Sonntag den 5. Mai
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9lles blüht und freut sich wieder, Grüne Hoffnung schmückt die Welt, Und aus blauem Himmelszelt Tropfen frühe Lcrchenlicder. Sieh'! Die Sonne lacht so heiter Und die Luft weht lind und lau; In den Wolken steht: „Vertrau Und sei fröhlich — Gott hilft weiter!" Zoozmann.
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(Fortsetzung.)
„Ich habe kaum die Hälfte davon gebraucht. Tu stehst mich ungläubig an; aber ich lüge nicht. Die Natur hat mich zur'Verschwenderin bestimmt; aber ich besitze einigermaßen die Kraft, meine Triebe niederzuhalten. Der Tag wird kommen, an dem ich das nicht mehr nötig habe. Und
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ortmann.
dann — ah, dann —" ,
Sie breitete die Arme aus, als ob ste damrt eure Fülle von unsichtbarer Herrlichkeit umfassen wollte, und in einem tiefen Atemzuge hob sich ihre Brust.
„Du bist Deiner Sache sehr gewiß, und rch wünsche von Herzen, daß Deine Hoffnungen sich erfüllen. Aber ich fürchte, Hanna, auch Tu wirst eines Tages die Macht jenes kleinen, geflügelten Gottes empfinden, vor dem wir allzumal schwache Sterbliche sind. Mit einer einzigen Bewegung seiner Schelmenhand wirft er unsere festesten Grundsätze über den Hausen, und mit einem Hauch seines Mundes bläst er unsere schönsten Luftschlösser in alle Wurde."
Dein geflügelter Gott wird mir nur wenig anhaben, Bernhard! Er wird es gewiß nicht sein, der meine Pläne stört." _
In lächelnder Warnung erhob der Rechtsanwalt
^Fordere ihn nicht heraus, Schwesterchen! Man soll der Gefahr nicht spotten, bevor man sie überstanden hat."
„Ich aber habe sie bestanden."
Er horchte verwundert auf.
„Ist es möglich? — Deshalb--"
„Tu meinst, ich sei deshalb aus Zurich entflohen? Nein. Mein jetziger Entschluß hat nichts damit zu schaffen. Tas, woran ich denke, liegt schon um Monate zurück, und seit Monaten schon ist es, als wäre es nie geschehen."
„Weshalb hast Tu mich nicht in Dein Vertrauen gezogen, Hanna?"
„O, es gab dabei sehr wenig, das des Anvertrauens wert gewesen wäre. Es war nichts als ein kleines Abenteuer. Ein Manu hat mich geküßt, und ich habe seine Küsse erwidert — das ist eigentlich alles."
„Hm! — Ein recht einfacher Vorgang, in der That. Aber um seine Bedeutung richtig zu würdigen, müßte man doch wohl die näheren Umstände kennen."
„Ich habe keine Ursache, sie Tir zu verschweigen. Wir hatten einen Ausflug ins Berner Oberland gemacht, eine russische Studentin, die sich meine Freundin nannte, und ich. Auf einer Gletscherwanderung, die wir ihrer Harmlosigkeit wegen ohne Führer machten, hatte id). das Unglück aus'zugleiten, und mir eine Sehnenzerrung am Fuße zuzuziehen. Ich konnte ohne Unterstützung nicht einen Schritt weiter thun, und meine Begleiterin war zu schwächlich, mir diese Unterstützung zu gewähren. Darum blieb ich, wo ich war, während sie nach der nächsten Alm zurückgehen wollte, Hilfe zu holen. Kaum aber war sie mir aus dem Gesicht, als unerwartet ein Ritter auftauchte — und zwar seiner äußeren Erscheinung nach ein wirklicher Ritter, obwohl er keine silberne Lohengrin-Rüstung, sondern eine schäbige Lodenjoppe trug. Er wurde auf den ersten Blick meiner Hilflosigkeit gewahr, und bot mir seinen Beistand auf eine Weise an, die eine Ablehnung fast unmöglich machte. Halb geführt, halb getragen, legte ich mit ihm den beinahe einstündigen Weg nach der Schutzhütte zurück, wo ich nach seiner Versicherung eher als auf der Alm alles vorfinden würde, was ich brauchte, um mir den sehr notwendigen festen Verband anzulegen. Natürlich blieben wir unterwegs nickt stumm, und ich lernte in dieser Stunde den ersten Mann kennen, der mir durch die Ueberlegenheit seines Geistes, ebenso wie durch die Ueberlegenheit seiner Körperkraft imponierte."
„Harro hat also doch recht, man muß einem jungen Mädchen zu imponieren verstehen, um es zu gewinnen."
„Eine Kunst, in der sich Tein Freund bis jetzt noch etwas unsicher fühlt, nicht wahr? Nun, mein Ritter war allerdings aus anderem Holz geschnitzt als er. Schüchtern oder bescheiden war er durchaus nicht. Als er mich die letzten hundert Meter dis zur Schutzhütte in seinen Armen hinaufgetragen hatte, weil ich vor Schmerzen halb ohnmächtig war, fühlte ich plötzlich seinen Mund auf dem meinigen, und er lächelte mich dabei so zuversichtlich heiter an, als wäre dies die selbstverständlichste Sache von der Welt."
Sie erzählte ihr Abenteuer ohne alle mädchenhafte Befangenheit, wie wenn sie über das Erlebnis einer- fremden Person berichtete. Tie ernsthafte Miene ihres Bruders schien sie zu belustigen, und aus seine Frage, ob sie denn dem Unverschämten solchen Mißbrauch ihrer Wehrlosigkeit nicht sehr energisch verwiesen habe, erwiderte sie lachend:


