Ausgabe 
7.7.1901
 
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ie Welt ist ein gemeiner Tisch, dranf alle Menschen essen; Wohl dem, der dessen, der ihn deckt, Pflegt nimmer zu vergessen, v. Logan.

(Nachdruck verboten.)

Auf der Felseninsel.

Eine Erzählung aus den norwegischen Schären.

Von M. O t t e s e n.

(Fortsetzung.)

Ich beantwortete steif seinen Gruß und sprang rasch ans Land, um mich? den Damen anzuschsießen. Doch dies­mal hatte id)i im eigentlichsten Sinne bis, Wortes die Rechnung ohne den Wirt, das soll hier heißen, ohne den Kaufmann Hall, gemacht.

Breitspurig stand er da, in jeder Miene den Besitzer ausgeprägt. Geräuschvoll hieß er uns willkommen, geräusch­voll nahm er auch meine Wenigkeit in Beschlag. Wie leuchtete sein breites, rotes Gesicht vor Wonne! Seine ganze Gestalt schien zu wachsen, und er trat so fest auf, als wollte er bei jedem Schritt bekunden, baß ihm allein Grund- und Boden gehöre. Er strömte völlig über vor! Wohlwollen und Behagen, und sonst wenig mitteilsamer Natur, schien er heute überglücklich! zu sein, an mir einen Zuhörer zu finden, dem alles, was -er erzählte, neu sein mußte.

In meiner heutigen Stimmung kam er mir ausdringlich und lächerlich wie ein Emporkömmling vor. Seine goldene Uhrkette erschien mir zu schwer, seine Stimme zu laut, sein joviales Lachen ordinär, und doch wußte ich, daß, wenn es einen Ehrenmann gab, so war Sigurd Hall senior einer.

Als einfacher Matrose hatte er seine Laufbahn be­gonnen, sich durch Fleiß und Kühnheit zum Schiffsführer aufgeschwuugen. Dünn hatte er um die einzige Tochter des'Reeders geworben, und das zarte Mädchen hatte gern ihre schmale, weiße Hand: in die kräftige Rechte des statt­lichen Kapitäns gelegt. Nach dem Tode des Schwiegervaters gab er aus Zureden der Frau die Schiffahrt auf und übernahm das Geschäft, begnügte sich aber, wie er sich selbst ausdrückte, damit, allesim alten Fahrwasser zu belassen".

Der Jugend kommt es zu, Neuerungen einzuführen", sagte er und nickte seinem Sohne zu, als dieser mit Gunhilda rasche an uns vorüberschritt.Und mein Junge, der wird es verstehen, der hat etwas gelernt. Eine ordent­liche ^kaufmännische Ausbildung hat er genossen gerade,

was seinem Vater stets gefehlt hat. Er wird- schon der alten Firma, neuen Aufschwung geben und die Beding­ungen sind da. Glauben Sie mir's. So- einen geräumigen Hafen soll man weit und breit suchen, und wenn erst ein Werft angelegt wird, wo man Dampfer bauen kann; denn mit den Segelschiffen ist's nun doch vorbei aber halt, lieber Freund, .rennen Sie nicht so. Wir,können den Uebrigen nicht davon lausen. Mit Gunhilda ist das etwas anderes, die ist ja bei uns wie Kind im Hause. Die Mutter, na, kränklich ist sie ja immer und- kann nickst viel leisten, wird wohl den Sigurd gebeten haben, mit ihr ein Ende voraus zu gehen gern hat's meine Alte, wenn iHv das Mädchen in der Wirtschaft beisteht. Und schaden thut es keinenfalls, wenn das junge Ding sich im voraus damit vertraut macht, wie alles in einem großen Hause. sein muß. Mau kann ja nie wissen, wie es kommt", und- er zwinkerte schlau mit den kleinen, runden Augen.

Ich ballte heimlich die Faust- und biß mich auf die Lippe.. Ter gute Mann fuhr aber, unbeirrt durch mein Schweigen, in seinen Mitteilungen fort, ohne zu ahnen, wie sehr er seinen unfreiwilligen Zuhörer auf die Folter spannte.

Da wird- erst Leben im Hause, wenn eine junge Frau hier herumwirtschaftet und kleine Enkelchen munter herum­trippeln. So- ist es ein trauriges Leben für ein junges Blut, und selbst mir wird es mitunter gruselig zu Mut in den alten Zimmern und weitläufigen Treppengängen."

Erleichtert atmete ich auf, als wir endlich an Ort und Stelle waren und sich die Uebrigen zu uns gesellten.

Die Wirtin, eine zarte, feine Erscheinung- im schwarz- seidenen Kleide, kam uns im Söller entgegen und bewill- kommnete uns mit matter Stimme, als strengten sie selbst die wenigen Worte an. Trotz des warmen Tages hüllte sie sich fröstelnd in einen dicken Shawl, und man wußte nickst, was weißer war, die Spitzen ihrer Haube oder ihr blasses Gesicht. Nur wenn sie ihren Sohn -oder Gatten änsah, glitt eine leichte Röte über die eingefallenen Wangen, und- ich wußte jetzt, von wem Sigurd dies seltsam ver­schönernde Lächeln, diese klaren, treuen Augen geerbt hatte.

Sie nötigte die Pastorin in die Sofaecke und sagte, nachdem wir alle unsere Plätze in dem geräumigen Garten­zimmer eingenommen hatten:Unsere liebe Gunhilda läßt sich's wieder nicht nehmen, gleich nach dem Rechten zu sehen, damit ich mich ruhig den Gästen widmen kann." Und Sigurd hilft ihr?" lachte der Leuchtturmver­walter.

Die Frau lächelte still, und ihre Augen schimmerten in feuchtem Glanze.

Ich sah sie heimlich die durchsichtigen Hände falten, und ihr mildes Gesicht hatte einen Ausdruck, als bitte sie