Ausgabe 
7.5.1901
 
Einzelbild herunterladen

256

feileren Duftstoffen, so sind diese doch immer noch nicht so billig, wie es im Interesse eines allgemeinen Verbrauches von Parfums wünschenswert wäre. Für die Riechstoff- indusrrie war es daher überaus wichtig, daß bald darauf die Entdeckung gemacht wurde, daß eine Modifikation des Ge­raniols, nämlich oas Geraniäl in einer großen Anzahl auf unseren Feldern und Rainen wildwachsenden, fast wert­losen Pflanzen, nämlich im Lawendelkraut, im Quendel, in den Aruantaceen und in sämtlichen Lorbeergewächsen ebenfalls in großen Mengen vorkommt, und mit dem Hauptbestandteil des Citronenöls, dem Citral identisch ist. Die Scheidung und Vereinigung dieser Duftprinzipe wird unzweifelhaft in nicht ferner Zeit dazu führen, ein dem natürlichen Rosenöl völlig gleichwertiges Produkt sehr billig herzustellen, und in diesem Augenblicke werden oie Rosen­gärten des Balkans und Orients ebenso sicher aufhören zu florieren, wie dies nach Erfindung des Alizarins mit den europäischen Krapppftanzungen ergangen ist, und nach Ent­deckung des künstlichen Indigos augenblicklich mit den ost­indischen Jndigoplantagen geht.

Ein weiterer Fortschritt in der Reihe der hierher ge­hörigen Entdeckungen stammt von Professor Thiemann, der den Duftstoff der allgemein unter dem Namen Veilchen­wurzel bekannten Wurzel der florentinischen Schwertlilie (Iris florentina) untersucht, und dabei aus WO Kilo­gramm dieser nicht gerade teueren Droge etwa 30 Gramm eines Duftstoffes namens Jron gewann, der große chemische Verwandtschaft mit dem obengenannten, billigen Citral zeigte. Durch weitere Behandlung beider Substanzen gelang es ihm, einen von ihm als Jonon bezeichneten Stoff zu gewinnen, welcher mit dem Duftstoff der Veilchen völlig identisch ist. Vorläufig gehört dieses Jonon allerdings noch zu den teuersten aller bekannten Stoffe. Von einer zehnprozentigen Lösung desselben kostet das Kilogramm 800 Mark, was einem Werte von 8000 Mk. für das Kilogramm der reinen Substanz entspricht. Trotzdem ist derselbe in der Parfümerie heute schpn geradezu unentbehrlich geworden; außerdem spottet auch feine Ausgiebigkeit jeder Beschreib­ung. In konzentrierter Form riecht es schwach! nach Cedern holz; bei starker Verdünnung nimmt er einen Himbeer artigen Geruch, an und erst, wenn man die Verdünnung noch viel weiter fortgesetzt, tritt der eigenartige Veilchengeruch auf.

Aehnliche Beziehungen bestehen zwischen Jasmin, Neroli öl, Tüberosenöl und dem Dufte der Fliederblüten. Zum Teil entsteht ihr eigenartiger Geruch dadurch, daß sich Substanzen in inniger Verdünnung dabei befinden, die sonst zu allem anderen eher als zu den Wohlgerüchen ge­rechnet werden. So dürfte es wohl nur wenigen bekannt sein, daß sich im süßduftenden Jasminöl das Indol vor­findet, ein Körper, welcher allein einen geradezu wider­wärtigen Geruch hat, und sich in fast alten Tierkoten und jenen des Menschen vorfindet.

Höchst eigentümlich ist es ferner, daß bei den meisten gemischten Parfums eine mehrwöchige Lagerung nach der Zusammensetzung ebenso veredelnd auf das Produkt wirkt, wie die Kellerlagerung im Fasse auf den Wein. Ein Bei­spiel hierfür ist das Heliotrop, an dem auch eine ungeübte Nase eine Aehnlichkeit mit Vanillin und eine solche mit Bittermandelöl erkennt. Mengt man die letztgenannten Stoffe in geeignetem Verhältnis, so riecht man zwar zunächst noch beide Grundstoffe deutlich heraus; nach einigen Tagen bis Wochen hat sich jedoch der spezifische Heliotropgeruch herausgebildet. Das meiste Heliotropin wird jedoch heute aus Safrol, einem Hauptbestandteile des Sassasrasöles und einem Nebenprodukt bei der Kampherfabrikation hergestellt, während man es früher aus Piperin, einem Bestandteile des Pfeffers, gewann. Die Billigkeit des jetzigen Ausgangs­materials ist nun der Grund, daß, der Preis des reinen Heliotvopins von 2000 Mark auf 35 Mark stürzte, und ähnlich wird es gewiß in der Zukunft einmal mit allen anderen Duftstoffen gehen, die wir heute noch! zu den größten Kost­barkeiten rechnen.

Wenn uns das Frühjahr nun wieder in reichen Mengen Blumen in die Häuser bringt, erhebt sich aufs neue die oft erörterte Frage, ob Blumenduft der Gesundheit zu­träglich fei. In konzentrierter Menge ist dies unbedingt

VfetaftUa: ». umt Berfag der BrWW« 1

zu verneinen; denn nach längerer Einatmung von Wohl­gerüchen tritt oft Kopfweh auf, und an dem Gedichte von der Blumen Rache" ist etwas Wahres. Stark duftende Pflanzen füllten wir daher zum mindesten aus dem Schlaf­zimmer verbannen. Im übrigen aber gehören Blumenduft und Parfum zu jenen Dingen, die man ebensowenig leiden­schaftlich erstreben, wie angstvoll fliehen sollte. Sie sind kein unabweisbares Bedürfnis ivie Essen und Trinken, aber in der maßvollen Form, wie sie von den meisten Menschen genossen werden, sind sie ein Zeichen der Kultur uno ein bescheidener Luxus, der wohlgeeignet ist, einen Beitrag zur Verfchönerung unseres Daseins zu leisten.

Bewegungs-Spiele.

Tas große Buch der Bewegungsspiele im Freien von E. v. R a u ch Verlag von Hugo Steinitz, Berlin S.W., Charlottenstraße 2. Mehr und mehr wird durch, einsichtsvolle Schulverwaltungen jetzt dafür Sorge getragen, daß neben der geistigen Ausbildung der Jugend auch der körperlichen Pflege durch Turnunterricht, Jugend- und Sportspiele ihr Recht wird. Alle diese Hebungen sollten aber auch, nicht nur während der Schulzeit, sondern auch in späteren Jahren fortgesetzt werden, damit die durch anstrengende Berufsarbeit erschlafften Nerven die nötige Auffrischung erhalten. Tie vorliegende Sammlung der Be­wegungsspiele möchte aufs neue Anregung und Vorschrift dazu bringen. Sic enthält alle wesentlichen Jugend- und Sportspiele, wie sie Eltern mit den Kindern, Lehrer mit den Schülern, Erwachsene unter sich spielen können. Die Reichhaltigkeit der Auswahl wird jedem willkommen sein. Die Genauigkeit der Beschreibung auch der schwereren Sportspiele ist anerkennenswert. Allen denen, die über Lawn-Tennis, ßroquet, Fußball, Base­ball, Laufspiele, kleinere Ballspiele u. s. tot Belehrung suchen und die Regeln der Spiele kennen lernen wollen, fei b i e Sammlung aufs wärmste empfohlen. Ter Preis beträgt n u r M k, 1.50.

Mumenpflege.

Blumen im Schatten. Heute, wo fast jeder Zoll Landes der Bailspekulation zum Opfer fällt und sich eine Mietskaserne an die andere reiht, schätzt sich der Städter glücklich, wenn für ihn noch einige Quadratfuß Landes als Garten" übrig bleiben, der aber, von hohen Häusern ein­geschlossen, meist keinen Strahl Sonnenschein bekommt. Durch Mißerfolge entmutigt, verwandelt der unglückliche Besitzer auch noch dieses Stückchen Natur in Hofraum.

Es giebt nun aber. doch noch, einige anspruchslose Pflänzchen, die tri so ungünstigen Verhältnissen gedeihen, ja sogar noch blühen. Es sind dies vor allem zur Familie der Steinbrechgewächse gehörende Arten, die, moosartige Polster bildend, sich überreich mit einem förmlichen Schleier von Blüten bedecken. Dann vor allem die so formen- reichen Freilandfarne und Waldmeister, dernebenbei" auch noch zit einer schmackhaften Bowle Verwendung finden kann. Von wirklichen Blütenpflanzen sind die Toronicum hier zu erwähnen, teilweise bis 70 Zentimeter hoch werdende, früh treibende und früh blühende mehrjährige Gewächse. (Nr. 17 des Praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau Frankfurt a. O.).

Gleichklang.

Nachdruck verboten.

Mög's zwischen uns nie kommen, O Freund, zum Rätselwort. Der Jäger hat genommen Es sich im Walde dort, n Ost macht cs Kopfzerbrechen. Wcr's hat, dem schafft es Pein. Ich kauft es im Gebirge, Es gibt manch schönen Stein.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Anagramms in vor. Nr.: ELBA LABE BELA ABEL

K>»ch' ma GteiudruSerei (Pietsch Urten) in Gieß««.