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träumen; denn oer Rittmeister Mehering und die Ma- jorin Weserling mit Irma standen vor ihm.
Der Rittmeister bemerkte das jähe Erschrecken, und sein scharfer Blick streifte forschend über die Gestalt Elfes, die bescheiden zurückgetreten war. Die Majorin jedoch ergriff die Hand von Eitel Fritz. ,
„Mein teurer Herr von Petershagen", sagte sie, „Sie hatten die Aufmerksamkeit, uns von dem Wleben Ihres Herrn Vaters zu benachrichtigen — wir fühlen mit Ihnen den Schmerz, und wollten Ihnen unsere Teilnahme beweisen, indem wir zur Beisetzung des teuren Verstorbenen kamen. Nehmen Sie mein und Irmas innigstes Beileid und gestatten Sie, daß wir unser Beileid auch der Frau Baronin und Ihren Fräulein Schwester;, ausdrücken."
„Gnädige Frau — diese Ueberraschung — ich bin Ihnen außerordentlich dankbar . . ." stammelte Eitel Fritz, und küßte der Majorin die Hand.
„Auch mein innigstes Beileid, teurer Freund. — Sie wissen, daß ich mit Ihnen fühle. . ."
Irma stand stör ihm, und streckte ihm! die Hand entgegen. In ihren dunklen Augen flammte es auf, er fühlte, wie ihre Hand in der seinigen bebte, und sich in festem, krampfhaften Druck fest um seine Rechte schloß.
Tie Majorin war mit Arno an den Sarg getreten, der Rittmeister stand etwas abseits.
„Welch trauriges Wiedersehen, mein lieber Freund", flüsterte Irma ihm zu. „Aber auch diese Tage werden vorüber gehen — und dann. Eitel Fritz, dann liegt das Leben vor uns . . . ah, wie oft ich diese Tage an Sie gedacht habe!"
Wieder traf ihn der leidenschaftliche Blick ihrer Augen. Dann trat der Rittmeister näher, ein vertrautes Gespräch verhindernd.
Else Breymänn hatte still den Saal verlassen. Sie bemerkte wohl die jähe Ueberraschung Eitel Fritz, sein Erbleichen und fein Bemühen, sich zu fassen. Wer waren diese so plötzlich auftauchenden Damen aus Berlin? Mit dem feinen Gefühl des liebenden Weibes erkannte sie in der stolzen Erscheinung Irmas die Nebenbuhlerin, erkannte sie die Gefahr für ihre Liebe, und ein trauriges Gefühl beschlich sie. Schon oft hatten Zweifel ihre Seele gequält, ob Eitel Fritz ihr auch Treue halten würde. Freilich hatte sie ihn ja selbst gebeten, ihr nicht zu schreiben, dennoch hoffte sie von Tag zu Tag auf eine wenn auch noch so kurze Nachricht von ihm, aus einen kurzen Gruß, auf ein Zeichen, daß er ihrer gedachte. Die ganze Kraft ihrer eigenen tiefen Liebe mußte sie aufbieten, um die Zweifel stu seiner Treue, au seiner Liebe zu zerststeuen.
Jetzt kehrten diese Zweifel in verstärktem Maße zurück, als sie die Blicke bemerkte, welche er mit der stolzen, schönen Fremden wechselte, als sie das jähe Erbleichen feiner Wangen sah, dem eine tiefe Glut folgte.
Dann schsilt sie sich! wieder, daß sie an ihm zweifelte; MBec wenn sie sich sagte, daß er seit fünf Tagen in Petershagen weilte, ohne auch nur eine Minute für sic übrig gehabt zu haben, dann ward ihr das Herz doch schwer, und eine düstere Ahnung beschlich sie.
: . Langsam schritt sie dem Gutshof zu. Sie wollte an her offiziellen Trauerfeier nicht teilnehmen, zu der sich Bereits die Bekannten und Freunde der Familie vor; Nah und Fern versammelten.
Eitel Fritz hatte sich fo weit gefaßt, daß er die Majorin und Irma seinen Damen zuführen konnte. Frau von Petershagen machte allerdings ebt etwas erstauntes Gesicht, hatte sie doch nie etwas Von einer Majorin Weserling gehört, aber diese überschattete sie und ihre Töchter mit solch herzlicher Liebenswürdigkeit, und erzählte so viel von ihrem Verkehr mit Eitel Fritz in Berlin, daß sie zu verstehen glaubte, weshalb diese Damen zur Beisetzung ihres Gatten gekommen waren.
Irma schloß sich in schwesterlicher Vertrautheit Wanda und Ruscha an. Arno flüsterte seiner Braut zu, daß Eitel Fritz sehr viel in dem Hause der Majorin verkehrt habe, die außerordentlich resch sei, und daß man in Berlin, wie Rittmeister Mehering ihm erzählt, die Verlobung Eitel Fritz' mit Irma als nahe bevorstehend ansehe. Ruscha gewann dadurch Interesse an der schönen Freundin, die einen so vorzüglichen Eindruck machte, und als man sich zu der offiziellen Trauerfeier in den Saal begab, schnitten die Majorin chmd Irnich unmittelbar hinter, den Damen,
des Hauses, als gehörten sie zu den nächsten Bekannten der Familie.
Tie Trauerfeier nahm einen ernsten und würdigen Verlauf. Der Sarg verschwand fast unter der Menge den kostbaren ■ Kränze, und schier endlos war das Gefolge/ welches dem Verstorbenen die letzte Ehre erwies.
, Frau von Petershagen fühlte sich zu angegriffen, um! mrt nach der Familiengruft, welche auf dem Friedhofs des Dorfes lag, zu fahren; sie zog sich nach der Trauer- ferer mit ihrer Tochter Wanda in ihr Zimmer zurück.; Die Majorin und Irma blieben an ihrer Seite.
„Verzeihen Sie uns, meine teuerste gnädige Frau"/ sagte die Majorin, „wenn wir Sie in dieser schweren Stundei nicht allein lassen. Vergönnen Sie es uns, Ihren tiefem Schmerz zu teilen."
Die Baronin fühlte sich, in ihrem Stolze durch das aufmerksame, ehrerbietige Benehmen der fremden Damen angenehm berührt. Sie legte ihren Arm in den der Ma- jorin, und ließ sich von dieser fortführen.
Auf die Dauer vermochte sich ihre Natur dem fassungslosen Schmerz nicht hinzugeben, die trüben Tage bis zur Beisetzung lasteten schwer auf ihr, sie sehnte sich nach dem gewohnten Leben, und empfand das lebhafte, ablenkende Gespräch der Majorin als eine Wohtthat.
So fand denn Eitel Fritz, als er von der Beisetzung zurückkehrte, die Damen in ruhigem, gefaßten Gesprächs Er war wohl erstaunt, die Majorin und Irma bei feiner Mutter zu sehen, doch konnte er auch nicht umhin, die zarte Rücksichtnahme der Damen, die sich in ihrem Wesen; seiner Mutter und seinen Schwestern gegenüber kundgab/ anzuerkennen. An dem Gespräch! selbst vermochte er sich nicht zu beteiligen. Ihm war so weh ums Herz, daß er am liebsten die Einsamkeit gesucht hätte.
Der Rittmeister trat zu ihm.
„Kopf hoch, lieber Petershagen", sprach er leise. „Sie sehen schlecht aus —■ nach diesen traurigen Tagen kommen; wieder bessere Zeiten. Sie waren wohl sehr überrascht, uns zu sehen?"
„Allerdings..... ."
„Sie sind wenigstens offenherzig", fuhr der Ritt-- meister mit leichtironifchem Lächeln fort. „Aber auch un- dankbar, lieber Freund — beweist Ihnen unser Kaminen nicht, wie es um das Herz Fräulein Weserlings steht?"1
Mit finflorem Blick sah Eitel Fritz zum Fenster hinaus.; Ja, er war undankbar — Irma hatte ihm den Beweis ihrer Liebe gegeben, und er konnte ihr fast zürnen, daß sie gekommen war.
„Sie sind nun der Herr hier auf Petershagen", fuhr Mehering fort. „Ein prachtvoller Besitz und was läßt sich aus ihm machen, wenn Sie — na, ja, offen gesprochen — wenn Sie Geld in die Hand bekommen . .
„Ich bitte Sie, Mehering . . . ."
„Pardon! Ich will Sie in dieser Stunde mit solchen! Erwägungen nicht verletzen. Wer, mein Gott, schließlich hängt doch Mes in d"r Welt von der Zahlungsfähigkeit ab.. . . nichts für ungut, mein Bester. Ich glaube, es ist das Beste, wir empfehlen uns jetzt, dann können wir mit dem Nachtzug nach Berlin zurückkehren."
Er trat zu der Majorin, Und flüsterte ihr einige WortÄ zu. Sie erhob sich.
„Meine verehrte gnädige Frau", wandte sie sich äst die Baronin, „wir wollen Sie nicht länger stören — unser; Wagen wartet, der uns nach der Station bringen soll- Nochmals — verzeihen Sie uns, wenn unsere Teilnahme uns bewog, hierher zu kommen..^."
Ich bin Ihnen sehr dankbar, gnädige Frau. AU Freunde meines Sohnes, der so viel in Ihrem Hause verkehrte, waren Sie mir herzlich willkommen."
Die Majorin umarmte Wanda und Ruscha; Irma küßte der Baronin ehrerbietig die Hand.
„Willst Du die Damen nicht zum Wägen begleiten/ Eitel Fritz?" fragte die Baronin.
Dieser schreckte jaus seinem Sinnen chuf. Dann bot er Irma den Arm, während Arno die Majorin führte.
' Weich lehnte sich Irma an seine Schulter. Er atmete« den Duft sichres Hagres, und fühlte, den leisen,, wärmest Druck ihres Armes.
„Sie Aermster", flüsterte sie. „Wie bleich Sie ansi sehen! Erledigen Sie nur bald Ihre Geschäfte hier, und kommen. Sie wieder M Ms. So ernst, so traurig haibr


