20 —
Der Garten im Januar.
(Nachdruck verboten.)
Abwärts ging's bislang. Das Sonnenlicht wurde immer kürzer und schwächer, jetzt geht es wieder bergauf, es nimmt von Tag zu Tag die Menge des Lichtes zu, und wenn auch knarrender Frost die Pflanzen gefangen hält: wir wissen, es beginnt mit der steigenden Sonne zaghaft und leise zwar anfangs, aber doch sicher ein neues Leben.
Und wie es in der Natur beginnt sich langsam vorzu- bereiten auf den kommenden Frühling, so beginnen auch wir in dem Monat, der am schroffsten und härtesten jedem Pflanzenleben entgegenzutreten scheint, energischer zu planen und vorzubereiten. Wir stellen die Bepflanzungstabelle für unseren Garten zusammen. Wir sehen unseren Samen durch, wir prüfen ihn auf seine Keimfähigkeit, wir stellen Berechnungen an über das, was unser Garten uns im neuen Jahre kosten darf und das, was er einbrigen muß.
Aus Grund dieses Planens benutzen wir eventuell mildes Wetter zum Rigolen für Kulturen, die es notwendig haben: Spargel, Himbeeren rc. Wir decken noch zu rigolendes Land mit Mist zu, damit es nicht einfrieren soll. Wir bringen unsere Geräte in Ordnung, wir setzen das Ausästen zu dichter Obstkronen, das im vorigen Monat begann, fort. Wir fangen an, Edelreiser zu schneiden sür die dem- nächstige Veredelungszeit, düngen mit Kloake und flüssigem Tung auf den Schnee, setzen unsere Komposthaufen um und suchen durch das Abhauen der Heckenkirsche (Lonicera tatarica) der Kirschenmade Abbruch zu thun, durch das Verbannen des Wacholders (Juniperus) und anderer Juniperus-Arten aus der Nähe der Birnbäume den Gitterrost der Birnen unmöglich zu machen.
Hasen und Kaninchen sind unseren Obstbäumen so schädlich wie Kirschenmade und Birnenrost/ auch ihnen gilt unsere Abwehr.
Bei stärkerem Froste sind die Gemüseräume auf ihre Widerstandsfähigkeit zu untersuchen. In warmen Kellern werden Champignonbeete angelegt. Es beginnen die Vorbereitungen zur Anlage des ersten Mistbeetkastens, welcher zur Aussaat von Radies, Karotten und Salat benutzt werden soll. Wir fertigen Strohdecken, damit der Kasten den nötigen Schutz erhalten kann.
Fürs Zimmer hat uns das Weihnachtsfest herrliche Blumenspenden gebracht. Die blühenden Azaleen und Ka- rnellien, die blühenden Flieder, Maiblumen und Rosen, das was an Hyacinthen, Tulpen, Christrosen und anderen Sachen den Weihnachtstisch geschmückt hat, soll erhalten und gefördert werden. Da heißt es Vorsicht! Nicht zu warm und auch nicht zu kühl, 8 bis 12 Grad R., aber hell sollen alle diese Pflanzen stehen. Die Azaleen, die Kamellien und die Rosen sind öfters zu überbrausen, alle Pflanzen verhältnismäßig stark zu gießen, weil die trockene Zimmerluft den Blättern viel Feuchtigkeit entzieht. Alle Zwiebelgewächse können nach der Blüte halbtrocken hingestellt werden, der Flieder aber muß in einem kühlen, Hellen Raume Unterkunft erhalten, damit er hier sich erhält und tauglich bleibt zum Auspflanzen im Frühjahr. Auch der Rose wird gleiche Behandlung zu teil, und mit den Azaleen kann man es ebenso machen. Die Kamellie muß im warmen Zimmer bleiben.
Unsere eigene Treiberei im Zimmer nimmt jetzt lebhaften Fortgang. Mit Ausnahme des Schneeglöckchens können wir alles zum Treiben hereinbringen. Wir vermögen uns ein kleines niedliches Sträußlein von Blüten sogar zu schaffen, wenn wir Zweige mit Blütenknospen von Flieder, von Forsythien, von Kornelkirschen, vom gefüllten Pflaumenbaum (Prunus triloba), vor allem aber von der Spiraea prunifolia abschneiden und in ein Wasserglas stellen. Im Wohnzimmer heißt es sonst mehr wie vorher mit dem Zerstäuber in der Hand kultivieren. Nur wo genügend feuchte Luft um die Pflanzen herum geschaffen wird, können wir ihre Blätter .gegen die Ungeziefermengen schützen, deren Fortpflanzung und Vermehrung durch die Ofenwärme aus das äußerste gefördert wird.
• I. C. Schmidt, Erfurt.
Gemeinnütziges.
Bei der herrschenden Kälte ist eine gute Suppe stets willkommen. Sie wärmt und kräftigt ganz anders als alkoholische Getränke, welche nach scheinbarer, momentaner Erholung erschlaffend auf Gehirn- und Herzthätig- keit wirken. Ist keine Fleischbrühe zur Stelle, so verwende man die auch von Aerzten empfohlenen Maggi'schen G; müse- und Kraftsuppen, mit welchen sich für billiges Gela in wenigen Minuten, nur mit Wasser gekocht, ganz vorzügliche Suppen in mehr als 30 Sorten Herstellen lassen.
Der ed'elste deutsche Apfel ist der Gravensteiner. Das weiß bei uns jung und alt; mag es auch sonst mit der Pomologie bei unseren Hausfrauen, bei unseren Obst- essern schlecht bestellt sein, den Gravensteiner kennt jeder, und sein Name klingt sogar dem wählerischen Feinschmecker lieblich in die Ohren. Da ist es nun interessant Genaues über die Herkunft und Zucht dieser edlen Frucht zu hören. Anbauorte sind vor allen Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Pommern, auch noch die angrenzenden Länder, aber am gesegneten Rhein z. B. fühlt der Gravensteiner sich nicht wohl, er wird dort zum minderwertigen Sommerapfel. Der Baum wächst stark und liebt reichlichen Feuchtigkeitsgehalt der, Luft und des Bodens; das Grundwasser sollte nicht tiefer als 2,50 Meter stehen, andernfalls muß reichlich bewässert werden. Der Gravensteiner trägt leider meist nicht vor dem 12. bis 15. Jahre und dann auch nicht sehr regelmäßig. Diese Eigenschaft muß vor Massenanpflanzung abhalten, trotzdem die Früchte stets die gesuchtesten am Markt sind und sehr hoch bezahlt werden. Wer sich für den Gravensteiner näher interessiert, dem sei empfohlen, sich die neueste Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau, Frankfurt a. Oder — die vom Geschäftsamt desselben gern umsonst versandt wird — kommen zu lassen. Sie enthält auf Grund der Mitarbeit zahlreicher Obstbau-Autoritäten eine ausführliche Darstellung der Anbaubedingungen und Ansprüche dieser vielbegehrten Sorte, die mit Recht eine deutsche genannt wird, da sie nur hier ihre wunderbare Saftigkeit und ihr Aroma erreicht.
Reinigung von Lederhandschuhen. Eine sehr gute Mischung zur Waschung unsauberer Lederhandschuhe besteht in einem halben Liter gereinigtem Benzin, dazu 2 Gramm Schwefeläthtzr, 4 Gramm Spiritus und einem Guß Eau de Cologne. Man gießt alle diese Ingredienzen zusammen, schüttelt sie gut um und wäscht die Handschuhe darin, darauf spült man sie je nach Bedarf ein- oder mehreremale. Alsdann legt man sie auf reine Tücher, zieht die Finger recht aus, sodaß die Handschuhe gute Form zeigen, und reibt sie mit einem anderen Tuche ziemlich trocken. Dabei bleibt das Leder ganz weich. Danach läßt man die Handschuhe in der Luft trocknen.
Rätsel.
Ein Dörfchen ist's im Hessenland, Nicht ruhmreich, daher unbekannt; Doch nimmst du flugs den Kopf ihm fort. Umkreist als Raubtier es den Ort. Noch 'nen Kopf kürzer, und als Maß Beut es dem Landmann Frucht und Gras. Schlügst du nun gar den Fuß ihm ab. So wird sein Umfang freilich knapp; Doch folgt als Führer ihm alsdann Ein Zug von vierundzwanzig Mann. Ch.
Auflösung in nächster Nummer.
Zahlen-Diamanträtsel.
Nachdruck verboten.
1 Konsonant.
7 2 6 Tier.
4 5 8 2 7 Stadt in Schlesien.
1 2 8 4 5 6 7 Zeitabschnitt.
3 7 5 6 1 Vorfahre.
5 6 7 Nebenfluß des Rheins.
7 Konsonant.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kolüelrätsels in vor. Nr.: Neujahrsgratulanten.
Redaktion: <S. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfitiitr-Buch- und Steiudruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


