Ausgabe 
8.8.1901
 
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dann geht's fröhlich läutend, singend und musizierend abi". Unten eilt alles herbei, wenn der Zug näher kommt, beglückwünscht und jubiliert mit. Der Senn reicht jedem die Flasche mit dem würzigen BergschMpse, und die Sennin verteilt au die frohen Kinderscharen Almnüsse, ein rundes, steinhartes, kleines Gebäck. Abends giebt's zu Hause besseres Essen als gewöhnlich und dann wohl noch ein lustiges Zusammensein beim Klange derKlampfen" und Zithern". Mit einemGute Alm über's Jahr!" trennt man sich, und damit hat dann für den Alpendörfler dieWinter­zeit" begonnen.

Vom Monat August.

August 1901.'

(Nachdruck verboten.)

Bon allen Erzeugnissen, mit denen der August den Markt bereichert, ist das Obst in seiner Mannigfaltigkeit am reichsten vertreten und wohl auch am begehrtesten. Die Süßkirschen sind zwar ziemlich verschwunden, an ihre Stelle sind aber die viel wertvolleren Sauerkirschen, Weichsel und und Amarellen getreten. Die ersten heimischen Frühbirnen und Aepfcl erscheinen bereits, doch sind beide vorläufig noch weder ein Genuß oder eine Erfrischung, und man thut gut, den viel schmackhafteren Tiroler Aepfeln und Birnen den Vorzug zu geben. Schon um 1700 erfreuten sich die Tiroler Birnen des besten Rufes und wurden als Brixer weiße, rote und graue hochgeschätzt. Ferner ist die Aus­wahl reich und verlockend in Aprikosen, Pflaumen, Pfir­sichen und Weintrauben in saftreichen Früchten. Von Beeren­früchten giebt es die duftenden" Himbeeren, Johannis­beeren, Stachelbeeren, Blaubeeren, Brombeeren, aus dem Walde noch kleine Sendungen Erdbeeren, und als ersten Herbstgruß bringt uns der August die rotleuchtenden Preißelbeeren.

Sorgsame Hausfrauen widmen jetzt ihre Aufmerksam­keit den Würzkräutern, eine Hauptrolle spielen Dill und Estragon. Letzterer gehört zu den besten Würzen einer Reihe von Fleischspeisen, Salaten und Saucen. Beisuß, um Gänse-, Enten- und Schweinebraten schmackhafter zu machen, Majoran, Pfefferkraut, Salbei und Thymian sind in reichen Vorräten am Markte. Dill, Estragon, Blätter der Sauerkirschen und Weinblätter und Ranken geben den salz- und Senfgurken, gemischten Essigfrüchten usw. den prickelnden Geschmack. Mit Weinblättern umwickelt man die zarten Rebhühner und jungen Tauben, um dieselben zu würzen und ihnen beim Braten ihren Saft zu erhalten. In Ungarn finden die Weinblätter auch anderweitig Ver­wendung in der Küche, z. B. ist ein echt ungarisches Gericht gefüllte Weinblätter. Man nimmt dazu recht zarte Wein- blätter und füllt sie mit einer Farce aus gehacktem Schweinefleisch, einer Hand voll gebrühtem Reis, Salz, Pfeffer, Zwiebel und Ei, rollt und bindet diese Rouladen mit Dillkraut, legt sie in einen Topf mit Salzwasser und läßt sie weich kochen. Alsdann macht man eine Buttermehl­schwitze, giebt etwas Bouillon aus 5 Gr. Liebigs Fleischs- Extrakt und eine Obertasse sauere Sahne hinzu und läßt die Rouladen nochmals damit aufkochen.

Auf dem Gemüsemarkt herrscht überreiche Mannig­faltigkeit und Fülle. Der August bringt eine Neuauflage von frischen Radieschen und Rettichen, sowohl weißen oder Bier­rettichen als auch! schon schwarzen Winterrettichen. Auch eine zweite Pflanzung Kopfsalat in schönen festen Köpfen kommt zum Markt, dieses Labsal in den heißen Tagen, dessen Ruhm zu allen Zeiten gepriesen worden ist. Ferner giebt es Sommerendivien, Tomaten in großen roten Früch­ten, Kohl in allen Arten außer dem später erscheinenden Rosenkohl. Gute seine Gartengurken zum Salat halten ihre Preise. Vorzugsweise sind es Feldgurken, die in verschie­dener Güte und Reife zum Verkauf gelangen. Gute Aus­sichten bieten auch die Zwiebelfelder und werden Zwiebeln aller Art in bester Ware angeboten. Weißzarte Perl­zwiebeln sind für gemischte Essigfrüchte, Senf- und Pfeffer­gurken gern gekauft, gute Schalotten, sowie der erste Knob­lauch kommen gleichzeitig mit den ersten Tafelzwiebeln aus Algerien zum Markt.

Tie Wildversorgung der Tafel im August ist durch Reh, Hirsch und Damwild gut bestellt. Schnepfen, Fasan,

Haselhühner und junge Wildenten, die sich an den Ernte­abfällen gütlich gethan, kommen in den Handel. Wohl­schmeckend ist jetzt eine gut zubereitete junge Wildente. Man legt die Ente 46 Tage vor der Zubereitung in ge­wöhnlichen Weißwein, läßt sie dann in etwas Weißwein und starker Fleischbrühe aus 10 Gr. Liebigs Fleischs-Extrakt, sowie Butter, Speck und Gewürz, einem Lorbeerblatt und ein wenig Citronenschale feit zugedeckt gar dämpfen. Vor dem Anrichten kann man die Tunke entfetten, noch ein wenig Rotwein hinein gießen und sie mit in Wein aufge­löstem Kartoffelmehl semig machen.

Tie zweite Hälfte des Monats bringt die feinste und beliebteste Neuheit, das Rebhuhn, dessen Abschuß zu Lust und Freude aller Nimrode und Feinschmecker in nun nicht allzu weiter Ferne liegt.

Durchweg gut ist sämtliches Hausgeflügel, dessen Tisch durch die frischen reichlichen Ernteabfälle in Körnern gut versorgt wird. Junge Hühner und Tauben sind reichliche vorhanden, und ebenso ist kein Mangel an jungen Gänsen und Enten. Letztere sollen gerade jetzt am besten sein und prangen auf jeder Speisekarte. Vereinzelt kom­men junge Puten und Perlhühner, die einen ausgezeich­neten Braten abgeben.

Den Fischmarkt beherrschen fast alle Süßwasserfische, namentlich ist in den heißen Tagen nach! Back- und Brat­fischen starke Nachfrage. Aale, Hechte, Schleien, Seibling und Lachs sind vorzüglich. Nicht zu empfehlen sind Aesche, Brachsen, Ellritze, Gründling, Wels und Barbe. Vor dem Rogen der Barbe ist ernstlich zu warnen, da derselbe üble Zustände hervorruft, während die Barbe außer der Laich­zeit eine gesunde Speise ist. Auch Seefische giebt es durch den Versand in Eisverpackung, besonders in den Großhand­lungen in reicher Auswahl und guter Ware. Einen Jahres­zeit-Leckerbissen bieten geräucherte Ostseeflundern. Große Krebse sind leider spärlich, reichlicher sind mittlere und kleinere Suppenkrebse, gegen Ende des Monats fangen die Sendungen an kleiner und unregelmäßiger zu werden.

Gemeinnützige».

Engerlinge radikal zu vertilgen. Mancher Rasen, der gelb und kahl daliegt, manche Rose, die unver­mittelt zu trauern anfängt, und manches Gemüsefeld, auf dem plötzlich die Kulturen hinwelken, sind von einem un­heimlichen Gaste bewohnt, dem Engerling. Alle mechani­schen Mittel, den Engerling wegzubringen, sind gewöhnlich erfolglos, und Jahr für Jahr, bis der Engerling zum Mai­käfer wird und dies geschieht erst in vier Jahren kehrt die Plage wieder. Vom Engerling stark heimgesuchte Beete können völlig unfruchtbar werden, es ist deshalb wohl geboten, nach Mitteln zu suchen, welche den Engerling radikal vernichten. In Nr. 17 desErfurter Führers im Gartenbau" beschreibt ein alter Praktiker seinen Kampf und seine Mittel zur vollständigen Vernichtung des Feindes. Diese Nummer wird unseren Abonnenten kostenfrei zuge­schickt, wenn sie sich mittels Postkarte an das Geschäftsamt desErfurter Führers" wenden.

Ergänzungsrätsel.

(9iad)i)tucf verboten.)

W . . j . d . . t . ti . t, w . r . l . . ch . . etr . . en, . e . k . . n . . . r . u ., b . . . . s . . h s . . b . t.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Krmelranel? in voriger Nummer: Insel, Stern, Arie, Bart, Erich, Leim, Lack, Ast. Isabella.

Auflösung des Preisrätsels in Nr. 107 der Familienbl älter: Wenn vir leis in Abendstille Milder Hauch zum Herzen weht, Fühl' es, daß ein Gotteswille Bei dem Trostverlass'nen steht.

Fühl' es, daß am Gottesherzen Null geborgen ruht die Well, Und den taggebor'nen Schmerzen Liebe nun ein Ziel gestellt.

Es gingen insgesamt 22 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 7, Einsender: Herr Ernst Wagner, Friedberg, Hanauerstr. 5.

Der Preis Krauß, Der Zwingherr ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle der Familienblätter" in Empfang zu nehmen.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universtläts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.