Nr. 142.
1901
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Sonntag den 6, Oktober, j
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X einer kann kn leichtem Spiel
$ Dieses Lebens Preis erjagen;
Fest in's Auge fass' dein Ziel, Bis die Pulse höher schlagen. Und sich dir an Fuß und Hand Wieder straff die Sehne spannt.
Und so wand're Schritt für Schritt
Den Gefahren kühn entgegen;
Hoch das Haupt und fest der Tritt, Und im Herzen Gottes Segen, Auf der Stirn des Kampfes Schweiß:
So gewinnest du den Preis. Julius Sturm.
noch gedacht hatte? ...
Nein, nein, schrie cs in seinem Herzen auf, diese hier, fes einfache, schlichte Mädchen, die sein Later m der Todesstrrnde Tochter genannt, die Geliebte ferner ^ugend^ sehnsucht, sie gehörte zu ihm,. nicht jene, bte ihn Mit einemmale als der böse Geist feines Lebens erschien.
Hastig ergriff er ihre Hand. „
„Verzeih mir, Else, daß xäy nichts von mir Horen
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'Ich! Lat Dich ja selbst, nicht an mich zu schreibens entgegnete sie mit gesenktem Blick. „Aber ich habe vst an Dich gedacht, Eitel Fritz — und ich will es nur gestehen, mit frohL Hoffttung in die Zukunft gesehen. Dem Vater wußte um uusere Liebe — ich habe es schon lange be- merkt, er neckte mich so oft —/«bet tn, der letzten Zeit war er so lieb und so freundlich! zu mir 7—^ er kam oft zu uns, dann plauderten wir zusammen, und ummte mich nie anders als „Töchterchen". = Ach, Mel Fritz, wir haben viel, viel tot ihm verloren - ,
Er vermochte nichts zu erwidern. Noch em inniger, warmer Druck ihrer Hand, dann wollte sie sich fhu ent», fernen Da trat Arno Sanuow mit zwei Damen und emem Herrn,' alle drei in tiefe Trauer gekleidet, ein.
Lieber Schfwäger, Freunde von Dir aus Berlin wün- schen Dich zu begrüßen", sagte Sanirow. ....
' Eitel Fritz war geisterbleich geworden- Er glaubte zu.
(Nachdruck verboten.) i
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O. Elsten
(Fortsetzung.)
IX. I
Die nächsten Tatze brachten für Eitel Fritz, den jetzigen Vertreter der Fmnilie, so vielerlei Arbeiten Ulid Pflichten, I er nicht an sich selbst denken konnte. Er empfand I
-diese unausgesetzte Thätigknt fast als eine Wohlthat; denn I sie lenkte ihn von den Gedanken ab, die mit unerträglicher I xmal seine Seele zermarterten. Wenn er spat abends -sich, zur Ruhe begab, dann kehrten diese Gedanken zuruck, B schlaflos sich auf dem Lager umherwälzend, sehnte er Len Tag herbei, welcher ihm neue Arbeit, neue Wichten
^Tag der Beisetzung des Verstorbenen war | erschienen. Der große Rittersaal des Schlosses war schwarz ausgeschlagen, auf hohem Katafalk, tot dessen Sette stl- herne Kronleuchter mit brennenden Wachskerzen standen, Mar der Sarg aufgebahrt. Noch! war der /Deckel nicht aus- Neschroben, die Angestellten des Gutes, die Leute aus dem Dorfe sollten noch einmal Gelegenheit haben, den vrr-- fftvrbenen Herrn zu sehen.
Unter der Führung des Inspektors Breymaniterschienen Lie Leute, alle tn ihren Sonntagskleidern, die Frauen jund Mädchen in schwarze Tücher gehüllt. Eitel Fritz und Mrno Sannoiv empfingen sie, die im ernsten.Schweigen an dem Sarge des Entschlafenen stehen blieben, der ihnen jallen ein freundlicher, milder Herr gewesen war.
Tas Antlitz des Verstorbenen hatte im Tode wieder Len fröhlichen, zufriedenen Ausdruck angenommen, den es jim Leben stets gezeigt, und so nahmen denn die Leute eine freundliche Erinnerung an den dahingegangenen Herrn Mit fort. Leise, in ehrfurchtsvollem Schweigen, wie sie gekommen, entfernten sie sich wieder, von dem Inspektor
und Arno Sanuow hinaüsbegleitet,_ nachdem sie alle Eitel Friü teilnehmend die Hand gedrückt. Nur eine schwarz gekleidete Frauengestalt kniete im stillen Gebet noch am,
Eitel Frch^trat auf sie zu, da sah- sie auf, und er- sckreckt wich er einen Schritt zuruck, er blickte m das chmerzbewcgte Antlitz Elses. Aum erstenmal sah er sie wieder, und alle die durch die Ereignisse der letzten Tage zurückqedrängten Gedanken stürmten aufs neue aus ihn m, „Else — Du hier — ?."■ , M
„Verzeih", entgegnete sie leise, sich erhebend, „auch ich! wollte Abschied von dem Entschlafenen nehmen, der. stets so freundlich- und gütig zu mir gewesen ist. ■ ]
^Aber Du kommst doch! Mit W-ernem Vater zur Trauer- ^Cier 'Bei jener^Feier würde ich ihn nicht gesehen haben - deshalb kam ich jetzt. - Armer Eitel Fritz-Wie tief empfinde ich mit Dir diesen unersetzlichen Verlust- . ch
Sie reichte ihm die Hand, während stchj ihre großen, blauen Augen von neuem mit Thränen füllten.
Er legte die Hand vor die Augen, er sah nicht, daß sie ihm die Hand reichte — eine unsägliche Qual zerriß sein Herz. Sie hatte ihn nicht vergessen, sie liebte ihn noch, das merkte er wohl - sie vertraute ihm - und er. I — er war schlecht und treulos, und wortlos! Stellte er denn in der Thal dieses Mädchen nicht mehr? Liebte er, sie weniger als jene andere, die ihm jetzt so wert, so unendlich weit entrückt schien, daß er ihrer in diesen Tagen kaum.


