Ausgabe 
10.12.1901
 
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Da ist Feder und Papier. Ich werde Dir das - Tele­gramm diktieren, das Du auf der Stelle an Felicia ab­schicken mußt."

Erstaunt und fragend blickte Herbert auf.

Ich wüßte nicht, was ich! ihr jetzt noch mitzuteilen hätte. Zwischen ihr und mir ist nach meiner Ansicht seit gestern alles zu Ende."

Ich aber sag,e Dir: es ist nicht zu Ende es darf nicht zu Ende sein! Du wirst ihr telegraphieren, daß Du ihre Bedingungen annimmst, und Du wirst Sorge tragen, daß sie binnen heute und einer Woche Deinen Namen führt."

Nein, Vater, das werde ich nicht. Und Du mußt ihren Brief sehr wenig aufmerksam gelesen haben, wenn Du mir derartiges ansinnen kannst."

Ich habe ihn Wort für Wort gelesen, und ich finde nicht, daß er irgend eine unerfüllbare Zumutung enthält. Schließ­lich handelt es sich doch! nur um die heimliche Trauung. Ist sie erst Dein Weib, so kannst Du in allem übrigen Deinen Willen zum Gesetz für sie machen, ohne Dich um die jetzt abgezwungenen Versprechungen zu kümmern."

Ich sollte sie also betrügen, indem ich ihr gelobe, was ich nicht erfüllen will oder kann? Nein, Vater, das ist nicht Dein Ernst. Und weil es so ganz und gar unmöglich, ist, was sie von mir fordert, halte ich es für das beste, aus klare und unzweideutige Weise ein Ende zu machen. Jede weitere Korrespondenz würde nur die zwecklose Verlängerung eines fast schon unerträglichen Zustandes bedeuten."

(Fortsetzung folgt.)

Ein Besuch bei Knecht Ruprecht.

Von Fred H o o d.

(Nachdruck verboten.)

Mit wahrem Vergnügen habe ich kürzlich ein Berliner Spielwarenhaus durchwandert, in welchem sowohl der kleinste und billigste, wie der größte und kostbarste Artikel der Spielwarenindustrie zu finden ist. Ganz nach! Wunsch und Vermögen kann man hier seine Wahl treffen. Ein hervorragender Zug dieses Unternehmens ist die muster- giltige Ordnung, welche jeder wahrnimmt, der diese weiten Räume durchwandert, sei es auch, daß er vom Keller be­ginnt und bis nach dem Dachgeschoß emporsteigt. Ord­nung, das ist ja das Wesentlichste in den großen Geschäfts­häusern im allgemeinen, und in einem Spielwarenhause noch im besonderen, wo sich viele tausend kleiner und kleinster Artikel auf Lager befinden und auf Verlangen ohne weiteres Suchen sofort zur Hand sein müssen. Beim Durchwandern dieses Hauses finden wir überall etwas Neues, etwas Ueberraschendes.

Tn ist zunächst das Reich der Zinnsoldaten Welch' eine gewaltige Armee! Alle Truppengattungen sind ver­treten. Das ist ein wahres Eldorado für Knaben, welche in diesem Zeitalter des bewaffneten Friedens von großen Schlachten träumen, und wenigstens in der Kinder­stube die Rolle eines Alexander, Cäsar oder Moltke spielen möchten. Im übrigen finden wir hier alles, was irgend zur Staffage eines Schlachtfeldes gehört; denn darüber ist man in unserer Zeit vorgeschrittener Technik schon hinweg, daß sich das Kind irgend etwas hinzu denken müßte. Unsere. Spielwarenfabrikanten sind gründlich geworden, und das Spielzeug bildet eine getreue Nachbildung aller Erzeug­nisse des wahren Lebens.

Tas zeigt uns auch der nächste Raum, welcher den bekannten Anker-Steinbaukasten eingeräumt ist. Diese Bau­kästen sind nicht mehr ein bloßes Spielzeug. Man kann mit ihnen kunstgerecht bauen lernen, und was für Bau­werke in diesem Material ausgesührt werden können, das zeigen uns mehr als 200 fertige Gebäude, Brücken usw., welche in dem Spielwarenhaus fertig zur Besichtigung stehen. Die nächste Gruppe bilden die Gesellschaftsspiel« und die Bilderbücher, und hier finden, wir wieder die ein­fachsten Artikel wie die kostbarsten Werke dieser Art.

Steigen wir nun zum ersten Stockwerk empor, so ge­langen wir zunächst in einen Raum, der von den soge­nanntenFahrsachen" beherrscht wird; es sind Wagen, Pferde und Ställe jeder möglichen Art. Das plumpe Acker­pferd und der stolze Renner sind gleich liebevoll behan­delt, und ebenso finden wir auch die rohen Stallungen des simplen Bauernhauses wie die vollkommensten Nachf- bildungen der kostbarsten Prunkställe. Tann folgt noch

einmal das liebe schneidige Militär; da sind die Festungen, die Solvaren-Ausrüstungen alles Erdenkliche vom ein­fachsten Säbel bis zur vollständigen Galauniform. Ich glaube kaum, daß selbst ein General hier eine Lücke ent­decken würde. Ta finden wir alle Instrumente: Trom­peten, Geigen, Guitarren, Glockenspiele, Leierkästen, Pianos, Harfen usw., aber auch die Genre-Figuren mit Musik, be­weglich und unbeweglich, wie es nur immer dein Herz begehrt.

Ich hatte schon oben die Gesellschaftsspiele erwähnt; jetzt kommen wir zu den eigentlichen Kinderspielen. Ta sind die mannigfachen Kegelspiele, darunter solche von origineller Aussührnng, bei denen die Kegel in Gestalt von Vögeln in einem Bauer sitzen öder in Gestalt von Puppen auf einem Marionetten-Theater. Ta sind ferner die mannig­fachen Kaufläden, Schlächtereien, Mehlstände, Marktbuden usw. Es ist unmöglich, alles anzuführen; denn es ist eben alles vorhanden, was das Leben bietet. In der That, Knecht Ruprecht, unerschöpflich ist dein Füllhorn!

Tann wieder befinden wir uns in einem Raum, welchen ich! als das zoologische Museum bezeichnen möchte. Ta sind Tiere jeder Art, solche in billiger Ausführung, bei denen die Nachbildung des Lebewesens nur eine unvoll- kommene ist, und andere, welche in höchster Vollkommen­heit ein Abbild der dargestellten Geschöpfe geben. Hier sehen wir manche Kuh, manches Reh, die nicht nur be­wundernswert geformt sind, sondern auch bis auf das sammetartige Fell, dem natürlichen Vorbild genau ent­sprechen. Sehr mannigfach ist die Ausführung; denn es giebt hier Tiere aus Fell, Leder mit Eisengestellen, Holz, Tuch usiv.

Tann folgen Waschgarnituren, eiserne Puppen-Betten, Küchen-Einrichtnngen und Kochmaschinen, auf denen die Kinder wirkliche Speisen bereiten können. Sie sind für Spiritus- oder Gasheizung eingerichtet und mit den neuesten Sicherheits-Vorrichtungen ausgestattet.

Und nun das unerschöpfliche Gebiet der Puppenstuben, Puppenmöbel und des Puppenporzellans. Früher konnte man nicht zur Ausstattung einer Puppenstube oder einer Puppenküche jeden beliebigen Gegenstand verlangen. Heute aber kannst du nicht nur vollständige Wohnungseinricht­ungen für Puppen kaufen, sondern auch jeden beliebigen Artikel, um diese Wohnung zu vervollständigen und zu schmücken: Nippes und Tafelaufsätze, Ofenvorsetzer, Vasen, Lampen, Uhren, Obstschalen, Theeservice, Kleider- und Stiefelbürsten--alles, alles kannst du haben, selbst die

Tinge, an welche du nicht einmal denken würdest, wenn du sie nicht zu sehen bekämst.

Und dann giebt es noch allerlei andere Sachen; denn es müssen immer Tinge vorhanden sein, mit denen man den Käufer überraschen kann. Ta giebt es j. B. Schul­mappen, welche eine vollständige Puppenausitattung ent­halten; ferner Nähkästen, in welchen die Kinder alles, finden, um ihren Puppen selbst Kleider schneidern zu können, und wieder Putzkästen zum Garnieren der eleganten Pupp.cn- hüte, für die vornehmen Tarnen der Puppenwelt. Und nun kommen wir auch zu den angekleideten Pupperi, von denen einige nicht mehr wie 50 Pfg. kosten, andere nicht für 30 Mk. zu haben sind. Man wird sich vorstellen können, daß die letzteren von geradezu verführerischer Schönheit sind, daß sie als Kunstwerke ersten Ranges betrachtet wer­den müssen und daß ihre Garderoben, bis auf die Unter­kleider, vor den kritischen Augen der elegantesten Pariser Modedamen bestehen können. Auch die Spielwaren-Jn- dustrie ist einem ständigen Modewechsel unterworfen, aber etwas ist dauernd und unvergänglich geblieben und wird auch unvergänglich bleiben die Liebe der kleinen Mädchen zu ihren Puppen.

Und nun steigen wir noch ein Stockwerk hoher, ^a sind die Sportwagen, die Puppenwagen, die Schlitten und Dreiräder in ungezählten Mustern; da sind die Turn- und Echaukelgeräte, die Billards, Schicßstünde, die mechanischen Blechgegenstände aller Art, und vor allen Tiingen die Auto­mobile, - bie heute eine so große Rolle spielen; ferner Schaukeln und Rutschbahnen, letztere für Puppen tote für Kinder bis zu 9 Meter Länge. Tann folgen Dampf­maschinen und Maschinen-Modelle. Es giebt sehr kost­spielige Gegenstände hier, welche dem Erfindungsgeiste großer Physiker ihre Entstehung verdanken. Ta sind auch Krcegs- schiffe, Torpedoboote, Unterseeboote aus Holz und Blech, von denen einige einen Kostenaufwand von 90 Mark ver-