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ein Ende zu machen: „Die Freiheit habe ich gepriesen, die Gastfreundschaft war stets ihre Gefährtin im Norden! Hier an der Küste, in der Nähe des stolzen Meeres, werden beide hochgehalten. Die Bewohner der Schären, die schönen Frauen, die wackeren Männer — sie leben hoch!"
Der seltsame Trinkspruch wurde mit Begeisterung aufste- nommen. Ter Schluß hatte offenbar alle versöhnt, und die Stimmung war zu munter, als daß jedes Wort auf die Wage gelegt werden konnte. Man rief neunmal Hurrah, so lernt, daß die Fenster klirrten, und die Schwalben, welche unter dem Dachbalken nisteten, erschrocken davonflogen. Die blasse Hausfrau schrak nervös zusammen, ihr Mann drückte mir aber die Hand, und ich mußte feierlich geloben, nicht mehr sein Haus ,links liegen zu lassen'. Tann dankte der Prediger für alles Gute, das wir genossen hatten, die Stühle wurden geräuschvoll gerückt — die Mahlzeit war zu Ende. Viele Skäals waren ausgebracht worden, doch nicht derjenige, auf den ich mit erregter Spannung gewartet hatte. Altes leeres Hirngespinst, Jntrignen einer Familie, die umsonst ihre Umgebungen zu beherrschen wähnte! Warum sollte Gunhilda ihren Gespielen nicht wie einen Bruder gern haben? Deswegen konnte sie doch die Liebe des Fremden erwidern, der ihr sein Bestes zu eigen gegeben, und sie mit sich hinausführen wollte in die schöne Welt, die ihr so lange in rosigem Lichte gewinkt hatte.
Meine Niedergeschlagenheit wich! plötzlich! einer glücklichen Stimmung, daß ich alle Menschen hätte umarmen können, und ich beschloß, wenigstens mein Unrecht gegen Hannah wieder gut zu machen. Uebermütig begann ich mich! mit der Kleinen zu necken, und wieder setzte sie mich! in Erstaunen durch! die reizende, schalkhafte Weise, in der sie sich! zu verteidigen wußte.
Tie älteren Herrschaften waren einstimmig dafür, sich durch ein Schläfchen für die Abendpartie zu stärken. Wir jungen Leute wollten dagegen einen Spaziergang nach! dem Walde am Fjord machen.
„Tort ruht es sich auch schön im weichen Moos", sagte Frau Hall freundlich. „Achte aber darauf, Sigurd, daß die Mädchen sich nicht zu sehr ermüden."
Jetzt mußten selbst die ernsten Zwillinge in das Gelächter einstimmen — Müdigkeit war den vier Freundinnen offenbar ein unbekannter Gesell.
(Fortsetzung folgt.)
Vom Monat Juli.
Juli 1901.
(Nachdruck verboten.)
Der Erntemonat zeigt auch diesmal seine Kraft, er bietet uns das Mannigfaltigste aus Wald, Feld und Garten, und mit Macht reift das Getreide der Sense entgegen. Der Markt mit seinen frischen Gemüsen, Früchten und Blumen bietet dem Besucher einen ergötzenden Anblick, auch der Duft der Kräuter erinnert daran, daß jetzt die beste Zeit zum Trocknen der Würzkrüuter ist. Gemüse giebt es in Hülle und Fülle, und mit prüfendem Blick suchen die Hausfrauen darunter nach! etwas Neuem. Frische Kartoffeln gewähren einen Genuß, der von hoch und niedrig freudig begrüßt wird, besonders zu dem sehr guten, wenn auch noch! etwas teueren Matjeshering. Gute Schnitt- und Wachsbohnen sind schon zur Stelle. Dieses beliebte Gemüse bauten und aßen die Egypter nicht, weil sie es für unrein hielten, und bei den Römern galt es als Totenfrucht, die man an bestimmten Festen den Schatten der Verstorbenen vorsetzte. Nach und nach verlor sich! diese unheimliche SBe&eutung, und uns stört ' kein Aberglauben mehr, sondern wir lassen uns die jungen, grünen oder gelben Bohnen recht gut schmecken, als Gemüse oder Salat und selbst in der einfachsten Zubereitung auf „englische Art" sind sie schmackhaft. Man kocht dazu die Bohnen in Salzwasser gar, schwenkt sie dann mit 100 Gramm Butter, 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt und zwei Eßlöffeln gewiegter Petersilie so lange über dem Feuer, bis sie Fett und Brühe aufgesogen haben, würzt sie mit wenig Pfeffer, und giebt sie zu Tisch Zum Salat eignen sich am besten die gelben Spargel- oder Wachsbohnen. Im
Laufe des Monats erscheinen fast alle Kohlarten; als Erstling kommt der Wirsing- oder Welschkohl, der naturgemäß anfangs noch recht teuer ist, diesem folgen bald Weiß-, sowie Rotkohl in kleinen festen Köpfen. Blumenkohl hat infolge der langen Trockenheit etwas gelitten. Ferner bietet der Markt reichlich Karotten, Schoten und Mohrrüben, die aber in gut entwickelter Ware noch immer hoch im Preise sind. Tie Zeit der Frühbeetgurken ist leider vorüber, und es erscheinen die Landgurken, doch ist vorläufig noch keine billige Gurkenzeit zu erwarten, obgleich die „saure Gurkenzeit" vor der Thüre steht. Kopfsalat wird spärlicher, als Ersatz zeigt sich Sommerendivien-, der aber für die Bewohner der östlichen Provinzen immer noch mehr Wintersalat bleibt. Von Tomaten kommen vorläufig nur die kleinen italienischen zum Angebot. Auch Artischoken, dieses wenn auch kostspielige, so doch von Kennern sehr bevorzugte Gemüse, ist in den Delikateß- läden vorhanden.
Obwohl im Juni die Pilzzeit schon begonnen haben sollte, kamen nur einzelne Proben von Stein- und Mai- Pilzen, Pfifferlingen und Rotkappen, -anch die Morcheln verschwanden in diesem Jahre eher, hoffentlich nimmt im Juli die Mannigfaltigkeit der Pilze zu.
Der Obstmarkt wartet uns mit Kirschen in allen Arten auf, und wir preisen noch heute den Lueullus, der die Kirsche von der Stadt Kerasos an der pontischen Küste nach Italien gebrach haben soll, von wo sie sich über Gallien nach dem Rhein, Belgien und England verbreitet hat. Tie duftenden Walderdbeeren, diese einfachen Kinder des Waldes, werden jetzt den Gartenerdbeeren zu Bowlen wie zum Frischessen vorgezvgen. Zu gleicher Zeit finden wir die Blau- oder Heidelbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren. Grüne Nüsse sind jetzt am besten zum Einlegen und zur Bereitung des magenstärkenden Likörs.
Hausgeflügel ist in reicher Menge und Auswahl vorhanden, junge fleischige Hühner, Enten und Tauben, so daß die Küche in der Lage ist, jede Geschmacksrichtung zu befriedigen. Die Gänsezeit hat begonnen, und werden deren schon recht schöne zum Markte gebracht.
Im Monat Juli erweitert sich audji die Auswahl an Wildbret. Neben dem bisher nur jagdbaren Reh darf nun auch Hirsch und Damwild wieder geschossen werden. Für das Wildgeflügel ist die Jagd eröffnet, und zwar sind die Bekassinen die ersten. Das Fleisch derselben übertrifft entschieden an Wohlgeschmack das der Waldschnepfe. Ebenfalls geschossen werden: Fasanen, Haselhühner, Schnepfen und Wildenten.
.Wenn audj1 der Fischmarkt unter dem Einfluß der Ernte und Temperatur steht, so ist in den Handlungen davon wenig zu merken. Tie Binnenfischerei bringt Schmerle, Felchen, Forellen, Aale, die sich jetzt auf der Höhe ihres Wohlgeschmackes befinden, schwere Welse, große Schleien und Kaulbarsch. Tiefer kleine, schmackhafte Süßwasserfische gehört zur Familie der Barsen und wird gleich diesen zubereitet, er ist seines wohlschmeckenden, leicht verdaulichen Fleisches wegen einer der geschätztesten Fische. Als besonderen Leckerbissen rühmt man den dänischen Kaulbarsch, der in jeglicher Weise bereitet, eingelegt, gebraten, ge- schmrot, in Butter-, Sardellen- oder Paprica-Tunke immer gern gegessen wird. Eine zu Kaulbarsch sehr wohlschmeckende Tunke ist folgende: 3—4. Zwiebeln werden in Scheiben geschnitten, in soviel Wasser.als man Tunke benötigt, mit 15—20 Pfefferkörnern gar gekocht, etwas Mehl in Butter gelb geschwitzt und dem Wasser beigefügt. Man würze alsdann je ein Viertelliter Tunke mit 7 Gramm Liebegs Fleisch-Extrakt, Salz, einem Eßlöffel grüner Petersilie, etwas geriebener Muskatnuß, ein ganz klein wenig Zucker und gebe diese Tunke über die gar gekochten Fische.
Mit Seefischen warten uns die Handlungen reichlich auf, es giebt Steinbutt, Seezunge, Rotbart, Nordseelachs, und die Ostsee liefert Schollen, Schellfische u. a. m.
Krebse sind nach bestandener Schälzeit jetzt am besten, ebenso empfehlenswert sind Hummern und Krabben.
Für die Ferien-Reisenden werden eine Menge Fleischund Fischkonserven in auserlesener Güte angeboten.


