er zerstreut, „es gewinnt den Anschein, daß: es so ist."
„Wenn Die es auf eine gerichtliche Entscheidung ankommen ließen, würden Sie den Prozeß ohne Zweifel verlieren."
Ter unangenehme Klang dieses Wortes ernüchterte ihn. Ein lebhaftes Mißtrauen hinsichtlich ihrer ihm bis jetzt noch völlig unverständlichen Absichten begann sich! in ihm zu regen.
„Tas ließe sich! immerhin abwarten. Vor allem müßte doch wohl die Echtheit des Briefes, der so merkwürdig spät zum Vorschein kommt, überzeugend nachgewiesen werden."
„Ta Sie ihn selbst in den Händen gehabt haben, wissen Sie sehr wohl, daß er echt ist. Ihre Gegner sind ohne weiteres bereit, ihn jeder Begutachtung durch Sach^- verständige unterwerfen zu lassen. Ich weiß ja nicht, welches Interesse Sie an einer Verschleppung der Entscheidung haben können, aber — —"
Jetzt war es der Assessor, der sie unterbrach. Einer plötzlichen Eingebung folgend, sagte er, indem er einen Schritt weiter auf sie zutrat:
„Ich habe gar kein Interesse daran, Fräulein Hanna, sondern ich! würde in dem Augenblick, w!o ich von der Gerechtigkeit des Restorpschen Anspruches vollkommen überzeugt wäre, auf jeden annehmbaren Vergleich eingehn. Aber es müßte eben ein annehmbarer Vergleich! sein das betone ich ausdrücklich. Wenn ich die Hälfte des Kaufpreises, der mir für das Salzbergener Terrain geboten worden ist, an die Restorpschen Erben abtreten sollte, so wäre ich! einfach ruiniert. Und einer solchen Forderung gegenüber würde ich! es denn doch lieber auf den Prozeß ankommen lassen."
„Aber man spricht doch davon, daß Ihnen vier Millionen gezahlt werden sollen."
„Mlerdiugs. Und Sie meinen, daß ich mit zweien davon recht zufrieden sein könnte, nicht wahr? Leider aber sind meine Verhältnisse nicht so glänzend, daß ich einen derartigen Ausfall ohne großen Kummer hinnehmen dürfte. Ich habe große Verpflichtungen zu erfüllen, die zum Teil noch von anderen, minder glücklichen Unternehmungen meines Vaters herstammen, zum Teil durch! meine eigene Lebenshaltung bedingt sind. Ich, habe mir da zum Beispiel vor kurzem einen Rennstall eingerichtet, der zwar später die aufgewendeten Kosten reichlich wieder einbringen wird, der aber zunächst mehr als eine halbe Million verschlungen hat. Dazu kommen der Bau meines Schlößchens in Wiesbaden und mancherlei große Ausgaben, die ich vielleicht um ein Beträchtliches eingeschränkt hätte, wenn, ich nicht nach Lage der Tinge vollauf berechtigt wäre, mit jenen vier Millionen fast wie mit einem schon in meinen Händen be
findlichen Kapital zu rechnen. Würden sie auf die Hälfte zusammenschrumpfen, so geriete ich' unfehlbar in sehr ernste Verlegenheiten; denn der größte Teil meines Vermögens besteht in unbeweglichem Besitz, der sich nicht von heute auf morgen zu Geld' machen läßt. Man kann einer Dame das alles nicht so mit wenig Worten erklären. Wer Sie dürfen mir glauben, Fräulein Hanna, daß es die reine SSßljrtjett ift/'
Ihre Augen waren größer geworden, als er seines Rennstalls und seines Wiesbadener Schlößchens Erwähnung gethan. In schnellen Atemzügen hob und senkte sich ihre
„Und weshalb gewähren Sie mir so offenherzig diesen Einblick in Ihre Verhältnisse? Weil Sie mich, für eine freiwillige oder bestellte Unterhändlerin Ihrer Gegner halten — nicht wahr?"
Er zuckte lächelnd mit den Achseln und schwieg. Hanna aber fuhr, ihn fest ansehend, mit gedämpfter Stimme fort:
„So lassen Sie mich Ihnen denn sagen, daß Sie im Irrtum sind. Nicht um mit Ihnen zu feilschen, bin ich gekommen, sondern um Ihnen die ganze Summe zu retten, wenn — wenn Sie es so wollen."
Er warf überrascht den Kopf zurück.
„Ist das Ihr Ernst, Fräulein Hanna? Und wodurch wollten Sie dies Wunder bewirken?"
„Ter einzige Beweis für die Restorpschen Ansprüche ist der Brief, den Ihr 'Vater an seinem Todestage schrieb. Ist Ihnen seit dem Augenblick, da Sie von seinem Vorhandensein erfuhren, noch niemals der Wunsch gekommen, daß ein glücklicher Zufall ihn wieder verschwinden lassen möchte, wie ein Unglücklicher ihn aus seiner Verborgenheü an das Licht gezogen?"
Ihre Blicke begegneten sich und Hubert' Wedeking hatte wie von einem grell aufzuckenden Blitzstrahl erhellt gesehen, was ihm bis dahin dunkel und unbegreiflich gewesen war. Nun wußte er, weshalb sie gekommen war und was sie ihm zu bieten hatte. Aber er glaubte auch: den Preis zu kennen, den sie dafür fordern würde, und diesen Preis konnte er nicht zahlen.
„Es ist möglich daß mir in meinem ersten Aerger dieser oder ein ähnlicher Wunsch gekommen ist", sagte er ausweichend. „Aber abgesehen davon, daß seine Erfüllung sehr wenig wahrscheinlich wäre, hätte ich durch ein Verschwinden jenes Dokumentes wohl noch nicht viel gewonnen. Man hat Abschriften von seinem Inhalt genommen, und es giebt ohne Zweifel Zeugen, die das Vorhandensein eines Originals zu diesen Kopien beeidigen könnten."
„Sein Vorhandensein — ja; doch nicht zugleich' seine Echtheit. Ein Schriftstück, das Ihnen und dem Gericht nicht mehr zur Prüfung vorgelegt iverden könnte, wäre so gut wie nie gewesen."
„Und morgen würde dann vielleicht ein anderes auftauchen, dessen Beweiskraft eine noch größere ist Wer weiß, welche geheimnisvollen Schätze sich! noch in dem Nachlasse dieses Dietrich von Restorp verbergen."
„Keine, die Ihnen gefährlich! werden könnten. Dafür vermag ich jede Bürgschaft zu übernehme«."
„Sie, Fräulein Hanna?" fragte er zweifelnd. Aber seine Züge nahmen einen gespannteren Ausdruck an, und der schwimmende Champagnerglanz verschwand aus seinen ernst und nachdenklich, blickenden Augen, als sie ihm in hastigen Worten sagte, daß sie es gewesen sei, die jenen Brief unter Dietrich! Restorps hinterlassenen Papieren g®* funden. Hatte er in ihrem halb angedeuteten Vorschläge bis dahin nur eine abenteuerliche Frauenzimmer-Idee gesehen, die keiner ernsthaften Beachtung wert sei, so begann er jetzt zu ahnen, daß sie nach! einem sehr wohlüberlegten und Aar vorgezeichneten Plane handle, den kennen zu lernen immerhin nützlich sein konnte.
„Das ganze Mißgeschick habe ich- also nur Ihnen zu danken?" sagte er jm Ton eines scherzenden Vorwurfs- „Wahrhaftig, der Zufall rüttelt uns Menschenkinder zuweilen doch auf eine recht wunderliche Art zusammen.
„Ja", bestätigte sie. „Nur daß wir ihn eben nM zum Herrn über uns und unser Schicksal werden laste dürfen. Was ich Ihnen zugefügt habe,, ohne zu wissen, oay Sie der Feind waren, den es zu besiegen galt, noch! idp.


