Ausgabe 
5.5.1901
 
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Geschichte des Thaters. Als verspäteter Nachkömmling, der sich seines Geburtsjahres schämte, und deshalb ohne Jahreszahl auftrat, ist der im Jahre 1875 geprägte bayrische Marienthaler zu nennen.

Aber so eine Thalersammlung erzählt uns nicht nur von dem Ringen Deutschlands nach Einigkeit, sondern auch von den Opfern, die, zumeist durch eigenes Verschulden, ihr gebracht werden muhten. Ta begegnen wir manchem Zeugen geschwundener Größe, dessen Anblick dem Herzen eines braven Partikularisten wehe thun würde. Tie Anhalt- Bernburger, schöne Ausbeute- oder Segensthaler, mit dem gekrönten Bären auf der Mauer und der Inschrift: Segen des Anhalt. Bergbaues, wurden nur bis 1862 geprägt; ein Jahr später erlosch das Fürstenhaus, und das Land fiel an Anhalt-Dessau zurück, welches nun den sogenannten Ver- einigungsthaler mit der Inschrift: Geteilt 1603, vereint 1863, prägen ließ. Welcher Leser hätte nicht schon einmal mit der schönen Francofurtia geliebäugelt, zu deren reizen­dem Profil die Schauspielerin Janauschek gesessen haben soll. Die Sage läßt freilich die Tochter des Frankfurter Rothschild oder gar eine Geliebte des Millionärs als Vor­bild gelten, während man andererseits das Zeichen des Münzmeisters am Gewandabschnitt: A. v. Nordheim als Anna v. N. liest. Den Frankfurtern bereitete ebenso wie den noch zahlreich umlaufenden Hannoveranern, den Thälern des Kurfürstentums und der für uns Jüngere schon völlig sagenhaft klingendenLandgrafschaft" Hessen, sowie denen des Herzogtums Nassau das böse Jahr 1866 ein unerwartetes, jähes Ende.

Aber auch Erinnerungen minder ernster Art verkörpern sich in den blanken Silberstücken. Da lesen wir auf einem Thaler König Johanns von Sachsen die Worte: Geprägt in Gegenwart S. M. des Königs, Dresden, d. 24. April 1855. Ein sogenannter Münzbesuchsthaler, bestimmt, den welt­historischen Moment zu verewigen, in dem Hoheit oder Majestät der Prägung ihres Bildnisses zuzuschauen ge­ruhten! Wegen ihrer Seltenheit sind von solchen Stücken sehr geschätzt die Gedenkthaler Georg V. von Hannover von 1853, Adolphs von xNassau (ohne Jahreszahl), von denen 1861 nur drei Stück probeweise geprägt worden sind, weil der Besuch der Münze unterblieb, und Friedrich Augusts II. von Sachsen. Letzterer sollte an den Besuch der Prinzen Albert, Ernst und Georg und der Prinzessin Elisabeth erinnern; der Prägeteufel jedoch, offenbar von seinem Vetter, dem Druckfehlerteufel, verführt, erlaubte sich den Scherz, die Königlichen Hoheiten zur Dreieinigkeit umzu­stempeln, und sein Werk d e m Prinzen Albert Ernst Georg zu widmen. Wie unzeitgemäße Scherze muten uns heute auch zwei Gedenkthaler an, mit denen Hannover ein Jahr vor seiner Einverleibung die Welt beglückt. Der erste ist den Siegern von Waterloo gewidmet", als welche nach hannoverscher Auffassung nur die Engländer und Han­noveraner gälten. Der zweite feiert, in zwei schönen Präg­ungen sogar, die fünfzigjährige Vereinigung Ostfrieslands mit dem Welfenstaate, und war erst recht geeignet, in Preußen, das dieses Ländchen 1815 hatte abtreten müssen, böses Blut zu machen. Unfreiwillige Komik spricht aus einigen Thalern des Jahres 1848, aus denen mehrere Fürsten sich durch Fortlassen des V. G. G. ihres Gottes- gnadentums entäußerten. SolcheAngstthaler", wie das Volk sie taufte, erschienen z. B. in Hannover und Mecklen­burg-Schwerin.

Erfreulicher, als die soeben angeführten Prägungen, berühren einige, hauptsächlich von den freien Städten aus­gehende Thalerstücke, welche Gelegenheiten feiern, bei denen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Wunsch nach der Einigung Deutschlands zum Ausdrucke kam. So prägte Frankfurt im Jahre 1859 einen Gedenkthaler: Zu Schillers hundertjähriger Geburtsfeier, 1862 einen solchen zum deut­schen Schützenseste, auf dessen Vorderseite Germania, auf­recht und mit der Linken auf den Schild gestützt, mit der Rechten einen Kranz darreicht. Im August 1863 folgte ein Gedenkthaler mit der Umschrift: Fürstentag zu Frankfurt am Main. Die Vorderseite dieses vorzüglichen Stückes zeigt den Römer, vor welchem Franz Joseph von Oesterreich in offener Equipage vom Volk begrüßt wird. In demselben Jahre prägte Bremen einen Gedenkthaler: Zur 50jährigen Jubelfeier der Befreiung Deutschlands, und 1865 feierte

es das in seinen Mauern stattfindende zweite deutsche Bundesschießen durchs eine eichenlaubgeschmückte Denkmünze, auf deren Wappenseite wir die Währungsangabe: Ein Thaler Gold, lesen.

Preußen hat hinsichtlich der Prägung von Gedenkmünzen immer große Zurückhaltung bewiesen. Die beiden einzigen Stücke dieser Art sind der Krönungsthaler von 1861 und der Siegesthaler des Jahres 1871 mit der thronenden, das Schwert haltenden Germania. Der sogenannte Siegesthaler von 1866 unterscheidet sich! von seinen Vorgängern nur durch den Lorbeerkranz auf dem Haupte des Königs, und der Sterbethaler Friedrich Wilhelms IV., nach dem Ableben dieses Herrschers im Jahre 1861 in einer Anzahl von 10 000 Stück geprägt, trügt gar kein besonderes Merkmal. Zeitweilig schon mit 100 Mk. und darüber bezahlt, ist er jetzt im Preise aus 20 bis 30 Mk. gesunken. Einen sehr schönen Sterbethaler widmete Sachsen dem Andenken seines im Jahre 1854 gestorbenen Königs Friedrich August II. Die Kehrseite zeigt die thronenden Göttinnen der Gerechtigkeit und der Liebe mit der Umschrift: Er säete Gerechtigkeit und erntete Liebe. Bayern prägte unter Ludwig II. neben gewöhnlichen Thalerstücken die schon erwähnten schönen Marienthaler, welche anstatt des Wappens aus der Kehrseite die Jungfrau mit dem Christuskinde auf Wolken thronend und die Inschrift: Patrona Bavariae zeigen. Ein würdiges Gegenstück zu ihnen bildet der bayrische Gedenk­thaler auf den Frankfurter Frieden 1871, mit der thronen­den, Lorbeerkranz und Füllhorn haltenden Friedensgöttin und der Umschrift: Durch Kampf und Sieg zum Frieden.

Die deutschen Kleinstaaten waren nicht häufig in der Lage, sich das Vergnügen eigener Thalerprägungen leisten zu können; sie halsen sich mit dem Reichtum der großen Herren aus. Einige von ihnen, z. B. Lippe-Detmold, die beiden Reuß, Schaumburg, Waldeck, Liechtenstein haben nur ein- oder zweimal prägen lassen; daher kommt es, daß wir ihren Thalern kaum jemals im Umlaus, sondern nur noch als geschützten und oft sehr teuer bezahlten Sammelobjekten begegnen." So wird z. B. das Exemplar der 1862 zu Wien in 'der geringen Anzahl von 1920 Stück geprägten Liechten- steinschen Thaler gegenwärtig mit 50 bis 60 Mk. bezahlt. Zu den vom Sammler begehrten Seltenheiten gehören u. a. die braunschweigischen Thaler Herzog Wilhelms von 1837, die hannoverschen Ernst Augusts von 1838, 1840 und 1839, letztere auf der Kehrseite anstatt des Wappens mit der In­schrift: Glückauf! Klausthal, im September 1839; ferner ein hessischer Ludwigs III. von 1857 mit der Randschrift: Konvention vom 24. Januar 1857, der ein Probestück bildete und vor seiner endgiltigen Genehmigung noch Abänder­ungen erhielt. Ein ebenso seltenes Probestück ist der Thaler Friedrich Wilhelms III. von 1823 mit der erhabenen Randschrift: Gott mit uns.

Wenn auch in den vorstehenden Zeilen die Reihe der schönen, merkwürdigen oder seltenen Zhalergepräge noch keineswegs erschöpft ist, so regt doch vielleicht schon das Angeführte mqnchen Leser an, die ihm durch die Finger gehenden Stücke etwas genauer anzusehen, und diesen oder jenen schönen oder seltenen Vogel einzufangen, ehe er sich, ein zweiter Phönix, in die Flammen stürzt, aus denen er als Markstück von neuem geboren werden soll. Wir werden uns durch solche gelegentliche Rettung den Tank von Kind und Kindeskind erwerben, denen derThaler" sonst zum leeren, inhaltlosen Begriff zusammenschrumpfen müßte.

Unser Garten im Mai.

(Nachdruck verboten.)

Die angenehmste Arbeit ist das Stechen des Spargels. Vorsicht dabei! Man soll die Pfeifen freilegen, bevor man sie sticht, und nicht zu tief mit dem Messer in den Boden hineingehen, das Messer trifft sonst die Spargelpflanze nnd richtet Verwüstungen an. Gegen die Spargelfliege, die junge Anlagen besonders gefährdet, sind weiße Stäbchen mit Vogelleim beschmiert auf das Spargelfeld zu stecken. Gegen den Spargelkäfer und gegen das Spargelhähnchen ist frühzeitiges Absuchen in kleinen Anlagen, Bespritzen mit Pariser Grün in größeren Anlagen notwendig. Es werden Bohnen ansgesäet, vom 10. bis 15. Mai Gurken, Melonen, Kürbis, doch sorgt man für recht warmen Boden. Das Pflanzen aller Gemüse nimmt seinen Fortgang. Man