Ausgabe 
5.3.1901
 
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Hieben, obgleich ihr später noch mehrere Male Gelegenheit geboten wurde, sich glänzend zu verheiraten. Ein ver­gilbtes Stammbuchblättchen trägt folgende Worte ihrer liebelt Schwester Albertine, die sich auf jenes Ereignis be­ziehen:

Das edle Metall muß durch Flammen geläutert werde», Und ging es zn Grunde, so war es nicht edel."

Ein zweites hierauf bezügliches Blättchen trägt die In- ? schrift ihres teueren früheren Lehrers, der ihr später ein treuer Freund und Berater wurde, des Direktors einer höheren Lehranstalt, bei dem Henriette Davidis nach ihrer Entlassung aus der Töchterschule ihre weitere Wissenschaft-^ liche Ausbildung erhalten hatte. Dieser versuchte, seine ehe-s malige Schülerin, deren schöne ^geistige Begabung und Talente er wohl kannte, und der auch voraussah, daß der. noch schlummernde schriftstellerische Beruf früher oder später in ihr erwachen müßte, durch die Worte aufzurichteu:

Aufgeschaut dahin, von woher ,Jhre große Bestimmung: Ihnen ward!" und Gott wird mit Ihnen sein; denn seine heiligen Engel freuen IM en Rosen."

Jahre waren seitdem vergangen, und Henriette Davidis - war zu einer bedeutenden Schriftstellerin herangereift. Es ' dürfte gewiß von Interesse sein, einen Einblick in die stille Werkstatt, wo sie ihr Erstlingswerk, mit welchem sie ihre litterarische Thätigkeit begann, zum größesten Teil ge­schaffen, und von wo aus sie das aller Orten gepriesene Kochbuch in die Welt geschickt hat, zu thuu. In Sprock­hövel, einem hübsch gelegen Städtchen in der Nähe ihres Heimatsdorfes, hatte sie sich! zu jener Zeit ein bescheidenes,. aber anmutiges Heim gegründet. Die Wände ihres gar freundlichen Arbeitszimmers waren bis zur Decke mit groß- j blätterigem Epheu dicht berankt, und zwischendurch schauten allerlei hübsche blühende Topfblumen, die ihren Stand auf kleinen Postamentchen hatten. Die Ausstattung war geschmackvoll, aber sehr einfach und bestand außer bei»; Schreibtisch mit nötigen Schreibutensilien, aus alten, blank-! aufpolierten Möbeln des Wengernschen Pfarrhauses liebe Erinnerungsstücke ihrer Heimgegangenen Eltern. Hier in dieser lieblichen Umgebung und von der Hoffnung beseelt, daß ihr ein gutes Gelingen des Kochbuchs den Weg zu anderen geplanten Schriften ebnen würde, schrieb Henriette Davidis mit der ihr eigenen Arbeitsfreudigkeit, die sie durchs ganze Leben begleitet hat, die Kochrezepte nieder, welche sie zuvor praktisch geprüft hatte. Kein Rezept hat sie in ihr Buch aufgenommeu, welches sie nicht persönlich mit ihrer kundigen, sicheren Hand ausprobiert und für gut befunden hat, was umsomehr anzuerkennen ist, als das praktische Kochen obgleich sie eine vollendete Meisterin in der Kochkunst war nicht zu ihren Lieblingsbeschäftig­ungen gehört hat. Um nun neben dieser prosaischen Arbeit auch anderen Gedanken Raum zu geben, wanderte Henriette Davidis täglich in aller Morgenfrühe in ihren lieben, naheliegenden Wald, wo sie sich körperlich nnd geistig er­frischte, und zu solchen Zeiten sind denn auch die meisten ihrer Gedichte entstanden, die sie zu ihrer Erholung ver­faßt hat. Warum dieses Manuskript ihrem stillen Schrein entzogen und später veröffentlicht wurde, ist oben erwähnt und hat Herr Julius Bädeker (Elberfeld, später Iserlohn) 1848 den Verlag der Gedichtsammlung übernommen.

Es ist allbekannt, mit wie großem Glück Henriette Davidis ihre schriftstellerische Laufbahn mit dem berühmten Kochbuch eröffnet hat, und wie sehr ihre mühevolle Arbeit, durch welche alle Kochrezepte so zuverlässig geworden und so klar beschrieben sind, daß Anfängerinnen darnach kochen können, überall Anerkennung fand. Im Jahre 1844 übergab sie dieses erste Werk der Oeffentlichkeit, und schon in dem nächsten Jahre war eine neue Auflage nötig, bis e§' kurz vor ihrem Tode zum 20. Male neu aufgelegt und nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch bis weit über dessen Grenzen hinaus als ein Musterkochbuch bekannt wurde. Seit dem ersten Erscheinen hat die Verfasserin alle Auflagen besorgt, vermehrt und verbessert, bis sie es auf die Höhe eines Meisterwerkes gebracht und bei den letzten Auflagen eine weitere Vermehrung nicht mehr als nötig erachtete. Die noch weiter gesammelten Kochrezepte hat Henriette Da­

vidis dann ihrentberühmten WerkeDie Hausfrau" größten- teils noch einverleibt, und es sind auch noch viele Rezepte unter ihren hinterlassenen Schriften aufgefunden worden.

In derHausfrau" befindet sich als Beigabe ein kleineres, vorzügliches Kochbuch, welches vollständig für bürgerliche Verhältnisse ausreicht. Alle die darin ent­haltenen Rezepte sind ebenfalls äußerst zuverlässig. Dieses kleinere Kochbuch erscheint auch abgetrennt vom obigen als: Besonderer Abdruck aus dem WerkeDie Hausfrau" unter dem Titel:Davidis-Trainer, Kleines Kochbuch" im Ver­lage von Belhagen & Klasing in Bielefeld, wo bekanntlich auch das große Davidissche Kochbuch verlegt wird.

Freudig angeregt durch bett glänzenden Erfolg ihres Kochbuchs ging nun Henriette Davidis mit erneuter Schaffens­lust an ein zweites Lehrbuch für Aufängerinneu und Haus­frauen, und schuf ihrGartenbuch", das zuerst im Jahre 1850 herauskam, und welches nicht nur in Hansfrauen- kreisen, sondern auch in gärtnerischen Fachkreisen große Anerkennung fand. Es hat bereits 18 Auflagen erlebt und ist im Verlage von Julius Bädeker in Iserlohn und Leipzig erschienen.

Nach, diesem Werke entstand 'Der Beruf der Jungfrau". Jni Jahre 1860 veröffentlichte endlich Henriette Davidis ihr zweites Meisterwerk, das so vorzügliche Lehrbuch, für die Frauenwelt,Die Hausfrau", und erzielte auch hiermit großartige Erfolge. Der Ruf dieses Werkes uud ihres Koch­buches ist nach Holland, England und Amerika gedrungen, in welchen Ländern diese Bücher, die ins Englische und Holländische übersetzt wurden, sehr bekannt, beliebt und namentlich in Amerika stark verbreitet sind. Noch andere gute und nützliche Schriftchen hat die unermüdliche Schrift­stellerin geschaffen, z. B. dieKraftküche von Liebigs Fleisch­extrakt", erschienen 1870. Seit sie den Wert dieses vor­züglichen Fabrikates erkannt und die Hausfrauen auf die Wichtigkeit desselben fürGesunde uud Kranke" hinge- wiesen, hat sich Liebigs Fleischextrakt in den meisten deut­schen Familien eingebürgert.

So haben die genannten vorzüglichen Bücher nach allen Richtungen hin Gutes und Nützliches gestiftet und als ge­radezu segensreich für die deutsche Frauenwelt ist die Hausfrau" vou Henriette Davidis geworden, wie solches Hunderte vou Dankesschreiben beweisen. Ihre litterarische Schaffenskraft war bis zuletzt so lebhaft wie zuvor, und es ist ihr darum auch möglich gewesen, nebenher noch die Fülle von einlanfenden Briefen zn beantworten. Von nah und fern wurde Henriette Davidis bald in dieser, bald in jener Weise von jungen und älteren Damen und sogar von Familienvätern vertrauensvoll in ihre Angelegenheiten gezogen, und sie war immer bereit, Rat und Hilfe zu spenden. Manches junge Eheglück hat sie aufbauen helfen, und alle die, welche den Segen ihrer Feder empfunden und genossen, die durch sie erst deu häuslichen Herd schätzen und lieben gelernt und es deutlich empfunden haben, daß die häusliche Arbeit selbst die höchststehende Frau adelt, werden dankbar der seltenen Frau gedenken.

Henriette Davidis wurde am 3. April 1876, im Alter von 75 Jahren, in Dortmund, wo sie ihren dauernden Wohnsitz genommen hatte, mitten aus ihrer unermüdlichen Schaffensthätigkeit durch den Tod herausgerissen. Sie ruhet nun aus von ihrer Arbeit, doch ihre Werke folgen ihr nach.

Abstrichräts el.

Nachdruck verboten.

Kolben, Mond, Bias, Albert, Sinn, Satz, Luna, Galgen.

Von jedem Wort ist die Hälfte der Buchstaben abzustreichen, dic andere muß aus nebeneinaudcrstehendeu Buchstaben bestehen. Werden diese stehengeblicbenen Gruppen im Zusammenhang gelesen, bezeichnen sie ein wichtiges Ziel der modernen Politik.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Märzveilchen.

Redaktion: $. Burkhardt. Drnik und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Lteindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.