Lonntag den 10 Februar
K
1901. — Nr. 21.
tSs'.SXc’^'
MLÄWW KZn^EM
MÜ8W
AMLkZMk
erz, mein Herz, nicht in die Weite, In der Nähe wohnt das Glück! Glaube, liebe, hoffe, Jeibe
Und kehr' in dich selbst zurück.
Denn die Welt kann dir nicht bieten Das, wonach du heiß verlangst;
Denn die Welt hat keinen Frieden, Hat nur Streit und Not und Angst.
Ewig wechselnd ist ihr Streben,
Ewig wechselnd ist ihr Ziel, WaS ihr heute Rast gegeben, Morgen ist's der Winde Spiel. Drum, mein Herz, nicht in die Weite, In der Nähe such dein Glück!
Glaube, liebe, hoste, leide
Und kehr' in dich selbst zurück. Julius Sturm.
(Nachdruck verboten.)
Die Seekönigin.
Seeroman von Clark Russe l.
(Fortsetzung.)
Sechzehntes Kapitel.
Im Atlantischen Ozean.
Als ich am nächsten Morgen an Deck kam, wehte mir ein sanfter milder Westwind entgegen. Der Morgensonnenschein bestrahlte Deal und das dahinter liegende, grüne Land mit seinem vollen Glanze. Die nach Norden und -Osten bestimmten Schiffe hatten schon vor Tagesanbruch die Anker gelichtet, und ihre Reife fortgesetzt. Nur etwa ein Dutzend Fahrzeuge, darunter die „Aurora", der dieser Wind nichts nützen konnte, war zurückgeblieben.
Richard, der unsere Kammer schon lange, ehe ich erwachte, verlassen hatte, befand sich an Deck und beobachtete die Leute beim Deckwaschen.
Er erriet augenscheinlich meine Gedanken; denn saft seine ersten Worte waren: „Wenn ein Frauenzimmer sich aus etwas versetzt, bekommt es auch gewöhnlich seinen Willen. Ich glaube. Du hast Dir dieses Wetter bestellt, Jeß. Nun ist es wohl entschieden, daß wir nach dem Frühstück einen Abstecher an Land machen."
„Ja, mein Schatz", erklärte ich sehr liebenswürdig, „völlig entschieden. Ich will mir Deal ansehen."
„Na, es wird eine Abwechslung für Dich sein. Wir haben
noch ein großes Stück See vor uns, also geh' nur und sage dem Steward, er solle sich mit dem Frühstück beeilen, damit wir an Land kommen."
Ich ließ mir das nicht zweimal sagen.
„Steward", sagte ich, „bitte, machen Sie sofort das Frühstück fertig. Der Kapitän und ich wollen an Land."
„Sofort Frühstück!" rief der Steward und warf mir aus der kleinen Pantry, wo er damit beschäftigt war, Löffel ,ju putzen, einen sehr sauren Blick zu. „Ich! weiß gar nicht mal, ob der Koch! so früh schon Feuer in der Kombüse hat. Madam!"
„O ja, ich habe den Rauch! gesehen. Beeilen Sie sich soviel als möglich." Damit trat ich in unsere Kammer, um mich nicht in weitere Unterhandlungen einzulassen. Nach dem Eindruck, den Herr Heron, der Zimmermann und dieser .Steward, John Orange, auf mich machten, schien es fast, ;ol§ ob der, welcher die Mannschaft ausgesucht und geheuert hatte, daraus bedacht gewesen wäre, die mürrischsten und unangenehmsten Leute auszusuchen, die nur irgend aufgetrieben werden konnten.
Jch> kleidete mich schnell an. Als ich jedoch in die Kajüte trat, bemerkte ich, daß der Steward eben erst den Tisch deckte und zwar mit absichtlicher Langsamkeit. Diese Unverschämtheit ärgerte mich so, daß ich rief: „Wenn Sie sich nicht mehr beeilen, werde ich selber den Tisch decken, und wenn der Kapitän mich fragt, weshalb ich Ihre Arbeit verrichte, werde ich ihm den Grund mitteilen."
„Warum denn?" erwiderte er, „der Koch sagt, daß er noch gar kein warmes Wasser habe."
Da ich wußte, daß auch, die Leute in einigen Minuten Frühstück bekommen mußten, sah ich sofort, daß dies eine Lüge sei. Der Steward war eben schlecht gelaunt. Da ich annahm, daß ich hier ebenso gut Herrin wäre, wie in meinem eigenen Hause, so beschloß ich, diese Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, und begab mich sofort in die Kombüse.
Der Koch schien die Behauptung, daß er noch kein warmes Wasser habe, als einen Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit aufzufassen und meinte, wenn es nach ihm ginge, sollte der Steward zur Strafe für seine Lüge sich, in dem kochenden Wasser waschen.
Ich ging wieder nach! achtern und wurde unterwegs von der Mannschaft mit ziemlich bedenklichen Blicken gemustert. Auch Richard fragte mich überrascht, worüber ich mit dem Koch unterhandelt habe. Ich erklärte ihm die Angelegenheit und fügte hinzu, daß ich ihn nicht damit behelligen wollte, und daß ich den Steward als einen Diener betrachte, mit dem ich schon fertig werden würde.
„Du sollst auch mit ihm fertig werden, und er soll Deine Befehle respektieren. Erst nfill ich Dir aber mal zeigen, wie Du das anfangen mußt.


