Ausgabe 
11.4.1901
 
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WonnersLag de« 11. April

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feinem Sohne den Strick gibt, muß nicht klagen, wenn ihm die Hände gebunden werden. (Volksmund.)

(Nachdruck verboten.)

Der Bauer vom Wald.

Novelle von An ton v. Per fall.

(Fortsetzung.)

Rosl kam. Sie hatte immer so etwas Scheues, Schuldbewußtes. DM sollte von heute an alles anders werden.

Jetzt gehst zum Grimm", befahl er in möglichst trockenem Tone, ohne sie nur anzuschauen.Er is grad in der Hütt'n. Er soll all's richt i mach'n, wäs i ihm auftra'n hab' für den heutig'n Tag. Er weiß scho nachher. Und dann no was. An neu'n Arbeit'r hat er ang'nommen heut' oder gestern, der von drunten komma is, den soll er 'rauf schick'n. Er soll glei mit Dir gehn. Wer schleun' Di, schleun' Di."

Rohl zögerte noch, sichtlich verlegen.

No, auf was wart'st denn no?" fragte Johannes. Er sah jetzt erst, daß Rosl im Sonntagsgewand steckte.

Rosl glättete ihre Schürze.I mein bloß der Herr Fritz hat ma auftrag'n, daß i 'hn abhol'n soll aus der Bahn. Er bringt so viel mit aus d' Stadt, glaub' i."

Johannes stieg die Zornesröte in das Gesicht.Der Herr Fritz hat Dir aber nix aufz'tragen, verstand'n? Sei Magd bist ja net, Rosl!" Er hob warnend den Finger. Rosl, i mein' alleweil, i mein' alleweil hast denn all's vergess'n? ,Net um all's in der Welt, net um alle Wälder!' Wia lang is denn her, daß d' so g'redt hast? Und jetzt langat so a armseligs Bürsch'l aus der Stadt? Ja, so seid's, so seid's! Das is die neue Zeit! Die große neue Zeit! Ah guat, hol ihn ab, den Fritz!"

Johannes zerrte an seinem Hemdkragen, als ginge ihnt die Luft aus. Da warf sich Rosl laut schluchzend an seine Brust.

Vater, i bin net so schlecht, g'w- net. Nix hab' i vergess'n, gar nix. Aber ganz verwirrt hat er mi g'macht, der Mensch, ganz verwirrt, daß i 'hm nachgeb'n muaß, wenn i 'hn glei net mag. A Krankheit is, die reinst' Krankheit, als wenn f was Gistig's ausg'schütt' hätt'n im Haus, das ein' den Kopf verwirrt. Und i werd' a nimm« g'sund da herob'n, g'wiß nimma. D'rum schick' mi fort, Vater, ganz fort! I bitt' Di selb'r drum."

Dem Bauern war sein Zorn über die Worte rasch verflogen. Er verstand sie nur zu Wohl.

Vorderhand schick' i Ti jetzt zum Grimm, nachh'r werd' ma schon seh'n. Geh nur, Rosl, geh nur. Es hat Eil', schau!"

Das Mädchen wischte sich die Thränen aus den Augen und ging. Johannes aber eilte in die Stube, holte sein Fernglas, und begab sich hinter das Haus; hier war keine Störung zu befürchten.

Er konnte alles übersehen. Eben verließ Ferl die Hütte. Der Alte blieb allein. Er schliff ein Beil am Wetzstein.

Jetzt trat die Rosl auf den Schlag. Ihr blauer Rock leuchtete in der grellen, sonnenbeschienenen Schlagfläche, und immer eiliger wurde ihr Gang, als ob eine Ahnung sie erfaßt hätte. Sie kam auf hundert Schritte am Ferl vorbei, der schon wieder rastlos die Axt schwang, ohne ihn sehen zu können, oder von ihm gesehen zu werden.

Johannes freute sich wie ein Kind darüber. Jetzt trat sie zu Grimm. Der Alte sah immer noch nicht auf vom Wetzstein.

Plötzlich, wohl auf einen Anruf Rosls, hob er jäh den Kopf. Rosl redete zu ihm. Da ließ der Alte das Beil aus der Hand fallen, wohl vor Ueberrafchung, und wandte sich völlig dem Mädchen zu. Dann wies er mit der Hand nach der Richtung, in welcher der Ferl arbeitete. Rosl sprach noch ein paar Worte, dann eilte sie nach der Richtung. Der Alte aber stieg auf einen Baumstumpf und sah ihr nach.

Ter Bauer sah deutlich, wie er lachte, und er selbst lachte im stillen mit.

Zwischen den Brombeerstauden leuchtete der blaue Rock Rosls. Der Ferl arbeitete fort, ohne aufzusehen. Plötzi- lich blendete ihn wohl etwas. Er setzte die Axt ab, hielt die Hand vor die Augen, und blickte nach der Richtung der Kommenden. Doch diese hatte sich im dichten Stauden­werk ganz verwirrt, und fand sich, nicht mehr zurecht.

Da warf der Ferl die Axt weg, ein lauter Ruf drang bis zu Johannes herauf. Der blaue Fleck brach durch die Stauden, der Ferl eilte ihm entgegen, schloß ihn in die Arme, die Stauden schlugen darüber zusammen.

Der Bauer war ganz bleich. Sv hatte er sich die Ent­wicklung doch nicht gedacht.

Ein sonderbarer Laut drang herauf. Der Grimm hatte ihn ausgestoßen. Wie ein blauer Vogel flog es auf in den Stauden, und der Alte hinkte mit seinem krummen Fuß auf das Paar zu, das sich fest umschlungen hielt.

Jetzt hielt es Johannes nicht mehr. Er glaubte es recht schlau gemacht zu haben, und betrog sich zuletzt um das Beste. Er lief jetzt die Anhöhe hinab. Vom Hose herab hörte er Herrn Fritz ganz erregt nach der Rosl rufen.Na, die wär' Dir aus d' Zähn'n g'räumt!" sprach er für sich.I möcht Dir's net rat'n."