Ausgabe 
10.10.1901
 
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Zeugen unterschrieben worden. Uebrigens befindet sich auch! ein Rittmeister a. D. Meyering unter den Zeugen, der, wie ich höre, ja noch in der Familie des Verstorbenen verkehrt. Er war ein Freund des Verstorbenen und suchte ihn zu entlasten. Von ihm werden Sie ja die näheren Umstände erfahren können."

Also das war das Skelett im Hause Weserling! Und der Rittmeister wußte davon und sagte ihm nichts? Auch die Majorin mußte davon wissen! Man hatte ihn mithin wissentlich getäuscht und Irma! Täuschte sie ihn auch? Wußte sie ebenfalls von dieser traurigen Geschichte? Zorn und Zweifel an der Aufrichtigkeit Irmas erfaßten ihn. Wenn auch Irma ihn getäuscht, dann gab es für ihn nur einen Weg die Verlobung aufheben! Aber, und es überrieselte ihn eiskalt war er denn noch im stände, zurückzutreten? Hatte die Majorin ihn nicht mit goldenen Fesseln an sich gekettet? : Er war verloren ruiniert, wenn er sich zurückzog!

Tiefe Gedanken durchkreuzten mit Blitzesschnelle seine Seele. Ter Oberst sah ihn mit seinen klaren, scharfen Augen aufmerksam an, er mochte wohl die Gedanken seines jungen Kameraden erraten. Langsam sagte er:Sie sehen da einmal wieder ein Beispiel der verderblichen Wirkung des Hazardspiels, vor dem ich meine Offiziere ja schon oft eindringlich gewarnt habe.' Man bringt sich dadurch in Abhängigkeit von Leuten, mit denen man überhaupt als Offizier nicht verkehren sollte. Ich weiß, daß auch Sie viel tu, Sportkreisen verkehren. Sie haben sich wieder einige Rennpferde angeschafft, nun. Sie sind ja ein vorzüglicher Reiter, und ich verdenke Ihnen die Teilnahme an den Rennen nicht aber seien Sie vorsichtig. Der grüne Rasen ist in mancher Hinsicht ein sehr schlüpfriger Boden. Doch nun sagen Sie offen halten Sie es nicht auch für das beste. Sie lassen sich in ein anderes Regiment ver­setzen?"

Ich weiß denn doch nicht, Herr Oberst, ob der Fehl­tritt des verstorbenen Vaters meiner Braut ein Hindernis bildet, meine Braut und Gattin in der Gesellschaft zu emfangen."

An sich wohl nicht sonst würden Sie die Kon­zession zur Heirat nicht erhalten. Aber Sie kennen ja selbst die hresrgen Verhältnisse so etwas spricht sich herunr mau spricht jetzt schon davon ich möchte Sie und Ihre Fräulein Braut vor unangenehmen und peinlichen Situa- twneii bewahren, tyn Köln, in Bonn oder Königsberg oder Breslau wird man Sie mit offenen Armen empfangen, und ich glaube Ihnen versprechen zu können, daß inan Sie in ein gutes Regiment versetzt."

Und wenn ich dennoch bitte, von der Versetzung Ab­stand zu nehmen . . ."

Der Oberst erhob sich. Er war jetzt wieder ganz der Vorgesetzte des jungen Offiziers.

Ihre Bitte würde nicht berücksichtigt werden können, Herr Leutnant", sagte er kalt Und scharf.

Auch Eitel Fritz hatte sich erhoben. Der Zorn über­mannte ihn. Er empfand diese Versetzung als eine Schmach, als eine Beleidigung, er richtete sich stsraff empor imb ent­gegnete mit grollender Stimme:

So bleibt mir nichts übrig, als meinen Abschied ein- zurerchen."

Tas ist Ihnen unbenommen. An diese Lösung habe rch auch gedacht, glaubte sie Ihnen aber nicht Vorschlägen zu sollen, da rch Sie als tüchtigen Offizier schätze, den ich gern dem Dienst seiner Majestät erhalten möchte. Sie sind jetzt erregt. Ueberlegen Sie sich meine Worte ich erwarte i ms morgen mittag Ihre Entschließungen. Ich danke, Herr Leutnant,"

®rte kurze förmliche Verbeugung, dann war Eitel Fritz entlassen.

Na, was wollte der Alte?" fragte der Adjutant im Vorzimmer.Nicht wahr, ein Kommando?"

freilich", lachte Eitel Fritz bitter.Ein Kvmmando zur Reserve. . ." und er eilte fort, ohne sich weiter um den Achutanten zu bekümmern.

Dieser blickte ihm schlau lächelnd nach und pfiff leise durch die Zähne.Mit einer Millionenbraut läßt sich das Kommando zur Reserve schon ertragen", dachte er und begab srch nnt seinen Rapporten zur Unterschrift in das Zimmer desj Kommandeurs!..

(Fortsetzung folgt.)

Verstand bei Tieren.

(Nachdruck verboten.)

Von jeher ist es eine viel bestrittene Frage gewesen, ob die Tiere eine Seele besitzen. Niemand aber hat je sich der Thatsache verschlossen, daß der hohe Grad des Ver­standes bei einigen Tieren einer bedeutenden Entwickelung fähig sei.

Sir Walter Raleigh erzählt ausführlich von einem hoch entwickelten Pferde, dessen Fähigkeiten er selbst er­härten konnte. Dasselbe bäumte sich auf und wollte schlagen und beißen, wenn der Name des Königs von Spanien erwähnt wurde. Wenn sein Herr zu ihm sagte, er wolle es als Wagenpferd verkaufen, so legte es sich erschreckt nieder, und fiel wie tot zu Boden. Hätte sein Herr in alten Zeiten gelebt, sagt Raleigh, so würde er alle Zauberer der Welt beschämt haben, die niemals so wie er ein Tier meistern und anlernen konnten. In der Rechenkunst leistete dieses Pferd großartiges, und Shakespeare bezieht sich zweifelsohne inVerlorene Liebes­müh" darauf, wenn er Moth, der Armade mit mathemati­schen Fragen verwirrt, höhnisch sagen läßt:Tas tanzende Pferd wird es Dir erklären."

Ein Liebling Buffons, des großen Naturforschers, war ein Wiesel. In einem Briefe beschreibt er dessen köstliche Späße:Sobald ich am Morgen erwache, liebkost mich das kleine Wesen, spielt wie ein kleiner Hund mit meinen Fingern, und setzt sich mir auf den Kopf und die Schul­tern. Wenn ich drei Fuß entfernt ihm die Hand hinstrecke, springt es ohne je zu fehlen, hinein. Und während es spielt, dreht es sich immer um, um zu sehen, ob ich auch zuschaue. Wird ihm keine Aufmerksamkeit zu teil, so stellt es sein Spiel sofort ein und fängt an zu schlafen.

Ter Dichter Cowper war ein leidenschaftlicher Tier­freund. Einst war er glücklicher Besitzer von fünf Ka­ninchen, drei Hasen, zwei Meerschweinchen, einem Eich>- hörnchen, einer Elster, einer Dohle, einem Star, außer­dem von zwei Dompfaffen, zwei Kanarienvögeln und zwei Hunden. Einen Liebliugshasen brachte der Dichter nach dem Frühstück hinaus in den Garten:dachte ich einmal nicht daran", so erzählt er,so begann er mit seinen Pfoten auf meinen Knieen zu trommeln, und nahm ein Gesicht an, das nicht mißzuverstehen war. Half das noch nicht, so erfaßte er mit den Zähnen einen meiner Rock­zipfel, und zog mit aller Macht an demselben."

Es kann kaum bezweifelt werden, daß die Tiere die Sprache verstehen. Es wird von dem Hunde eines Hirten erzählt, daß er, da er vernahm, wie sein Herr seiner Frau klagte, er sei zu krank, um seine Herde nach Hause holen zu können, die Hütte verlassen, und zur rechten Zeit die Herde nach Hause getrieben habe.

Wenn ein Herr mit seinem Hunde in ein fremdes Land reist, dessen Sprache für ihn noch unbekannt ist, (o. lernt der Hund die Sprache immer zuerst verstehen. Diese Beobachtung hat man schon häufig gemacht. Ganz kürzlich wurde twdj. diese Beobachtung an einem Schoßt Hunde gemacht, der von Frankreich nach England gebracht worden war, und dort bei einer Familie lebte. Zunächst bezeugte er eine Art Bestürzung beim Klange der fremden Laute, bald jedoch vermochte er nicht nur den Ton der Stimmen zu unterscheiden, sondern oudj, die Worte selbst.

Leibnitz erzählt von einem Hunde, der einem sächsi­sch«: Bauern gehörte, daß er von dem Sohne seines Herrn sprechen gelernt habe. Er soll etwa dreißig Worte haben aussprechen können. Noch erstaunlicher ist die Erzählung Lord Aveburys. Er befaßte sich viel mit der Erziehung von Hunden und behauptete, daß mau einem Hunde viele einfache Worte wohl einer jeden Sprache beibringen könne. Es soll ihm sogar gelungen sein, «nein kleinen schwarzen Pudel etwas Lesen beizubringen. Er malte auf Pappkärten Worte wie: Knochen, hinaus, Nahrung, und lehrte dem Hunde allmählich- das Wort mit den: Gegenstände selbst zu verbinden, und auf Wunsch eine bestimmte Karte aus­zusuchen.

. Hier hat sich auch eine bemerkenswerte Thatsache herausgestellt .nämlich, daß! die Klugheit eines Hundes sich auf die gleiche Ursache stützt, wie die des Menschen das ist: Sammlung beim Lernen. Wird die Aufmerk- samkeit des Tieres beim Lernen durch Nebensächlichkeit! abgezogen, so kommt er nicht wett. Wo aber ein fester!! Wille zur Aufmerksamkeit vorhanden ist, lassen sich nicht