Ausgabe 
8.9.1901
 
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Sonntag den 8. September.

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1901. Nr. 127.

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M^roßer Wind und starker Regen

Ist mir oftmals gar entgegen;

Ich duck mich, laß es vorüber gähn

Das Wetter will fein' Fortgang Han.

Alter Spruch.

(Nachdruck verboten.)

Prüfung.

Kriniinalerzählung von E. Hainberg.

(Fortsetzung.)

Forstmeisters blieben der Trauer wegen all diesen Fest­lichkeiten fern. Um so öfter und lieber aber wandelte Held hinaus, um sich in der frischen Waldesluft und Hannas Nähe seine Seele rein zil baden von dem, was durch sein Berufsleben, oder die neuen ihn umgebenden Verhältnisse widerwärtiges an ihn herantrat. 'Der Verkehr zwischen Held und Hanna gestaltete sich immer zarter und inniger Wie klopfte ihr Herz, wenn ihr der bekannte Schritt und die vertraute Stimme schon vom Korridor her das Nahen des teuren Mannes kündete, wie leuchtete ihr Auge auf, in freudiger Bewillkommnung, wenn seine hohe Gestalt mit dem dunklen Kopf in der geöffneten Thür erschien. Im eigentlichen Sinne schön war ja dieser ausgesprochene Eyarakterkopf nicht, und dennoch war sein Anblick ihr das liebste, was ihr begegnen konnte. Und dann der Blick dieser Augen, so treu, so tief und wahr, in denen ihr em Himmel voll Liebe zu liegen schien. Wenn er dann ihre Hände ergriff und der innige Druck seiner Hand, ihr sagte, daß sie unvergessen sei, daß es ihn zu ihr ziehe, mit süßer Allgewalt, dann durchbebte sie, ein Frohgefuhl, eine unaussprechliche Wonne, die fast nichts mehr mit Irdischem gemein hatte. Er war, sie wußte kaum, tote das so schnell gekommen, ihres Daseins Inhalt geworden. Ihre Augen strahlten sich das süße Geheimnis entgegen, nur das, was dies Seelenbündnis besiegeln sollte, das freie, offene Wort, fehlte noch. Aber es schwebte sozusagen in der Luft, die nächste günstige Gelegenheit konnte die Aus­sprache herbeiführen. Doch ein eigener Unstern schien über den wenigen Augenblicken seligen Alleinseins mit der Ge­liebten zu schweben, kaum daß Held Mut gefaßt hatte, das befreiende Wort zu sprechen, oder auch wohl schon einzelne Worte seinen Lippen entflohen waren, kam auch die Störung; das Alleinsein war unterbrochen, der günstige Augenblick entflohen. Aber beide ivaren ihrer gegensei­tigen Liebe gewiß, sie zweifelten nicht aneinander.Wozu auch übereilen?" dachte dann Held,die Gegenwart ist so

unaussprechlich schön, sodaß die Zukunft kaum noch schöner werden kann." , . .

Außer Held war Mohrmann ein oft und tote es schien, auch! gern gesehener Gast im Forstmeisterhause. Seme Huldigung galt noch immer Frau Bertha.

Held" ließ zuweilen bei diesen wenig verschleierten Kundgebungen seine Augen nach dem Forstmeister hmuber- schtoeifen, doch dessen Miene zeigte nicht die leiseste Spur von Mißbehagen. Mit der an ihm gewohnten, 'offenen, freundlichen Unbefangenheit belachte er du: seiner Gattin gebrachten Kotuplimente.Sie verwöhnen meine Frau, Herr Staatsanwalt", sagte er wohl lächelnd,sie findet Ge­schmack an dem Süßholz und verlangt dann auch von mir damit versorgt zu werden." l _ .,

Alle lachten, selbst Frau Bertha stimmte heiter mit einDu könntest Dir wohl einigen Vorrat davon an­schaffen", scherzte sie,Du scheinst das in unserer zwei­jährigen Ehe schon ganz vergessen zu haben." Der Forch meister fuhr sich, leise in sich hineinschmunzelnd, durch sein sehr dichtes Blondhaar.Wie kannst Du das ver­langen?" sprach er mit drolligem Ernst;habe ich Dir nicht erst vor wenigen Tagen meine ersten zwei weißen Haare gezeigt? Nun denke Dir, ein Mann mit grauem Haar uud Süßholz raspeln!"

Abermals hatte er die Lacher aus ferner Seite, doch die Forstmeisterin ließ sich so leicht nicht übertrumpfen. Sie seufzte komisch auf:Ja, es ist em wahres Herzeleid, so einen alten Mann zu haben! Schon graue Haare! Wer mir das vor zwei Jahren gesagt hätte!"

Mit einem anderen konnte Dir dasselbe Schicksal werden!" verteidigte sich der Forstmeister.

Einmal auf dem gemeinschaftlichen Heimwege sagte Held zu Mohrmann:Verzeihung, bester Freund, aber treiben Sie Ihre Hofmacherei bei nuferer liebenswürdigen Wirtin nicht ein ivenig zu weit? Denken Sie nie daran, daß das den Forstmeister kränken könnte?" Mohrmann lachte auf.Wo denken Sie hin? Der Mann ist nach zwei­jähriger Ehe noch! immer in seine schöne Frau verliebt, sodaß er es nur in Ordnung findet, wenn alle Welt ihr huldigt. Er weiß, daß es seiner Gattin Vergnügen macht, die Herren der Schöpfung vor ihren Füßen zu sehen, und er ist ein viel zu liebenswürdiger Ehemann, ihr dies unschuldige Vergnügen nicht zu gönnen. Und unschuldig ist es in der Thal; Frau Bertha weiß ihre Anbeter trotz alledem in Schach zu halten, sodaß es auch keiner wagen wird, eine gewisse Grenze zu überschreiten" ,

Die jungen Damen von C. mußten wohl endlich em- sehen, daß ihre Bemühungen, den neuen Amtsrichter in ihre Kreise zu ziehen, vergeblich waren. Seine fast be­ständigen Absagen auf die an ihn ergehenden Einladungen mußten endlich doch befremden, ja beinahe beleidigen, wenn man seine mehrfachen Besuche in dem Forstmeisterhause