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1901. - Nr. 97.

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»hne Begeisterung

Keine Bemeisternng.

Doch ohne Ringen

Anch kein Gelingen. A. St.

(Nachdruck verboten.)

Auf der Felseninsel.

Eine Erzählung aus den norwegischen Schären.

Von M. O t t e s e n.

(Fortsetzung.)

Siebentes Kapitel.

Wie vergnügt waren wir, als wir ain Rande des rauschenden Meeres dahingingen! Neckisch spritzte uns eine Welle ihren Gischt ins Gesicht, doch niemand erschrak davor, und ruhig ließen es die Mädchen geschehen, daß die fröhliche Sonne sich hell in den klaren Augen spiegelte. Auch Gunhilda ging in ihrer stillen Weise ans den Scherz der übrigen ein, und ein strahlendes Lächeln belohnte jeden lustigen Einsall. Nur Sigurd war ernst und wortkarg; wie gebannt hafteten seine Blicke auf der holden Gefährtin seiner Jugend. Und Gunhilda? Sie totoji ihm offenbar aus, stets richtete sie das Wort an mich», und schien es gern zu sehen, daß ich! auch heute den Platz an ihrer Seite behauptete.

Bald traten wir von der klaren, durchsichtigen Helle in das Dämmerlicht des Waldes. Zwischen den weißen Stämmen der Birken leuchtete das blaue, flimmernde Meer hindurch, und die grünen Guirlanden der Bäume rahmten das sonnige Bild in einer wunderbar beruhigenden Weise ein. Langsamer schritten wir jetzt einher, und lauschten dem Säuseln des Windes in den Wipfeln. Zwischen den knorrigen Wurzeln und hohen Farnen mußte sich jeder seinen Weg bahnen und plötzlich befand ich imd) mit Gunhilda allein.

Mein Herz klopfte so laut, daß ich es zu hören meinte, mühsam rang xäy nach Fassung. Jetzt oder nie! flüsterte das bebende Zittergras zu meinen Füßen, nickte die rote Erika, kreischten die Möwen, die am Waldessäume dahin­flatterten. Nur sie schritt ahnungslos weiter und sagte, 'en Kopf ein wenig nach mir umwendend:

So still ist's im Walde! Wie ein Traum, Daß draußen die Welt noch! tobt und lärmt, Daß nicht gar weit am grünen Saum

! Ter eine lacht und der andere sich härmt."

Sie sehen", fuhr sie lächelnd fort,jetzt werde to ganz poetisch, jetzt zitiere ich gar Gedichte."

Mir waren es die schönsten Stunden", rief idji, und suchte ihre Hand zu fassen.Habe ich recht, wenn ich zu glauben wage, daß auch Ihnen die Erinnerung an unsere Studien nicht unangenehm sein wird?"

Eine leichte Röte flog über ihr Gesicht, und ohne ihre Erregung verbergen zu wollen, sagte sie hastig:Sie sprechen von Erinnerung. Wollen Sie wirklich! fortgehen, uns schon jetzt verlassen? Tie Pastorin sprach! vorhin davon, ichj wollte ihr's nicht glauben. O, was werde ich ohne meine Stunden anfangen! Tiefer Sommer war dock» dre schönste Zeit meines Lebens; und wenn ich später viel allein sein werde, dann suche ich die Bücher hervor, rn denen wir gelesen haben, und im Wald und draußen auf dem Meer wiederhole ich! alle Gedichte, die Sie mich lehrten!"

dem grünen Geäst hob sich die weiße Gestalt seltsam plastisch! ab. Nrc war sie mir schöner, begehrens­werter erschienen, und jede Rücksicht, jedes Bedenken ver­gessend, sank ich! zu ihren Füßen.Gunhilda", rief ich, fle leidenschaftlich! umschlingend,sprich nicht von Er- rnnerung, von Scheiden und Alleinsein. Mir mußt Du gehören, mußt mir folgen hinaus in die Welt. Dich zu gewinnen, blieb ich hier - selbst weißt Tu es noch nicht, aber mich liebst Tu, wie ich Dich. Laß die anderen reden, reden, was sie wollen. Wir beide gehören zusammen, und auf meinen Armen trage ich Tich fort von diesem Felsen, dorthin in das Königreich das ich für meine Prinzessin erobern will." 0,1

Es war eine ungestüme Werbung, viel redete ich uv»» auf .sie ein, preßte sie an mich drückte Kuß auf Kuß auf ihren süßen Mund, und nannte sie mein, mein in alle Ewigkeit.

Widerstandslos ließ sie alles mit sich geschehen, und ich merkte es kaum, daß sie kein Wort redete, daß sie blaß, wie gebrochen, jetzt wirklich der Wasserrose gleich in meine« Armen ruhte. Einmal glaubte ich« ein Rascheln im Ge- busch einen schmerzlichen Seufzer dicht neben mir zu Horen. Was kümmerte mich aber in diesem Moment die ganze Welt? . Mochte sie zu Grunde gehen; ich liebte, ich wurde geliebt, und war allein mit dem Abgott meiner Seele., Ta unterbrach ein häßlicher, durchdringender Schrei die Stille: es war der Lohme, der sein Nest hart am Ufer baut, ich erschrak über die Wirkung, die der drohende Ruf des Unglücksvogels auf Gunhilda hervorbrachte. Sie fuhr empor, und stieß mich heftig zurück. Eine flammende Röte bedeckte Gesicht und Nacken, die Augen blitzten, die Lippen zuckten, dann brach sie plötzlich in ein krampf­haftes Weinen aus, und eilte hinweg wie von Dämonen gejagt.