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JaMte beste Schule ist des Lebens Ernst;
$59 Was du im Unglück und im Schmerz nicht lernst, Das wird dir nie des Glückes Morgen bringen. Druin sei du niemals jener Stunde gram, In der das Leid dich in die Schule nahm; In ihr nur lerntest Thaten du vollbringen.
Stelter.
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
Harro hatte sie angehört ohne sie zu unterbrechen; aber er starrte dabei auf sie, wie wenn sie sich vor seinen Augen in ein völlig fremdes Wesen verwandelt hätte. Seine Züge drückten eine tiefe Bestürzung aus; in seinen Augen aber spiegelte sich grenzenloses Erstaunen.
„Ein vollständiger Plan also?" sagte er langsam, als Hanna geendet. „Eine bewußte Jntrigue? Und Du hast ernstlich daran geglaubt, daß ich Mich zu einer solchen Schändlichkeit hergeben könnte? Sv gering hast Du von mir gedacht, daß Du mich fähig hieltest, mich mit gestohlenem Ruhme zu schmücken?"
Unwillig schüttelte Hanna den Kopf.
„Wir verstehen uns nicht — wenigstens nicht in dieser Sache. Und es ist jetzt, da Dein Schswerz um den Verstorbenen noch so frisch! ist, auch; wohl nicht der rechte Zeitpunkt darüber zu reden. Hättest Du mir nicht so hartnäckig mit Deinen Fragen zugesetzt, ich würde es gewiß auf eine passendere Stunde verschoben haben."
„Ich meine vielmehr, daß es garnicht schnell genug zur Sprache kommen konnte, Hanna! Und mit dieser Last auf Deinem Gewissen kamst Du hierher? Mit dem Bewußtsein dieser Schuld wolltest Du Erika Herbvld Auge in Auge gegenüberstehen? Das zu begreifen, geht über mein Vermögen. Ist mir's doch, als ob ich selbst nun nie mehr vor sie hintreten dürfte."
„Wenn es ein Unrecht war, was ich gethan habe, wirst Tu Dich allerdings wohl bequemen müssen, einen Teil der Verantwortung auf Dich zu nehmen. Und wenn es Dir nach dieser Erkenntnis Unbehagen verursacht, mit Fräulein. Erika auf dem bisherigen intimen Fuß weiter zu verkehren — nun, so wirst Du eben darauf verzichten. Die Welt dürfte jetzt, da ihr Vater tot ist, diesen Verkehr ohnehin nicht gerade für einen , schicklichen anschen."
„Hanna!" rief er, und wieder flammte es dunkel über
sein Gesicht. Sie aber fuhr mit einem spöttischen Zucken der Oberlippe fort:
„Nun? Was habe ich da so Schreckliches gesagt? Mir scheint, es ist keineswegs überflüssig, daß wir davon reden. Gestern noch warst Du der Herr Deiner Entschlüsse, und es stand Dir vollkommen frei, zwischen Fräulein Erika Herbold und mir zu wählen. Ich habe mich Dir nicht angeboten, und !($)■ erinnere mich! nicht, daß ich irgend etwas gethan hätte, sie aus Deinem Herzen zu verdrängen. Heute aber liegen die Tinge anders, und Du bist mir gewisse Rücksichten schuldig, auf deren Beobachtung ich bei aller Duldsamkeit gegen Deine sonderbare Freundschaft für dies Mädchen doch nicht ganz verzichten möchte. Wir sind nun einmal verlobt, und ich.bin nicht gesonnen, mich kompromittieren zu lassen, auch'wenn meine Person jetzt, da Du Dein Ziel erreicht hast, ihren Reiz für Dich! verloren haben sollte."
„Hanna, ich bitte Dich! — halte ein! Du weißt ja nicht, was Du sprichst — weißt nicht, was Du mit Deinen Worten freventlich zerstörst."
„O, ich glaube recht wohl zu wissen, wie es augenblicklich in Deinem Herzen aussieht. Fräulein Erika hat Dein Mitleid gut zu nützen verstanden, und die alte Liebe hat über die neue gesiegt. Aber es thüt mir leid, Harro, daß ich Dir nicht durch einen bereitwilligen Verzicht gefällig sein kann. Ich lasse nicht mit mir spielen, und ihr beide werdet euch wohl oder übel damit abfinden müssen, daß ich auf meinem Rechte bestehe. Und nun genug! — Es demütigt mich-, das Dach! dieses Hauses über mir zu wissen. Hast Du mir noch etwas zu sagen, so weißt Du mich ja zu finden."
Harro erwiderte nichts, und er machte keinen Versuch, sie zu halten, als sie 'mit stolz erhobenem Haupte das Zimmer verließ. Draußen blieb Hanna noch' eine Sekunde lang stehen, als erwarte sie, daß er ihr folgen werde. Ta aber drinnen alles still blieb, setzte sie ruhigen Antlitzes ihren Weg fort und trat aus die Straße hinaus.
Der Regen hatte aufgehört, und hier und da lugte schon wieder der blaue Himmel durch das zerrissene Gewölk. Hanna verzichtete deshalb darauf, einen Wagen zn nehmen, und weil nach der Aufregung der letzten Viertelstunde die kühle, reine Luft wohlthuend und beruhigend auf sie wirkte, schlug sie nicht einmal die, gerade Richtung nach ihrer Wohnung ein. Als sie durch' eine der stillsten und vornehmsten westlichen Straßen schritt, trat aus einem der palastartigen Häuser ein sehr elegant gekleideter Herr mit rosigem Antlitz und wohlgepflegten Bartkotelettes. Sichtlich freudig überrascht, zog er bei ihrem Anblick mit lebhafter Gebärde seinen Hut.
„Tie alte Sage von dem traditionellen Glück der Restorps scheint bei mir neuerdings wirklich! wieder zur


