Ausgabe 
7.4.1901
 
Einzelbild herunterladen

Zum Hfterfeste 1901.

Bon Alwin Römer.

(Nachdruck verboten.)

Gottlob, aus langer Winternacht, Aus schweren, sturmdurchbrausten Träumen Ist wiederum die Flur erwacht! . . .

Der junge Saft treibt in den Bäumen Und sprengt der Knospen braunes Kleid; Schon grüßt in lichtem Blätterschleier Die Erle Dich, und weit und breit Schmückt sich die Welt zur Frühlingsseier!

Des Ackers schwarze Krume bricht, Und aus den tausend schmalen Fugen Drängt Halm an Halm sich keck ans Licht, Um in die weite Au' zu lugen! . . . Am Waldrand grüßt, vom Wind bewegt, Die weiße Frühlings-Anemone, Und Ostergrüße für Dich trägt Der Himmelsschlüssel gold'ne Krone! . . .

Den Wald durchklingt's in Dur und Moll, Die Lerche jauchzt vom Himmelsbogen;

Längst sind die Starenkästen voll;

Sein Radnest hat der Storch bezogen;

Aus dunklen Hüllen krochen auch Schon Falter, sich am Licht zu freuen: Des Lenzes warmer Lebenshauch Will überall die Welt erneuen!

So hehre Wunder sind gescheh'n, Laß Deine Seele mit frohlocken Und Hoffnung Dir die Brust durchweh'« Beim Jubelklang der Osterglocken!

Auch Dich durchströmt Verjüngungskraft;

Woll' sie in Zweifeln nicht vergeuden: Der Geist, der all' die Wunder schafft. Taucht auch Dein Herz in Osterfreuden!

Froh wird Dein Sinn, Dein Auge klar, Wenn Du Dich ganz ihm hingegeben; « Du fühlst auf Schwingen wunderbar Den Alltagsnöten Dich entschweben!

Der Lerche nach, zu Gott empor. Strebst Du, erlöst aus Erdenbanden, Und jubelst mit dem Osterchor Der Krühlingswelt: Christ, ist erstanden! .

Christ ist erstanden!

Skizze von M. v. Berge.

(Nachdruck verboten.)

Osterglocken! Die Sonne scheidet mit einem flüchtigen Kuß auf die errötenden Hügel! Frühlingsahnung, Früh­lingsfriede, Frühlingsliebe, Frühlingsglaube! Süße Ahnung, holder Friede, sehnsüchtige Liebe und glückseliger Glaube malen sich auf den Zügen des jungen Weibes, das mit leichtem, flüchtigem Schritt den kleinen Hügel ersteigt. O, wunderschön ist Gottes Erde", jauchzt es in ihrem Herzen,und ich liebe ihn, lieb' ihn-

Christ ist erstanden!

Und die Erde grünte, blühte, xeifte ihre Früchte und bettete sich zum Winterschlummer! Und dann läuteten die Osterglocken wieder, die Auferstehungsboten! Lau streicht der Wind über die halberwachte Erde, die dunklen zerrissenen Wolken lassen hier und da ein grelles Gelb durch­blicken. Schwer geht der Atem des Mannes, der langsam den Hügel hinansteigt. Und dann steht er still, sein schwarzes Auge flammt, und der sausende Wind entreißt seinen Lippen die heftig hervorgestoßenen Worte: O, Maria! Warum schlossest Du mir die Lippen, Du stolzes, unglück­liches Weib! Du straftest hart, Dich und mich!" Und de» Wind trägt sie fort bis zu einem armen jungen Weibe, arm und verlassen inmitten ihres Reichtums

C h r i st i st e r st a n d e n!

Die Botschaft hör' ich wohl, allein

Und als es wieder Ostern ist, da trägt man zwei Männer zu Grabe, und dumpf tönen die Glocken. Der eine starb einsam, Maria, das war sein letztes Wort; Ostern war's in seinem Herzen geworden. Ein junges Weib steht am Sterbe­bette des andern, trotzdem stirbt er einsam, einsam und allein.

C h r i st ist erstanden!

Wieder ist's Osterzeit! Auf jenem Hügel steht ein schönes, großes Haus, das neue Kinderheim! Hier ist Friede und Glück! Die untergehende Sonne glitzert und leuchtet aus den hohen Fenstern. Und kosend legen sich die letzten Strahlen auf das schwarze Haar eines ernsten, milden Weibes, und sie lassen ihre Augen erstrahlen in feuchtem Schimmer, und sie tanzen von einem kleinen Lockenköpfchon zum andern und spiegeln sich in all den fragenden Kinder­augen, die strahlend auf die Dame gerichtet sind und ihr die Worte vom Munde ablesen. Die gläubigen, herrlichen Worte:C h r i st i st erstanden!". . . Und da fallen die Osterglocken ein und.reden eine Sprache, die mehr und besser als Menschonwort zum Herzen redet, Himmelstöne!

Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auf erstand en! Friede auf Exden!