195
Wie dumm man doch eigentlich aufwächst da heraußen! Meint man, weiß Gott, was Heiliges, Vornehmes so ein Besitz rst, und zuletzt ist er so, wie eine andere Ware auch
Johannes starrte oft sprachlos auf dieses Wunder, wie man im Handumdrehen einen ganzen Wald aus dem Lande schleppt.
Und dicht hinter dem Heer der Faller folgte ein zweites, das der Aufräumer. Die Gesellschaft hatte eine
„Wenn er die hundertfünfzigtausend Mark bekommt, selbstverständlich!" erklärte Polentz.
„Ist das so, Matthes?"
„G'rad a so, wia der verlang i."
„Und der Ferl, dem Bauer pom Wald?"
„<sa, dann — Johannes erhob sich. Dann freili, aber ihr muaßt schon verzeih'n, der alte Kopf pariert nimma recht. G'rad a bißl Zeit brauch' i. s' is do z'viel gewes n auf emmal. Morg'n, Herr Polentz, red'n wir wett'r d'rubr."
Schweren Trittes, tief gebeugt, verließ er die Stube.
Polentz' Augen blitzten freudig auf. Triumph malte E..semen fleischigen Zügen. Er nickte zufrieden, als die Thure sich hinter Johannes schloß, dann reichte er mit einer raschen Bewegung Matthes die Hand. „Brav hast Du Derne Sache gemacht. Jetzt sollst Du einmal was erleb n, und die Wanda dazu! Die versteht 'wasl vorzustellen, die ganze Stadt soll auf euch- zwei sehen. Nur Vertrauen, Matthes, blindes Vertrauen verlange ich "
Matthes traten die hellen Thränen in die Augen so strömte das Herz ihm über von Dankbarkeit gegen diesen Mann, der ihm die Thore des Lebens weit öffnete.
Der Schlag hatte begonnen. Von allen Seiten zugleich erfolgte der Angriff. Den ganzen Tag über tönte Axt- schlag, Sägegeräusch, der dumpfe Aufschlag der gefällten Bäume.
liche Tänzerinnen zu einem gemeinsamen Tanz vereinigen und,,so em höchst malerisches Gesamtbild bieten würden, erfüllt sich Nichts In Gruppen haben die Eltern und Groß- stanzt, rn Gruppen tanzt auch die gegenwärtige Generatwn Megaras. vierzig bis fünfzig Tänzerinnen reichen sich kreuzweise zu einer festgeschlossenen Kette die ^und und beschreiben, von der Bortänzerin geleitet, unter rhytmischen Bewegungen des Körpers und gleichmäßig nach vorn und zur Seite ausschreitend, langsam einen großen Kreisbogen. DieLetzte in der Reihe singt dazu eine eintönige, altertümliche Weise, die man, einmal gehört, nie wieder pergessen kann. Bisweilen fallen andere mit Heller ^sZUwe ein. diesen Tanz, der in hohes Altertum hinaus- begleiten taktgemäß die unter den Röcken hervorblickenden und m allen Farben schimmernden, silberbestickten Sammetpantoffeln nut dem Aufschlagen ihrer Absätze auf den harten Felsboden. Das ist ein Rauschen verschiedenfarbiger etrüJje' des graziös um die Häupter geschlungenen
golddurchwirkten Schleiers, ein Blinken der Hals uitb Arme »ütfenben Ketten und Spangen! Und was für prachtvolle Kostüme! '
n . Einesteils hatte er ja Respekt vor der Gewissen-
. ""^urum denn net? kann ihn do net mitnehma I Hastigkeit des Burschen, der hinter dem Rücken des Vaters md Stadt — den Nam'! Das wirst do einseh'n, Vater. I daS Verhältnis offenbar nicht fortsetzen wollte. Anderer- Air langt der Attinger." . I seits ärgerte er sich darüber, besonders wenn er sehen
Auf das braunsammtene Mieder mit reicher Silber- stlckerer an den Schultern, Aermeln und Säumen fallen drei
vreite, blauseldene Bänder herab, auf denen eine Fülle , awcucs, vas oer uuiraumer yjte wewinwau MSM I
SHnure mit Srlbermunzen darüber hinziehen. Eine dunkel-
^Nstvoll Mit Blumen bestickte Sammt-Schürze hebt sich wirkungsvoll von dem weißen schweren Atlasrock ab und den Zöpfen, von denen massive silberne Schmuckstücke
Sä । s&’ä «'äts
einmal ein Fe,ttag zu Ende gegangen ist._______________ Lange saß er vor den aufgchäuften Rollen. Am Ende
~~ I to?r es ja ehrlich erworbenes Geld, die Frucht einer jahr-
f*s ry» N achdruck verboten.) I zehntelangen Arbeit und Sparsamkeit.
4)CT ^ödUCT ttottl zLsflln I 5? begann in seinem Innern unbewußt ein Um-
Wnhprr» 7? or ♦ | Wandlungsprozeß, die dämonische Gewalt des Goldes wirkte
Novelle von An ton v. Per fall. I auch auf diese starre Natur, vielleicht um so gefährlicher
\ I weil sie förmlich überrumpelt wurde davon.
., ,.., irrortfetzung.) 1 Mutter und Tochter Polentz waren letzt htiebf-r rn>-
D "<7.^ ' ""Erbrach Polentz die Antwort. I Sommerfrische im Hause. Johannes verstand sich in diesem
ftihfeUArt°i?rkberDie paar Grund- I Jahre viel besser mit der Braut, welche ihn mit allem chUae . Das verlohnt sich doch nicht mehr. Oder wollen I erdenklichen, ihm völlig unbekannten Aufmerksamkeiten be- roicbcr **• ** M,te' « Ä ’WÄ
Ujk^dir Nix - Herr Polentz, der Hof g'hört I Er hatte jetzt nur noch eine Sorge die Zukunft des ^zweihundert >;ahr die AltiNgers. Wissen S' das? fragte I Hofes. Viele Ansprüche waren damit nicht zu machen aus derbes wie Thränen klang. I sobald der Wald weg war. Die Oekonomie ^war unbe-
L ntz lächelte überlegen und zuckte die Achseln. „Aber I deutend, und bei der Lage des Hofes nicht einträglich Lbttte Sie, lieber, guter Mann, lassen Sie doch die I somit war am Ende der Ferl gut genug, abqesehen^von Scherze. Wer kümmert sich denn daimm, .heutzutage." ! der Liebe der Rosk zu ihm. 0 ' 9 " DOrt
Äfnrf'brhob sich. Er mußte sich auf seinen l Aber der Ferl war immer noch nicht da. Er war
$ s "A?Ut£m re mt brum, verstand'«, Herr I einen festen Arbeitsvertrag eingegangen, und mußte seine Polentz, i der letzte Bauer vom Wald, wia i merk." I Zeit abwarten, schrieb er 0 P 1
Der dicke Mann schrumpfte förmlich zusammen vor | Am Ende lag aber die Sache doch anders. Scklimme b Jhochaufgerichteten Gestalt des alten Bauern. I Gerüchte gingen von dem liederlichen Volk, das sich draußen
"dfUU' bann gut. Zu was denn die Erregung? Wenn I in dem Nonnenrevier mit den Arbeitern eingenistet' dazu Sie nicht anders wollen — dann bleiben Sie in Gottes I kam die verderbliche Nähe der Stadt mit ihren Verlockünaen Nawen hier. Wir können uns ja einigen -" Wenn der Ferl dem allen zum Opfer fiel in ftinkm Lm
bas ganze Zeug!" platzte jetzt I und Zorn? Dann hatte er ihn auf dem Gewissen
Matthes ärgerlich heraus. „Sie soll ihr'n Ferl heirat'n. I Und er hatte sich schon ganz hineingelebt in den dann?"« langt s no, meinet t. I verlang kei Staud'n I Gedanken; ja, es war ihm plötzlich, als könnte er keinen
r • ~ . ... m £ _ | geeigneteren Bewerber um Rosls Hand finden als den
Johannes sah seinen Sohn mit einer Art von Staunen | Sohn des alten Grimm.
b^'Alcht st also auf den ganz'n Hof? Is das I Auf dem tiefsten Grunde seines Herzens regte sich eine 8
- I unbestimmte freudige Hoffnung, der er selbst keinen Namen
zu, geben wagte, die aber in inniger Beziehung stand zu dem Ferl.
fragte Johannes noch einmal. | Grimm wußte keinen Bescheid. Der Zunge haßte das Polentz sagt. Kein Staud'n I Schreiben wie der Vater, und beschränkte seine Mitteil- | ungen auf das äußerste. Die Rosl aber wußte erst recht
Holzknecht sein Sohn, wird | nichts. '


