Ausgabe 
8.10.1901
 
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(Nachdruck verboten.)

Der Erbe von Petershagen.

Roman von O. Elster.,

(Fortsetzung.)

X.

Eitel Fritz saß mit dem Inspektor Breymann tn dem Arbeitszimmer seines Vaters. Geschäftsbücher, Dokumente aller Art und Abrechnungen lagen vor ihn: auf dem großen Schreibtisch, und Inspektor Breymann erstattete seinen Be­richt über die Lage des Gutes.

Es steht nicht so schlimm um Petershagen, Herr Leutnant", sagte der Inspektor,wie Sie vielleicht nach den Mitteilungen Ihres verstorbenen Herrn Vaters und diesen Büchern glauben. Petershagen ist in einem vorzüglichen Kulturzustande und bet geeigneter Bewirtschaftung wirft es noch immer einen netten Ueberschuß ab. Auch, können noch manche gewinnbringende Anlagen gemacht werden; so habe ich schon mit Ihrem Herrn Vater den Bau einer großen Ziegelei besprochen, die uns- guten Gewinn ab­werfen würde, da wir billigen Wasserweg nach einigen größeren Städten haben. Auch aus dem Wald könnte mehr Herausgezogen werden, der Förster sagte mir, daß eine große Anzahl alter Bäume, geschlagen werden könnten, die sich vortrefflich zu Bauholz eignen. Nicht zum letzten muh ich darauf aufmerksam machen, daß die landwirtschaft­lichen Preise im Steigen begriffen sind kurz, mein ver­ehrter Herr Leutnant, die Läge ist nickst gar so schlimm. Sie ersehen mein Urteil ja am besten daraus, daß ich Ihrem Herrn Vater noch eine Hypothek von 50000 Mark gegeben habe."

Und dadurch die Heirat meiner Schwester ermög­lichten . . ."

freilich Herr von Sannow brauchte etwas bäres Geld die anderen 50 000 Mark, die Ihrem Fräu­lein Schwester als Heiratsgut zukommen, muß das Gut verzinsen.".

Ich war erstaunt F5 sch wußte nicht, daß Sie über solche Kapitalien verfügten."

Nun", entgegnete Breymann lächelnd,wir haben sehr gute Jahre durchgemacht Sie wissen, ich stehe jaus Tantieme da erübrigt inan schon etwas. Und wenn man sparsam und einfache lebt, kann man's schon weiter bringen. Außerdem habe ich eine kleine Erbschaft gemacht."

Eitel Fritz erhob frchz, und ging hastig im Zimmer

Dienstag den 8. Moder.

1.01. Nr. 143.

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mit alle Laster im Menschen veralten, dann blühet allein noch

der Geiz.

Angustin.

auf und ab. Diese Auseinandersetzungen mit dem Vater Elses waren ihm furchtbar; außerdem sah er in eine scheinbar trostlose, armselige Zukunft, wenn -er nicht mit einem energischen Schnitt alle die Fäden- vernichtete, welche ihn hier in der Heimat zu umfesseln drohten. Eine nervöse Ungeduld beseelte ihn; durch das Wiedersehen mit Irma waren seine Sinne aufs- neue erregt, er sah in der. Verbindung mit ihr den einzigen Ausweg aus diesem Wirrsal seiner Gefühle und- den verwickelten Ver­hältnissen seiner Heimat, und dennoch fehlte ihm die Kraft, diesen Weg mit energischem Schritt einzuschlageni er fürchtete sich vor dem traurigen Blick der großen blauen Augen Elses.

Ihre Worte, Herr Breymann", sagte er nach einer Weile,scheinen mir die Verhältnisse denn doch zu günstig zu schildern, Nach dem Testament meines- Vaters soll ich allerdings Peters^igen erhalten, meine Mutter und- meine Schwestern je 150000 Mark, außerdem das Recht des völligen freien Lebens auf Petershagen, im Fall sich meine Schwestern nicht verheiraten. Daß ich- das Geld nicht auszahlen kann, ist klar, ich, muß es mithin verzinsen dann bleibt für mich aber nichts übrig."

Die Damen müßten freilich vorläufig mit einem sehr niedrigen Zinsfuß zufrieden sein."

Wenn schon; es geht nicht! Oder wissen Sie einen Ausweg?"

Ja, Herr von Petershagen", entgegnete der Inspektor ernst.Nehmen Sie Ihren Abschied kommen Sie zu uns leben Sie einfacharbeiten Sie mit allem Ernst, mit freudiger Unverdrossenheit dann werden Sie die Schivierigkeiten mit der Zeit überwinden."

Eitel Fritz machte eine ungeduldige Bewegung.

Ich! will Ihnen nach Kräften zur Seite stehen, Herr Leutnant", fuhr Breymann in warmem, ehrlichen Tone fort.Ich kenne alle-Verhältnisse seit langen Jahren, man giebt. mir das Zeugnis eines guten Landwirtes, ich denke, wenn wir beide zusammen wirtschaften, soll es schon gehen ich will Ihnen sogar noch weiter entgegenkommen, ich will mein kleines Vermögen ganz in die Wirtschaft stecken, ich verlange keinen Gehalt mehr, nur mein Leben schlagen Sie ein, Herr Leutnant Sie sollen sehen, es geht alles gut, wenn Sie zu uns kommen."

Er hielt ihm die breite hartgearbeitete Hand- entgegen, seine rauhe Stimme bebte leicht, in seinen grauen Augen schimmerte es feucht.

Ueberrascht und erstaunt blickte Eitel Fritz ihn an.

Wie kommen Sie zu diesem Vorschlag, Herr Brey- männ? Ich danke Ihnen aber = ich weiß nicht, ob ich darauf eingehen darf."

Sie dürfen es-, Herr von Petershagen! Sie fragen mich, wie ich zu diesem Vorschlag-komme? Nun, ich bin dreißig Jahre auf Petershagen, und wurzele mit allen Fasern meines Lebens hier mein Weib, mein Sohlt liegen ans dem Kirchhof von Petershagen = meine Kochter