Ausgabe 
7.4.1901
 
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Griechische Ostern.

Von PanlElsner -Athen.

feierlichen Auferstehungsmesse beizuwvhuen. : tiefes, schweres Dunkel, Mitternacht ist nahe. um hohen Kirchenfenstern fällt Heller Lichterschein auf die tausendköpfige, in atemloser Spannung draußen wartende Menge, die keinen Platz im Innern des Gotteshauses hatte Nuden können. Sie hält abermals Kerzen in den Händen die aber diesmal noch nicht angezündet sind, und lauscht andächtig auf das gedämpft zu ihr hinausklingende Gebets-

^uurmeln der Geistlichen. Nun dröhnt dumpf die Mitter- NLchtchtunde vom Turm. Da jagen Wagen durch die aus- gestorbenen Straßen und halten vor dem Portal der Me° tropollskirche, die königliche Familie mit dem Ministerium und Hofstaat rst eingetroffen und wird von dem Metro- polrten an der Spitze eines langen Inges geistlicher Würden­träger begrüßt. Sämtliche Geistliche haben im Gegensatz zu den übrigen Anwesenden brennende Kerzen in den Händen, und wahrend der Metropolit mit weit über den Platz hin- sthallender Stimme dem König und dem harrenden Volk die Freudenbotschaft verkündet:Christas anesti", Christus ist auferstandeu, entzündet er an seiner Kerze die dem König bei seiner Ankunft überreichte Kerze. Damit hat er das Zeichen gegeben, daß all die großen und kleinen, die dicken und dünnen Lichter wie mit einem Zauberschlage in einem einzigen blendenden Freudenschein auf flammen, in ein wundersam wogendes, weihnachtlich anmutendes Lichtmeer zusammenfließen, das für die nun auch in den Herzen auf­gegangene Helle und Freudigkeit symbolisch sein soll. Aber d-ese innere Freudigkeit findet auch ihren echt südländischen lärmenden Ausdruck. Denn nun erdröhnt die bis zu diesem Augenblick noch totenstille Stadt vom Donner der Kanonen, dem Geschmetter der Musik, vom Jauchzen des freude­trunkenen Volkes, jung und alt, arm und reich sinkt sich zum Austausch des Bruderkusses in die Arme, und alle Feindschaft ist für diese Stunden wenigstens begraben. Alles eilt nun nach Hause: Die Frauen, die von den Gallerien herab das heiße Wachs ihres Lichtes gewissenhaft auf die Hute der Männer hatten herabtropfen lassen, die Männer dre im Taumel ihrer Freude ihre Pistolen abschießen, und die Kinder, die schon im Gotteshause beginnen, einen mit» genommenen schönen Bissen zu verzehren. Ja, überschweng-

(Nachdruck verboten.)

Dem griechischen Osterfeste geht eine vierzigtägige strenge Fastenzeit voraus. Diese Periode im Jahre ist gerade in Griechenland so durchaus unerquicklich, daß man seinen An­teil an den Daseinsfreuden in einem ausgelassenen, wenn auch vordem recht naiven und ländlich-sittlichen Karneval nach Kräften vorweg zu nehmen trachtete. Im Jahre 1899 aber erlebte Athen seinen ersten ganz nacheuropäischem" Muster zugeschnittenen Karneval.

Ist der letzte Fastnachtstrubel verhallt, dann beugt sich sung und alt demütig unter das Szepter des Schuitt- lauchs und der Zwiebel; dann ist dieveilchenduftende" Stadt des Perikles von Knoblauchgerüchen wehleidig gefüllt Daun malt sich eine tiefe Niedergeschlagenheit auf den vom Fasten gebleichten Gesichtern der Pallikare. Nicht mehr umsteht eine teilnahmsvolle und verständnisinnige Menge diis unter dem Messer des Schlächters ans der offenen Straße verendende magere Rind, nicht mehr trägt der Ministerialrat die prächtigen, in höchsteigener Person auf dem Markt erhandelten Fische heim. Und darum durch­zuckt em herber Schmerz die dem Fleisch- und Fischgenuß fanatisch ergebenen Herzen derSöhne der Klepliten" wahrend der Fastenzeit vor Ostern. Aber dies melancho­lische Knuspern an trockenem, durch eine Zuthat von Ziegen- kase etwas genießbar gemachtem Brot, dieses wehmütige Versenken in Schüsseln, die mit Oel beträufelte Kräuter- massen enthalten, wird doch wenigstens durch die Aussicht stuk den Himmel versüßt. Tenn mau glaubt, durch, diese Selbstkasteiung ein Gott wohlgefälliges Werk zu khnn. , -------------o-,.....

Die Besitzer von Schafherden aber, die aus Erfahrung I "w ist der Nachkomme des Perikles in seinen Freuden­wissen, welch ungeheurer Fleischkonsum für die Ostertaqe I ansbruchen! Tie ganze Nacht kommt er nicht zur Ruhe, und bevorsteht, kommen inzwischen von ihren Bergen und I ,nuf^ Ostersonntage widerhallt die Stadt trotz des polizei- Thälern, aus Dörfern und Gehöften nach der Hauptstadt I Mjen Berbpts von Flinten- und Revolverschüssen. Es kom- um dort ihre kläglich blökenden Sammlern den Meistbieten- i babei immer viel Menschen ums Leben. Aber was den zu überlassen. Denn selbst in den ärmsten Familien I thut das? Es knallt so schön. Und bann; es sieht ja nie- wo es das ganze Jahr über nur Oliven zu verspeisen und I ~an,, denn die Schüsse werden vorsichtshalber aus den klares Wasser zu trinken gießt, will man zu Ostern ein I den Höfen, ja selbst durch die Kamine abgefeuert,

lebendes Lamm haben, um es selbst verbluten und braten zu I - tcach dem Kirchgang nimmt am Ostersonntag die Braten­sehen. Und da lassen sich denn die unschuldigen Tiere I 'ra$e gesamte Familie voll und ganz in Anspruch Das ahnungslos auf den Schultern der wackeren Familienväter I OPferlamvi hat schon am Tage vorher sein Leben davontxagen, um von der verhungerten Kinderschar mit I'e? wüsten. Nun schaufelt der Hausvater mit Bedacht ungestümer Freude willkommen geheißen zu werden. I _etne. Grube aus, steckt zwei Pfähle hinein, legt

Tie mit den letzten Fasttagen naturgemäß immer mehr I «raiw® darüber, füllt die Grube mit

verdüsterte allgemeine Stimmung spiegelt sich in dem faß I Holzkohle und dreht dann den Spieß mit liebe-

schauerlich anmutenden Gebrauch 'Ver von den ein^nen I m Sorgfalt und kundiger Hand Über der Glut, bis das Kirchgemeinden Athens in der Nacht des Karfreitags voll- I "re- " ?bge,ln der Kunst gebraten ist.

tzogenen Grablegung Christi wieder. Tiefes Tunkdl lastet I Kn i Ostervergnugen besteht auch in dem

auf den ausgestorbenen Plätzen der Stadt. Angstvoll real I Sf ieJ'Seiartten Ostereier aneinander zu stoßen. Wessen der Pfefferbaum sein nervöses Laub. Und dann naht es I tvm;Cre Z^bricht, hat es dem Besitzer des widerstands- ein Singen und Klingen, ein einförmiger trüber ®efana' I ,®te§ a^uMern. Diesem obliegt nun wieder die wie er an offenem Grabe erschallt! Immer stärker schwillt I Verpflichtung, das gewonnene Ei auf der

er an, um endlich machtvoll und ZchÄtteK durch bie I Z^e zu verzehren. Die Leistungsfähigkeit der grwchi- tiefe Stille hinzubrausen. Welch flackerndes Lichtermeer, I £ Äßen * ^^whung durfte einzigartig in der welch dustere, tm unsicheren Kerzenschein noch bleicher aus- I .

sehende Gesichter! Um die schwarze Bahre mit dem Kreuze I versammelt stch das athenische

Christi drängen sich die Popen, und in langen Reihen folaen Iem 0^1^010116« ^upiterplatz mit seinem köstlichen die Gläubigen, mit brennenden Kerzen in den Händen ge- I 6s""e' i-otJin0e Meer und die hochragende

messen und ernst gesenkten Hauptes dahinwandelnd 'Nur I erhabene Akropolis, um durch Tanz

wenige Minuten und wieder ist der gespenstische Zug im I , ete tiachfeier des Osterfestes nach seinem Ge-

Schoße der Nacht Verschwunden. Andere Züge nahe/und I -fZs' "ü Besonders charakteristische Züge

entschwinden wie der erste in der Richtung der vericbie- I [t"^(Aa9,er Glicht vorhanden. Diese haben jedoch die denen Kirchen, wo die betreffenden Gemeinden nach solchen I auJ £en Zweiten Feiertag fallenden

die Grablegung Christi symbolisch andeutenden Umaänaen I Ostertanze tn hohem Grade aufzuweisen. Und

tee"naeme,,c b"6"" «-»als T-mp-q-rLchk.it p-angLd- 2 'd-m hEgfn Hch" Aus den | des Zeus umrauschte alte Megara einen bezaubernden An-

Dud gewahrte, macht die neue, reizlose, ja unschöne Stadt emen wenig ansprechenden Eindruck.

,Den Vormittag über wird seit Jahrhunderten außer- der Stadt im grünen bei einem Kirchlein getanzt,

die Fortsetzung der Tänze aber nachmittags auf den Markt­platz verlegt. Die naturgemäße Erwartung, daß sich sämt-