Ausgabe 
7.5.1901
 
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Imbiß nicht verschmähen, den wir Ihnen M bieten ver­mögen."

Ich kam, um die Herrschaften zu Tische zu bitten", erwiderte das junge Machen.Es ist alles bereit."

Mit einer galanten Verbeugung bot der Hausherr Hanna seinen Arm.

So bitte ich um die Ehre, mein gnädiges Fräulein! Es wird nur eine Art von Jägermahl sein, wie ich vermutete. Aber in dem Briefchen, das Ihr Bruder uns heute vormittag schickte, hat er sich ausdrücklich alle fest­lichen Veranstaltungen zu Ihrem Empfange verbeten."

(Fortsetzung folgt.)

Könige im Reiche des Blumendufts.

Von Otto W e h g a n d.

(Nachdruck verboten.)

Muhammed, der Begründer des Islams, der sich wohl auf die Kunst verstand, seinen Gläubigen die Freuden des Paradieses in dem Sinne auszumalen, in welchen! sich die Lebenskunst des Orientalen bewegt, meint nicht mit Unrecht, das köstlichste seien die Frauen und die Wohl­gerüche. In der That können wir uns den geheimnisvollen sonnendurchglühten Orient kaum vorstellen, ohne an die Gärten ausTausend und eine Nacht", durchwogt von einem Meere wunderbarer Pflanzendüfte, und an Marmorhöfe mit kühlenden Springbrunnen zu denken, an deren Bassins schwarze Sklavinnen den schönen Leib der Haremskönigin mit Rosentvasser und köstlichen Salben parfümieren. Auch zur römischen Kaiserzeit und int Mittelalter war der Ge­ruchssinn in der vornehmen Welt hoch entwickelt, und führte beifpielsweise in den reichen Handelsstädten des deutschen Süden im 15. Jahrhundert zu derartigen Uebertreibungen, daß sich die Obrigkeiten derselben zur Androhung schwerer Strafen gegen die nnsinnigen Auswüchse dieses Luxus ver­anlaßt sahen.

In der Gegenwart ist die Freude an den Wohlgerüchen stark außer Mode gekommen und fast zur ausschließlichen Domäne des weiblichen Geschlechts geworden; denn das High-life duldet einen Tropfen Parfum auf der Männer­toilette fast nur noch beim Turf, also int Freien, wo das Pflanzenextrakt sich nicht besonders bemerkbar machen kann. Vielleicht liegt auch in dieser Verpönung aller wohlriechen­den Odeurs wieder ein Verfallen in entgegengesetzte lleber- treibungen; denn zwischen Uebertreibung bewegen sich ja überhaupt nur zu gern die menschlichen Neigungen, nament­lich auf dem Gebiete der Mode. So viel ist jedoch gewiß, daß der Unbefangene, der sich nicht dem Zwange der .Hoffahrt unterwirft, in den meisten Fällen ein Freund pflanzlicher Wohlgerüche ist, vielleicht nicht immer gerade jener durch; die Riechstoffindustrie hergestellten Triple- Extraits, gewiß aber dann, wenn ein frisches Frühlings­bouquet der lieblichen Kinder Florens oder eine wohl­riechende Topfpflanze unser Zimmer mit Duft und Farben­pracht erfüllt.

Die rechte Zeit des Blumenduftes ist der Lenz; denn wenn auch die Königin der Blumen, die Rose, in Hun­derten von Arten den Sommer hindurch bis in den späten Herbst hinein uns mit ihren Blüten erfreut, so öffnen doch die meisten dnftspendenden Pflanzen ihre Blumenkelche tn der Zeit vom ersten Beginn des Frühjahrs bis zu jenen Tagen, wo das Hochzeitsfest in der Natur vorüber ist und die sommerliche Zeit des Reifens beginnt. Bei Grasse in Südfrankreich, wo die Kultur der duftspendenden Pflanzen einen Umfang angenommen hat, wie sonst nirgends auf der Erde, beginnt Ende Februar die Veilchenernte, die bis Ende März dauert; dann geht es in den Gärten dieses para­diesischen Stückchens Erde einige Wochen ziemlich still zu. Im April aber beginnt bereits die über zwei Monate währende Erntezeit der Rosen, welchen sich im Mai die Orangenblüten und im Juni Jasmin und Tuberose zu­gesellen. Tann aber ist es so ziemlich zu Eitde mit der Blumenernte; denn in der sengenden Hitze vom Juli brs September blühen von den hochgeschätzten Tuftpflanzen nur noch die Reseda und die Akazie, welche letztere auch unter dem Namen Cassie wohlbekannt ist.

Die menschliche Nase ist und vielleicht muß man dies int Hinblick auf die entsetzlichen und abstoßenden Gerüche, welche leider die Mehrzahl bilden, als Wvhlthat betrachten

ein Sinnesorgan, das in der Entwickelung sehr zurück­geblieben ist, und mit dem Auge keinen Vergleich hinsicht­lich der Leistungsfähigkeit aushalten kann. Während auch der Ungeübte bei Mischfarben unschwer die reinen Grund­farben erkennt, aus welchen diese zusammengesetzt sind, bedarf die Nase zumeist einer erheblichen natürlichen Ver­anlagung und großer Uebung, um die qualitative Zu­sammensetzung eines Geruchs zu unterscheiden, und des­wegen war die Parfümeriekunst der Vergangenheit auch stets eine reine Erfahrungswissenschaft. Um einen Geruch zu bestimmen, gebrauchen wir immer Vergleiche und sagen z. K., daß uns der eine an Rosen, ein zweiter an Veilchen, ein weiterer an bittere Mandeln, Ananas, Maiglöckchen oder dergleichen erinnert. Der Duftstoff dieser Pflanzen ist aber durchaus fein einheitlicher Körper im chemischen Sinne des Wortes; eilt solcher riecht in der Regel ganz abscheulich schlecht, und bedarf erst der Mischung mit anderen Gerüchen und der Verdünnung, um einen der Nase wohlgefälligen Charakter anzunehmen. Die Chemie der Duft und Riech,- stoffe hat nun in neuerer Zeit die merkwürdige Thatsachq nachgewiefen, daß schon in der Blüte das dieser eigene ätherische Oel ein Gemenge sehr verschiedener Stoffe ist, daß es sich also hier ähnliche verhält, wie bei den künstlich hergestellten Parfums, für welche fünf bis sechs Riechstoff» die Grundsäulen des ganzen Gebäudes sind, während, ge­wissermaßen als Ausschmückung, um dem Parfum feine Eigenart zu geben, noch einer oder der andere der vielen hundert bekannten Riechstoffe hinzutritt.

Mit Ausnahme der Ambro und des tn fast sämtlichen künstlichen Parfums wenigstens spurenweise vorhandenen Moschus, zwei Körpern, welche dem Tierreiche entstammen, sind die beliebtesten Duftstoffe die der Rose, des Veilchens, des Jasmins, des Flieders (auch Hollerstrauch oder Syringa genannt), der Akazie, der Tuberose und Jonquille, einer Narzissenart. Sie finden sich in prozentmäßig verschiedener Zusammensetzung so ziemlich in allen Parfums, und es ist hochinteressant, daß sie, obwohl man aus ihnen die mannig- faltigsten Riechessenzen von sehr verschiedenem Charakter Her­stellen kann, in naher chemischer Verwandtschaft stehen, so daß die Ueberführung des einen Duftstoffes in den anderen und die synthetische Herstellung derselben auf künstlichem Wege teils bereits gelungen ist, teils aber ein Problem ist, dessen Lösung in naher Aussicht steht.

Am eingehendsten hat man sich natürlich mit dem Rosenöl beschäftigt. Auf den Gefilden von Kaschmir, um Ghazipnr am Ganges, bei Medinet-el-Fayunt in Aegypten, bei Schiras in Persien wird seit alten Zeiten Rosenöl in erheblichen Mengen gewonnen. Dieses Produkt kommt jedoch nicht auf europäische Märkte, sondern verliert sich in den Harems der inuhamedanischen Welt, bereit Bedarf es kaum zu decken im stände ist. Was Europa von diesem be­rühmten Duststoffe verbraucht, stammt fast ausnahmslos aus dem heutigen Fürstentum Bulgarien. Am südlichen Ausgange des Schipkapasses, in der Umgebung von Kazanlik sind auf viele Meilen hin die nach Süden zu sich öffnenden Thäler des Balkans mit Rosenplantagen bebaut, bereit Blüten in 120 Dörfern auf 2500 Destillierapparaten $u Oel verarbeitet werden und etwa 2800 Kilogramm Oel liefern, deren jedes einen Durchschnittswert von 600 bis 800 Mark hat. Seit einigen Jahren gewinnt man aber auch aus deutschen Rosen in erheblichen Mengen ein Oel, das noch ungleich feiner ist als d«s türkische bezw. bulgarische, und der Umgegend von Leipzig entstammt, wo die Firma Schimmel u. Co. die Rosenkultur in großem Maßstabe be­treibt. Aus diesem Oel hat nun ein Breslauer Chemiker als hauptsächlichsten Duftstoff einen zur Gattung der Al­kohole gehörigen Körper, das Rhodinol gewonnen, welches die gleiche chemische Zusammensetzung hat wie das schon früher bekannte Geraniol, das Duftprinzip des als Surro­gat für Rosenöl seit langem verwandten Geranium- ober Judischgrasöles. Die gleichen Stoffe hat man aber auch in zwei amerikanischen Pflanzen, der Bnrsera Delvechiana und der Sicari Guyanensis entdeckt. Die Differenz im Ge­rüche der aus diesen Pflanzen hergestellten ätherischen Gele beruht nur darauf, daß ihnen in geringen Mengen noch anders geartete Duftstoffe beigemengt sind, deren ge­nauere Erforschung nur eine Frage der Zeit ist.

Schlägt sich hier also eine Brücke vom Roflmöl zu Wohl-