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aber preßte, mitten im Zimmer stehend-, beide Hände auf die ungestüm wogende Brust, und ihre Lippen schlossen sich! so fest zusammen, daß ihr Gesicht dadurch einen seltsam veränderten, trotzig wilden, fast dämonischen Ausdruck erhielt.
(Fortsetzung folgt.)
Sonilenmotoren.
(Nachdruck verboten.)
Seit vielen Jahren haben sich die Erfinder mit dem Problem beschäftigt, die Sonnenstrahlen als Ersatz für Kohle, Holz und andere Brennstoffe in der Industrie nutzbar zu machen. Große Brenngläser -oder Reflektoren bildeten die übliche Form derartiger Versuchs-Maschinen, welche hauptsächlich- in Frankreich; konstruiert wurden. Der Brennspiegel eines Franzosen Billette maß 4 Fuß im Durchmesser und erzeugte eine so hochgradige Hitze, daß er Gußeisen in 16 Sekunden schmolz. Der Engländer Parker baute vor Jahren eine Linse von 3 Fuß Durchmesser, die einen Gußeisenwürfel in 3 Sekunden und Granit in einer Minute schmolz; vielleicht ist der Granit, ähnlich der Lava, einmal eruptiver Natur gewesen. Man kann daraus schließen, welche Erfolge man mit riesenhaften Reflektoren oder einer Gruppe kleiner Sonnenmotoren erreichen könnte.
Lange war es schwierig, so große Hohlspiegel zu bauen, bis man dies schließliche dadurch! erzielte, daß- man die Fläche des Hohlspiegels aus kleinen Glasstücken oder Spiegeln bildete. Dieselben sind so gestellt, daß das Licht oder der Reflex von allen Seiten nach! einem Punkte geworfen wird, so daß der Hitzeffekt durch die Vereinigung der Wärmeproduktion aller Spiegelflächen gebildet wird. Die in früheren Jahrhunderten angewendeten metallenen Brennspiegel hatten den Zweck, den Feind zu blenden. Aber fast alle diese Vorkehrungen erlangten keinen praktischen Wert. Es sei hier auch an die Geschichte des Archtmedes erinnert, der die feindlichen Schiffe mit Hilfe eines riesigen Brennglases in Brand gesteckt haben soll.
Im westlichen Amerika giebt es Gebiete, wo ein Motor, welcher kein Brennmaterial verzehrt, unschätzbare Dienste leisten könnte, und so haben sich amerikanische Erfinder in den letzten 20 Jahren sehr ernstlich-- mit dieser Frage beschäftigt. Solch-e Gebiete sind z. B. die Kalifornische Wüste, wo bedeutende Bergwerks-Projekte entstanden sind, ferner unfruchtbare Teile des Landes, wo eine künstliche Bewässerung notwendig wird. In der Wüste scheint die Sonne fast beständig, -und in Südkalifornien, ist das Verhältnis zwisch en Sonnenschein und Bevölkerung besonders in Betracht zu ziehen. In Südpasadena ist thatsächlich eine solche Maschine ausgestellt worden, die ihre Aufgabe vollständig erfüllt hat. Es ist eine selbstthätige, von der Sonnenwärme getriebene Maschine. Dieselbe befindet sich! in der Ostrich- Farm und hat die Aufmerksamkeit vieler Besucher auf sich! gezogen, zumal Süd-Kalifornien jetzt voll von Reisenden tft Von Ansehen gleicht dieser Motor einer großen Glas- scheibe und könnte von fern für eine Windmühle gehalten werden. Doch! diese Scheibe ist ein Reflektor mit einem Durchmesser von 33 Fuß, und seine Fläche ist aus 1800 kleinen Spiegeln zusammengesetzt, die so angeordnet sind, daß sie die Sonnenstrahlen in einem mittleren Brennpunkt vereinigen. Hier befindet sich, -ein Kessel, der 500 Liter Wasser faßt, während ein Dampfraum von 8 Kubik- fuh vorhanden ist Sier Reflektor muß der Sonne gerade entgegengerichtet werd-en, und er kann, obgleich- sein Gewicht sich nach Tonnen beziffert, leicht bewegt werden. Er steht, wie jedes Teleskop, auf einem Gerüst, dessen Achse in nord- südlicher Richtung liegt und dreht sich; vermöge eines Uhrwerks genau mit der Sonne. Dieses Uhrwerk wie alle sonstigen Bewegungseinrichtungen an diesem Apparate wirken selbstthätig. D-er genaue Brennpunkt wird- durch einen Zeiger angegeben. Etwa eine Stund-e nach! richtiger Einstellung des Kessels ist er weißglühend und das Manometer zeigt 150 Pfund Druck. Der Dampf wird aus dem schwebenden Kessel durch! ein biegsames Rotgußrohr zur Maschine geleitet und kehrt aus dem Kondensator als Wasser wieder zum Kessel zurück, sodaß dieser selbstthätig gefüllt erhalten wird-. Die Maschine ölt sich auch automatisch; und läuft, wenn erst der Reflektor nach, der Sonne gedreht wvrden ist so unabhängig wie eine Windmühle.
Die Hitze, die von mehr als 1700 Spiegeln dem Kessel zugeführt wird, wird von dem Beschauer des Apparates kaum wahrgenommen. Man sieht nur ein Wölkchen entweichenden Dampfes. Würde jedoch jemand auf die Scheibe klettern und quer über dieselbe hinweggehen, so würde er in wenigen Sekunden buchstäblich! verbrannt werden. Kupfer läßt sich! schnell in diesem Brennpunkt schmelzen und ein in den Bereich, desselben gebrachter großer Holzkloben flammt auf wie ein Zündhölzchen.
Daß, diese Maschine einen wirklich- großen Ersolg bedeutet, beweist die von ihr geleistete Arbeit; sie pumpt Wasser aus einem Brunnen und liefert damit ein Beispiel, wie man die schnelle Bewässerung eines Gebietes zu erzielen vermag. Sie hebt in jeder Minute 6000 Liter Wasser und- hat bis zu 10 Pferdekräften geleistet, kann aber nach- zuverlässiger Schätzung sogar 15 Pferdekräfte erzielen.
Dieser Motor ist das Resultat von Versuchen, welche mehrere Bostoner Kapitalisten angestellt haben. Erst baute man einen Silberreflektor, der viele Tausende Dollar kostete, aber nicht das gewünschte Resultat erzielte. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang es schließlich!, einen fünf- pferdigen Sonnenmotor zu bauen. Dann folgte die Ausführung des hier beschriebenen Motors in Pasadena; ein anderer womöglich, noch verbesserter Motor soll auf der panamerikanischen Ausstellung gezeigt werden. Was solch,' ein Motor für Landstriche bedeutet, die nur eine gute Bewässerung brauchen, um zu großer Blüte zu gelangen, ist noch gar nicht zu ermessen.
In solchen Gegenden — und dieselben umfassen in Amerika Tausende von Quadratmeilen — ist Brennmaterial so kostbar, daß fast ganz allein davon der Erfolg oder das Mißlingen eines Unternehmens abhängt. Das gilt besonders von weiten Landstrecken der Kalifornischen Wüste, von Kolorado, Utah und benachbarten Staaten und Territorien. Die Bergwerke und Brunnenanlagen liegen -oft weit ab von Eisenbahnen, und für brennstoffarme Gebiete müssen Holz und Kohle aus weiter Ferne herangeschafft toerbett. Hier wird der Sonnenmotor bald ein ganz hervorragender Faktor der Kultur werden. Da der Himmel hier fast immer wolkenlos ist, kann der Motor eine Stunde nach Sonnenaufgang seine Arbeit beginnen, und dieselbe bis vor Sonnenuntergang fortsetzen. Es ist möglich-, daß mit Verbilligung der Wärme auch! eine Aufspeicherung von Wek- trizität während des Tages möglich- sein wird, unk die Maschine noch bei Nacht oder Bewölkung des Himinels betreiben zu können. Nachdem man bereits zu so günstigen Resultaten gelangt, kann man auch kaum im Zweifel fein, daß die Maschine schon in kurzer Zeit wesentlich; verbessert werden wird, und eine ganze Anzahl von Ingenieuren beschäftigt sich bereits mit dieser Aufgabe, die eine sehr dankbare zu werden verspricht. Hd.
Unser Garten im Jmü.
(Nachdruck verboten.)
Kein gestrenger Herr hat uns in diesem Frühling seine schwere Hand- fühlen lassen. Froh und wohlgemut sehen wir unsere Gewächse von Tag zu Tag sich) weiter entwickeln. Diese Weiterentwrckelung zu fördern ist das Ziel unserer Arbeit, und- diese Arbeit muß dementsprechend sehr mannigfaltig sein. Im Gemüsegarten bildet das Hacken, d-as Jäten, das Häufeln eine große Hauptsache. Auch- das Gießen macht reichlich Muhe. Lassen wir uns dabei gesagt sein, daß, der Ersolg nur dann der Mühe entspricht, Wenn ordentlich; gegossen wird. Leichtes Ueb-erbrausen, winzige Mengen Wasser erfrischen wohl, aber sie helfen nicht Keller und Scheune füllen.
Der Juni ist noch; ein Monat, um Kohl für den Winterbedarf auszupflanzen. Man säet noch Radies, Salat, Karotten, Winterkohl und Endivien, legt Erbsen, Bohnen und sieht darauf, daß jedes Fleckchen im Garten, welches abgeerntet wurde, gleich wieder besetzt wird.
D-er Obstgarten giebt reichlich- Gelegenheit, die eigene Kunst zu zeigen. Alle Formvbstbäume müssen dem Sommerschnitt unterworfen werden. Letzterer ist ausführlich! beschrieben in der von mir herausgegebenen Gartenbauz-eit- schrift „Erfurter Führer im Gartenbau". Ganz besonders! vorsichtig sind die PfirsiWäume zu behandeln, damit sie


