Ausgabe 
7.11.1901
 
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Die Punkte und Striche entsprechen den einzelnen Buchstaben der nachstehend in anderer Reihenfolge anfgeführten Wörter. Diese Wörter sind so zu ordnen, daß die auf die Punkte fallenden Buchstaben, im Zu­sammenhang gelesen, ein bekanntes Sprichwort ergeben.

Augen Boreas Licht Minna Legal Soda Wien. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Akrostichons in vor. Nr.:

a., Stern, Äsen, Asche, Bier, Abel, Bart, Auge. b- Dstern, Rasen, Tasche, Ubier, Gabel, Abart, Lange.

E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen

umgekehrter Richtung nach außen gelangt. Diese Prozesse spielen im Lehen der Pflanzen und Tiere eine große Rolle; denn der Austausch von Säften ist nur auf diesem Wege möglich. Die vorher trockenen Körperelemente des Pflanzen­samens z. B- einer Erbse, Bohne oder eines Reis- oder Getreidetornes quellen dabei, sprengen ihre äußeren Hüllen, und eröffnen den im Samen bereits vorgebildeten Keimen und Würzelchen den Weg zum Licht und zum nahrung- fpendenden Erdreich.

Genau dasselbe geschieht, wenn die Zellen des mensch­lichen Körpers mit chemisch reinem Wasser in Berührung kommen. Die Wirkung inuß aber hier, wie sich schon theoretisch voraussehen läßt, eine höchst schädliche sein. Be­gierig saugt die von salzigen Säften durchflutete Zelle das Wasser auf, während sie ihre Salzlösung nicht ebenso geschwind abgeben kann; die Folge davon ist, daß der Umfang der Zelle bedeutend anschwillt, daß ihre feinere innere Struktur zerdrückt oder zerrissen wird und daß schließlich auch die gegen außen schützende Zellhaut berstet und das Zellprotoplasma dem Untergang überliefert.

Nun wird es natürlich niemandem einfallen, von chemisch reinem oder destilliertem Wasser, welches dem ersteren ziemlich nahe kommt, bewußterweise seinen Durst stillen zu wollen. Der Preis, und der abscheulich fade Ge­schmack desselben sind Grund genug, andere Getränke vor- .zuziehen, welche der Zunge mehr zusagen. Immerhin giebt es aber doch verschiedene, täglich vorkommende Gelegen­heiten, bei denen wir mit der Giftwirküng des reinen Wassers Bekanntschaft machen können.

Die erste ist das destillierte Wasser der Apotheken. Aqua destillata steht in allen Rezeptformeln für flüssige Medikamente an erster Stelle, obwohl in den meisten Fallen Aqua fontis, d. h. gutes Quell- oder Wasserleitungs­wasser genau die gleichen Dienste thäte. Schließlich wer- oen aber auch die wenigen Eßlöffel destillierten Wassers, wLrche im Medikamente in stündlichen oder mehrstündigen Pausen genossen werden, keinen besonderen Schaden an- rlchten. Wo aber größere Mengen Wasser mit den höchst empfindlichen Schleimhäuten in Berührung kommen, trägt die Medizin der Aetzwirknng des reinen Wassers auf das lebende Protoplasma längst Rechnung, indem sie statt des ersteren sogenanntephysiologische Kochsalzlösung", d. h. rat Wasser benutzt, welches auf 100 Teile sieben Zehntel Prozent Kochsalz enthält, und bei der Magenauspumpung, cher Mundbespülungen, bei Operationen an den Augen, den Scylennhäuten der Nase und des Ohres, und bei vielen anderen chirurgischen Eingriffen in unausgedehntestem Maße Verwendung findet.

, Weit häufiger kommen wir aber in die Lage, uns ein fast chemisch reines Wasser einzuverleiben, wenn wir natür- lrches Süßwasser oder solches, welches aus destilliertem Wa;ser m Gefrierapparaten künstlich hergestellt ist, in H-orm von Gefrorenem oder in Bowlen, in ivelche dasselbe zwecks schneller Kühlung vielfach direkt hineingethan wird, 'gemeßen. Während des langsamen Gefrierens scheiden sich nämlich die im Wasser löslichen Substanzen, und zwar Salze >owohl wie Gase, aus, und wenn dieses Eis später Wreder eine flüssige Form annimmt, hat es eine Reinheit -un chemischen Sinne, die von dem künstlich in Retorten hergestellten destillierten Wasser nie erreicht wird. Wenn Kranke nach dem Genüsse von Eispillen oder Gesunde welche Eis genossen hatten, Uebelkeit und Brechreiz be- kamen, so mußte bisher immer der angebliche Bakterien- gehalt des aus stehenden Gewässern entnommenen Eises als Sundenbock herhalten. So verdächtig aber solches Eis unter Umständen sein kann, so sicher ist es, daß mindestens ebenso oft die Abwesenheit der im guten Tränkwasser ent- haltenen Salze, die dem Eise fehlen, die Ursache des Un­wohlseins ist. Beim Genüsse von Eis verläßt uns obendrein lewer auch noch unser getreuer Warner, die Zunge, bereit Empfindlichkeit durch Eis, und eiskalte Getränke erheblich herabgesetzt wird, und uns dann nicht mehr durch den Geschmack die Gefahr verrät.

Es ist hiernach auch ohne weitere Erklärung ersichtlich!, varum der Genuß von Firnschnee und Gletschereis, vor welchem in allen Doüristenbüchern dringlichst gewarnt fad)jebodj viele verdurstete Alpenwanderer Ä enthalten können, häufig schweres Unwohlsein im Gefolge hat. Wenn man nur die Wahl hat, entweder solches

Eis öder Wasser zu genießen, öder, nachdem das Blut durch Schwitzen und Ausatmung hochgradig an Wasser verarmt ist, der Gefahr eines Schlagflusses ausgesetzt zu sein, wird man natürlich einen eventuellen Magenkatarrh -infolge des Genusses von Gletschereis und Schneewasser als das kleinere Uebel vorziehen. Im übrigen aber hat die obige Warnung ihre volle Berechtigung.

Seltsamerweise erlaubt sich die Natur an einigen wenigen Orten im Gebirge den unliebsamen Scherz, der­artiges Wasser aus dem Schoße der Erde laufen zu lassen, -^lese Quellen sind alsGiftbrunnen" seit Jahrhunderten bekannt, und enthalten ein Wasser von so großer chemischer Reinheit, wie es mit menschlichen Hilfsmitteln kaum her­gestellt werden kann. Emer der bekanntesten Giftbrunnen befindet sich jn Gastein. So schädlich fein Wasser aber für den Magen ist, so ausgezeichnet eignet es sich für Bäder, weil er gerade dank feiner Reinheit den Körper auf d«s gründlichste von den in der Außenhaut ab­gelagerten, zum Teil sehr giftigen Salzen befreit, die als Zersetzungsprodukte des Lebensprozesses eine ständige Ge­sundheitsgefahr sind, sobald sie sich in erheblichen Mengen anhäufen. _____

Moltkes Briefe in einem Bande, ein Hausbuch .für die deutsche Familie. Moltkes Briefe, die ihn ja dem Herzen des deutschen Volkes am nächsten bringen, gelangen soeben in einer überaus billigen Ausgabe in einem Bande zur Herausgabe; dadurch wird der reiche Briefschatz Molt­kes weitesten Kreisen erschlossen und zugänglich gemacht, was für das deutsche Volk einen hohen Gewinn und Genuß bedeutet. Denn Moltkes Briefe sind einzig in ihrer Art; indem sie dem Leser sein Inneres offenbaren, gewähren sie zugleich ein schlichtes Bild des ganzen, edlen Menschen; Moltkes Lebensauffassung und Weltbeobachtung tritt uns in ihnen in voller Treue, Herz und Geist erhebend, ent­gegen, und zugleich thut sich in ihnen ein gewaltiges Stück deutscher Geschichte, und zwar der Zeit, deren wir uns vor allen anderen gern erinnern, vor dem Leser ans. Beide Seiten seines Lebens, sein öffentliches Wirken und Handeln für das Vaterland und sein Familienleben finden sich in seinen Briefen gleich klar und wohlthuend offen gelegt. Auch Briefe, deren Inhalt Schlaglichter auf die politische Zeitgeschichte wirft, sind daher in die Samm­lung aufgenommen. Wir bewundern ebenso sehr sein war­mes Herz, die Lauterkeit und Stärke seines Gemüts wie seinen klaren Verstand, seine scharfe Beobachtungsgabe, sein treffendes und doch mildes Urteil über Menschen und Dinge. Dabei ist es auch um ihrer Form willen ein hoher Henuß, Moltkes Briefe zu lesen; wir finden durch sie bestätigt, was die neuere Litteraturgeschichte schon an­erkannt hat, daß wie Bismarck, so auch Moltke zu unseren klassischen Schriftstellern gehört. Diese einbändige Aus­gabe von Moltkes Briefen (Verlag der Königlichen Hof- buchhandlung von E. S. M i ttler & So h n, Berlin SW. 12) besitzt hohen Wert und dauerndes Interesse für jeden Deutschen, für Schule und Haus, für jung und alt, für alle Kreise, für jeden Stand. Erquickung und Genuß, Be­lehrung und Erhebung ist aus diesem Buche gleichmäßig zu .schöpfen; es verdient, in den Bücherschatz eines jeden deutschen Hauses eingereiht zu werden. Der billige Preis: Mk. 5, für das elegant broschierte und Mk- 6, für das hübsch gebundene Exemplar (Vorderdecke mit Moltkes Me­daillon und Monogramm) wird dazu beitragen, die ein­bändige Ausgabe vonMoltkes Briefen", die sich nach Inhalt und Ausstattung besonders auch zu Festgeschenken und Prämiengaben vortrefflich eignet, bald tat deutschen Volke einzubürgern.

Telegraphenrätsel.