Donnerstag den 10, Dlrtober.
M
m
1901. — Nr. 141.
M
*
A,
!S
- i F-,
[I
i f
(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Mer wie ein Verbrecher stets wieder zu dem Ort seiner That zurückzükehren pflegt, so zog es ihn mit magnetischer Gewalt zum Gutshof. Zweimal ging er unentschlossen an dem Thor desselben vorbei. Tann trat er entschlossen ein — es mußte ja doch eine Aussprache statt- sinden — je eher, desto besser. Er fragte einen Knecht, ob der Inspektor zu Hause sei.
„Herr Inspektor ist in das Dorf gegangen", entgegnete der Knecht. „Soll ich ihn rufen, Herr Baron?"
„Nein — lassen Sie nur. .
Er trat in das einfache, bescheidene Inspektors! aus, das so freundlich unb schmuck zwischen den Obstbäumen des Gartens dalag. Tas Dienstmädchen kam ihm eilig entgegen. „Herr Baron wünschen?"
„Ist Fräulein Breymann zu Hause?"
„Ja, freilich- — hier in der Stube —" und das Mädchen öffnete die Thür des nach dem Garten hinausliegendeu Wohnzimmers und rief hinein: „Fräulein, der Herr Baron wünscht Sie zu sprechen..."
Ein leichter Ausruf der Neberraschung — im nächsten Augenblick stand Eitel Fritz vor Else, die geisterbleich, bebend an allen Gliedern, sich fest auf den Tisch stützte, um sich aufrecht zu halten.
Als Eitel Fritz in ihre Augen, in ihr blasses Gesicht blickte, wußte er, daß sie alles ahnte. Ein tiefes Mitleid überkam ihn, ein Zorn gegen sich selbst, doch dann gewann der Trotz wieder die Oberhand, und mit rauher, halb erstickter Stimme sagte er: „Ich wollte eigentlich Ihren Vater sprechen, doch kann ich auch Ihnen sagen, daß ich morgen früh nach, Berlin zurückreise — wollen Sie Ihrem Vater . bestellen, daß er mich schriftlich über alle Angelegenheiten benachrichtigen möge?"
„Ich werde es bestellen . . ." entgegnete sie tonlos.
„Ich werde wohl Jahr und Tag fortbleiben, Else, und wollte doch nicht fortgehen, ohne Ihnen Lebewohl gesagt AU haben..."
Er trat näher an sie heran, sie machte eine stolz abwehrende Bewegung und wich, etwas zurück-
„Fräulein Else — wollen Sie mir verzeihen, wenn — wenn ich nicht so handeln kann, wie mein Herz mir ge
EÄ ab, was bcin Äug' an andern sab, Wird andern nicht an dir entgeh'»; !Jy*w Wir steh'n nns selber viel zu nah, Um unsre Fehler selbst zu seh'n.
bieten würde. . . wollen Sie vergessen, daß ich Jhlien weh gethan habe. . ."
Er streckte ihr die Hand entgegen, sie schien es nicht zu bemerken, schlaff hingen ihre Hände herab.
„Wozu diese Worte, Herr von Petershagen?" sagte sie stolz. „Ich sagte Ihnen schon früher, daß Sie völlig freier! Herr Ihrer Handlungen bleiben sollten — ich —. ich mache Ihnen keinen Vorwurf."
„Else — lassen Sie uns in Frieden scheidens bat er. . .
„Mögen Sie den Frieden finden auf dem Wege, den Sie gewählt haben — das ist mein Wunsch. Und nun, Herr von Petershagen, haben wir uns wohl nichts mehr zu sageu. . ."
Stolz und unnahbar stand sie vor ihm, nicht mehr das bangende, schlichte, einfache Mädchen, sondern ein stolzes, durch Schmerz :md Leid geklärtes Frauenbild. Unwillkürlich beugte Eitel Fritz sein Haupt.
„Loben Sie wohl, Else . . ." sprach er leise.
Sie erwiderte nichts, sah auch nicht, daß er ihr die Hand nochmals entgegenstreckte — da seufzte er leicht auf, wandte sich um, und verließe das Zimmer, das er so stolz und trotzig betreten, still und demütig.
Als "sich die Thür hinter ihm geschlossen, da sank Else in sich! zusammen und barg weinend das Antlitz in den Händen.
So fand sie der heimkehrende Vater; erschreckt legte er den Arm um sie. „War Eitel Fritz hier?" fragte er.
Sie nickte unter Thränen.
„Und hat er Dir alles gesagt. . • mein armes Mädchen . .
Ta richtete sie sich empor und trocknete ihre Thränen. „Vergieb, Vater", sprach- sie mit fester Stimme, ,daß ich schwach wurde. — Es wird niemals wieder geschehen — . aber eine Bitte habe ich."
„Welche, mein Kind?"
„Laß uns fort von hier . . ."
„Ich habe schon den Kündigungsbrief an den Baron geschrieben. ■— Es bietet sich, wie Tu weißt, die Gelegenheit, das kleine Gut. Jägerhof zu pachten — ich würde es gern in Pacht nehmen. Es grenzt freilich unmittelbar an Petershagen..." .
„Das schadet nichts, Vater. Dann bleiben wer doch in der Heimat." .
Ruhig und gefaßt ging sie an ihre Arbeit, und der alte .. Inspektor versiegelte und adressierte den Kündigungsbrief den er noch an demselben Abend an Eitel Fritz sandte,
XL
Die Verlobung des Freiherrn Eitel Fritz von Peters- Hagen mit Fräulein Irma Weserling, Tochter des verstorbenen Majors- a. D. Weserling und seiner Gattin, Elisa, beth, geb. Vetterlein, stand, in der Kreuzzeitung und wurde in den Blättern unter der Rubrik „Aus der Gesellschaft


