Donnerstag de« 5. September
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enn du in den Rat gehst, so laß deine Person daheim.
(Nachdruck verboten.)
Prüfung.
Kriminalerzählung von E. Sg.ai.itb er g.
(Fortsetzung.)
Der Sonntag war da. Held und Mohrmann fuhren gegen Mittag in einem leichten Landauer hinaus nach! der Forstmeisterei B.
Held befand sich in sehr gehobener Stimmung. Er freute sich auf das Wiedersehen mit dem lieben Mädchen, das ihn bis jetzt in seinen freien Stunden fast unaufhörliche beschäftigt hatte. —
Nun war der Augenblick gekommen, wo er ihre Hand mit leisem Druck zur Begrüßung fassen durfte. Während Mohrmann noch mit der Hausfrau einige verbindliche Worte wechselte, standen die beiden jungen Menschen etwas entfernt von den übrigen und sahen sich! gegenseitig in die strahlenden Augen, mit einer Wiedersehensfreude, welche die kurze Bekanntschaft eigentlich gar nicht rechtfertigte, und doch wieder welche dumpfe, alle Sinne beklemmende Befangenheit dabei.
Wie schnell war der selige Augenblick entflohen. Die Hausfrau wandte sich! an Held mit der Frage, wie ihm sein neuer Wohnort gefalle? „Nicht wahr, ein simples Nest?" setzte sie hinzu, „die Einwohner steif und zurückhaltend dem Fremden gegenüber. Und als fremd betrachten sie alle, die nicht daselbst geboren und ausgewachsen sind. Es bedarf erst längerer Zeit, um sich unter ihnen wohl zu fühlen. Ick) weiß ein Lied davon zu singen, Herr Amtsrichter."
„Meine Frau übertreibt", siel lächelnd der Forstmeister ein. „Ganz so schlimm ist es nicht. Man kann es ja gewissermaßen den Leuten auch nicht verdenken, wenn sie sich dem Fremden gegenüber etwas kühl Verhalten, sie wollen ihn eben erst kennen lernen."
„O Du Blindgläubiger! Du siehst eben das abwehrende, das stille, leise Zurückhalten nicht; weil Du frei und mit offener Herzlichkeit einem jeden entgegenkommst, übersiehst Du ganz, wie das bei den andern weit weniger der Fall ist."
„Aber Kind, hättest Du denn wirklich« Ursache, über zu geringes, gesellschaftliches Entgegenkommen zu klagen? Haben wir nicht ein hübschen, gemütlichen Kreis lieber Freunde?"
„Ganz recht", entgegnete seine Gattin, „aber dieser Kreis
besteht nur aus Beamten, ebenfalls Fremden, den Eingesessenen gegenüber."
„Und was thut das, Kind?"
„O, ich, bebaure das auch weiter nicht, ich wollte nur damit den Ton schildern, den die Alteingesessenen uns Zu- gewanderten gegenüber bekunden."
„Solche Elemente giedt es eben überall. Ein jeder ist von seiner Heimat eingenommen und mißgönnt gleichsam dem Fremden die Vorzüge, welche dieselbe in seinen Augen besitzt.
„Und hat dabei eine still. Wut gegen den Beamtenstand."
„Urteilst Du auch da nicht zu schroff, liebe Frau? Du könntest wahrhaftig unfern Heben Amtsrichter bange machen und ihn zu einer schleunigen Flucht veranlassen.
„Ja nicht, Herr Amtsrichter! Ich hoffe vielmehr, daß Sie sich unserem Kreise um so getreuer auschließen, an Aufmunterung dazu wird es nicht fehlen."
Held verbeugte sich gegen die Hausfrau.
Sie hatte das alles in heiterem, munterem Ton gesagt, dennoch wollte ihnt ihre Art nicht gefallen. Lag dem wirklich ein Gekränktfühlen zu Grund, oder war es nur die Ueberhebung der Großstiückerin, der alles Kleinbürgerliche verhaßt ist und lächerlich erscheint? Sollte seine stille Befürchtung, der er gegen Hanna an ihrem Reisetage einigen Ausdruck gegeben, am Ende doch eintreffen und die junge Schwester des Forstmeisters keinen allzu leichten Stand ihrer Schwägerin gegenüber haben? Das wäre ihm des stillen, sinnigen MädchMs halber leid gewesen. Auch! Hanna schien den leisen Druck, den diese Frau fast gegen jedermann auszuüben verstand, bereits zu fühlen. Ihr liebes Gesichtchen, das er während der lebhaften Aburteilung der Hausfrau mehrmals gestreift, schien ihm nicht die heitere, zuversichtliche Ruhe von neulich« auszudrücken, etwas wie eine bange Sorge schien darauf zu liegen.
Doch« trotz der kleinen Mißstimmung mußte er anerkennen, die Forstmeisterin verstand meisterhaft, es ihren Gästen behaglich! zu machen. Das Diner war ausgezeichnet, und der Forstmeister hall«: für einen guten Tropfen gesorgt. So war es denn kein Wunder, wenn bald eine sehr lebhafte, fröhliche Stimmung Platz griff.
Held hatte Hanna zu seiner Tischnachbarin, während Mohrmann die Hausfrau zur Tafel geführt hatte. Auf diese Weise konnte er sich seiner Reisegefährtin eingehend widmen, und er that das mit allem Eifer, den ihm sein Interesse für Hanna eingab. Aber sonderbar, so oft er in ein heiteres oder tieferes Gespräch! mit Sganna verwickelt war, hatte die Hausfrau stets eine Frage an ihn, die sie dann in die Länge zu ziehen verstand, sodaß Hanna meist nur stille Zuhörerin war. Jede Bemühung, die Held aud) versuchte, das Gespräch abzubrechen, oder wenigstens Hanna


