Ausgabe 
6.1.1901
 
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wegen Schnee und Eis die freie stille Gotteswelt aufsuchen, sind lebende Zeugnisse für die wunderwirkenden hygieni­schen Einflüsse der winterlichen Natur. Im Anschluß an die winterliche Touristik haben sich deutsche Winterkurorte entwickelt, und die Entwickelung wird zweifellos vorwärts gehen. Es wird sich in diesen Orten genau dasselbe Leben entfalten wie in den sommerlichen Badeorten; neben Lei­denden, die ihrer Kur leben müssen, wird man urgesunde Leute sehen, die vor allem dem Alltagsgetriebe der Stadt entfliehen und sich unterhalten wollen. Daß der Gedanke gesund und Praktisch ist, bezweifelt niemand. Daß er auf viel breiterer Grundlage verwirklicht werden mutz, als es jetzt der Fall ist, wird von Aerzten, Touristen und Volkswirtschaftlern, die auch im Winter das deutsche Geld in Deutschland'verzehrt sehen möchten, immer wieder be­tont; denn von den vielen Millionen, welche alljährlich für Winterkuren ins Ausland getragen werden, kann zweifelsohne der größte Teil ohne Schaden für den Kranken in Deutschland bleiben, sofern die deutschen Mittel­gebirge in dem Maße zu Winterkuren Verwendung finden, wie es infolge ihres Winterklimas, ihrer landschaftlich schönen Plätze und ihrer vielen für Winterkuren und Sport geeigneten Anstalten verdienen. Es fehlt zurzeit noch an ver nötigen bahnbrechenden Thätigkeit, sowohl für die Sache, als auch von feiten der bereits eingerichteten Kurorte. Weite Kreise wissen ja nicht, daß es in Deutschland Bäder gießt, die nicht mit dem Oktober schließen, daß in deutschen Bergen sich Wintersportheime eröffnet haben, die Zentral­stellen jeglichen winterlichen Sports sind. Und erfreulicher­weise ist diese Entwickelung in stetem Wachsen begriffen; höher aber, als die rein sportliche Seite des Schneeschuh­laufens und Rennwolffahrens, ja selbst höher als die volks­wirtschaftlich so bedeutende Erschließung des winterlichen Fremdenverkehrs ist die Thatsache zu schätzen, daß durch den Wintersport ein gutes Dritteil des Jahres in den Bereich des Naturgenusses gezogen worden ist und daß sich von hier aus nicht allein körperlich hygienische und durch die Errichtung von Winterkurorten heil­kräftige Wirkungen erstrecken, sondern daß der männlich­frische Geist des Wintersports das dumpfe Stubenhocker- tum in die Flucht geschlagen hat und für die Hebung der Volksgesundheit und der Volkskraft nicht genug zu würdigende Dienste leistet.

Gemeinnütziges.

Hie Boskoop, hie Canada, hie Kasseler. Unter diesem Weckruf wird im -Erfurter Führer im Garten­bau" eine Erhebung veranstaltet, die bezweckt, dem Obst­bau nach einer ganz neuen Richtung hin zu dienen. Sie will die vielen ähnlichen und gleichen Sorten ausmerzen, nm unter unseren guten Obstsorten das beste herauszufinden. Die Idee ist vielversprechend. Sie wird dazu beitragen, unserem -Obstbau eine weitere, schnellere Entwickelung zu - verschaffen, vor allem aber ihn einträglich zu machen. Den Beweis dafür liefert die Erhebung, welche die erste von vielen nachfolgenden ist, insofern gleich, als sie feststellt, daß von den drei obengenannten Aepfeln, die als vorzüg­liche Sorten bekannt sind, der Schöne von Boskoop weitaus der beste ist. Gleichzeitig. hat aber die Erhebung noch ein viel wichtigeres Moment festgestellt, nämlich das, daß der Schöne von Boskoop ein Apfel ist, welcher alljähr­liche Ernten liefert. Wer da weiß, daß die Sicherheit der Ernten xrst die Grundlage für einen einträglichen Obst­bau schasst, der wird zu würdigen wissen, welch gewaltiger Vorteil unserm Obstbau erwachsen muß, wenn ihm die Sorten genannt werden, die alljährlich Ernten liefern. Wünscht jemand Kenntnis von dieser Erhebung zu nehmen, so braucht er sich nur an das Geschäftsamt desErfurter Führers" zu wenden, welches im Interesse des deutschen Obstbaues diese Nummern auf ^Verlangen kostenfrei zusendet.

Dermikhtes.

Rasch und siegreich hat sich die neue aktuelle Zeit­schriftDie Weite Welt" Bahn gebrochen und mit ihrem Programm, neben der Darstellung der zeitgeschicht­lichen Ereignisse in Wort und Bild vor allem die Pflege echter, moderner Kunst zu betreiben, in weiten Kreisen des

Lesepubikumls Anklang gefunden. In der neuesten (18.) Nummer dieser Zeitschrift wird der Leser wieder besondere Freude an der Prächtigen Wiedergabe von vier Gemälden hervorragender Maler haben. Eine vortreffliche Abhandlung über Gustav Schönleber, durch zahlreiche Illustrationen er­läutert, gießt ein anschauliches Bild von dem Wirken dieses- hervorragenden Landschafters. Von den litterarischen Bei­trägen dieser Nummer erwähnen wir noch eine durch ihre Lebenswahrheit packende Skizze von FrapanMahlzeit", sowie eine Betrachtung des Wirklichen Geheimen Rat Ex­zellenz- Dr. Koch über die Reichsbank, anläßlich des fünf- undzwanzigjährigen Jubiläums dieses Instituts, und einen Aufsatz des Prof. Dr. Rein-Jena, über die kaiserliche Schulreform. Die einzelne Nummer des Heftes (Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin) ist durch alle Buchhandlungen für den Preis von 25 Pf. zu beziehen..

Lktterarifches.

Das soeben.'erschienene Heft 5 von VelhaglN vnd Klafings Monatsheften steht unter dem Zeichen des herrannahenden Jubiläums des preußischen Königtums. Herr Pros. Dr. Erich Marcks, der be­rühmte Leipziger Historiker, eröffnet es mit einem ausgezeichneten Essay überDas Königtum der Hohenzollern", Dr. Arend Buchholz, Bibliothekar der Stadt Berlin, schildert anschließend die Krönung zu Königsberg am 18. Januar 1701; der Artikel ist reich nach zeit­genössischen Gemälden, Stichen u. s. w. illustriert. In dem wiederum ungemein vielseitigen Heft beginnt ein neuer Roman von Ernst Remin, Das rote Ange", der uns an die deutsche Küste führt und sehr kraft­voll einsetzt. Der bekannte Weltreisende E. v. Hesse-Wartegg gibt lebensfrische Bilder ausunbekannten Gebieten der deutschen Südsee", Prof. Dr. Ed. Heyck plaudert sehr interessant über seine Vortragsreise in Brasilien". Aus einem Artikel über die Bühnen Berlins und ihre neuesten Aufführungen sei besonders die Kritik über HartlebensNoseniuontag" herausgehoben, in der Hanns v. Zobeltitz dieseOffizicrstragödie" vom Standpunkt eines älteren Offiziers aus­bespricht. Wie immer, ist das ganze Heft sehr feinsinnig illustriert.

Der Stein der Weisen", dessen erfolgreiches Wirken auf dem Gesamtgebiete der populären Wissenschaften längst allgemein anerkannt ist, eröffnet mit feirtein soeben erschienenen 13. Hefte den 26. Band. In letzterer Ziffer allein schon ist die außergewöhnliche Leistung dieses Unter­nehmens gekennzeichnet. Das vorliegende, reich illustrierte Heft enthält, wie man dies seit jeher seitens der trefflichen Revue gewohnt ist, viel Interessantes aus verschiedenen Wissensgebieten: Das seismische Pro­blem, Moderne Wandbekleidung, Die Mineralwässer, Die Seidenspinne Madagascars, Der Telephonbetrieb, Bur- rough's Additiousmaschine, Rhodesien, lieber Automaten u. s. w. Die Abbildungen sind durchweg interessant und lehrreich. Kleinere Beiträge aus der Natur- und Erdkunde, der Meteorologie, der Hygiene, dem Verkehrswesen und verschiedene andere wissenswerte Mitteilungen vervollständigen den abwechslungsreichen Inhalt. Wir nehmen erneut Anlaß, denStein der Weisen" (A. Hartlebeu's Verlag,. Wien), der mit so großem Eifer seiner dankenswerten Aufgabe der Po­pularisierung der Wissenschaften obliegt, unseren Lesern bestens zu empfehlen.

Ergänzungsräts eL

Nachdruck verboten.

A---, schützt und rettet.

8 a--, in Oesterreich.

-- n, am Himmel.

8-- d, am Faß.

Ti--, im Zimmer.

Werden statt der Striche die passenden Buchstaben gesetzt, so müssen diese im Zusammenhang ein beliebtes Getränk bezeichne«.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Tuurchrätsels in voriger Nummer: Knecht Ruprecht (Lahn, Wand, Eier, Bavken, Halm, Wette, Harm..

Bauer, Paul, Born, Feder, Revhen, Lahn, Tasse.)

Auflösung des Preisrätsels (WeihnuchtS-Königszugs) in Nr. 185:

Der Weihnachtsglocken fromme Mahnung

Tönt wie ein Gruß aus Kindertagen;

Die Seele faßt's wie gläub'ge Ahnung, Sie fühlt sich auf zum Licht getragen; Und bei des Cbristbaums Hellen Kerzen, Da senkt sich Frieden in die Herzen. (Helene Judeich.) Es gingen insgesamt 31 richtige Losungen ein, das Los fiel auf Nr. 1. Einsender: Elly von Schlemmer, Gießen.

Der Preis 1 Mappe mit Bildern des historischen Gutenberg- Festzuges in Mainz 1900 ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquitlung in der Geschäftsstelle derFamilienblätter" in Empfang zu nehmen. >

Rcdaknon: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße»,